VDSL2 Bundesnetzagentur genehmigt Telekom Turbo-DSL

Die Telekom darf loslegen: Die Bundesnetzagentur will dem Konzern den Ausbau neuer Highspeed-Datennetze erlauben. Die Konkurrenz wettert dagegen, fürchtet Exklusivrechte für den Ex-Monopolisten. Doch noch ist die Entscheidung nicht endgültig.
Netzwerkkabel: Die nächste Stufe von VDSL kann ausgebaut werden

Netzwerkkabel: Die nächste Stufe von VDSL kann ausgebaut werden

Foto: Corbis

Bonn - Die Bundesnetzagentur weicht den garantierten Zugang sämtlicher Telekomanbieter zur sogenannten letzten Meile auf. Wie aus dem Entscheidungsentwurf  hervorgeht, muss die Telekom ihren Wettbewerbern den Zugang zur Teilnehmeranschlussleitung (TAL) zwar grundsätzlich weiterhin gewähren. Unter bestimmten Bedingungen darf sie ihn aber verweigern, damit sie selbst oder ein Konkurrent dort Vectoring einsetzen kann.

Das auch als VDSL2 bezeichnete Vectoring ist eine VDSL-Technik, die in Kupferkabeln höhere Übertragungsraten als mit VDSL möglich macht. Theoretisch sind damit bis zu 100 Mbit/s beim Download und 40 Mbit/s beim Upload möglich. Ein Nachteil ist, dass Vectoring immer nur von einem Anbieter pro Kabelverzweiger (die grauen Verteilerkästen am Straßenrand) genutzt werden kann.

Mit ihrer Entscheidung reagiert die Netzagentur auf einen Antrag der Telekom, die Zugangsmöglichkeiten zur letzten Meile für Wettbewerber einzuschränken, um selbst Vectoring einsetzen zu können.

Voraussetzung für das Aussperren von Konkurrenten ist, dass es in dem Gebiet bereits ein zweites, von einem Wettbewerber betriebenes, Festnetz gibt. Außerdem muss die Telekom in dem Gebiet mehr TAL erschlossen haben als ein Konkurrenzunternehmen und dem Wettbewerb als Ersatz für den Zugang zur TAL alternative Netzzugangstechnik anbietet. In der Regel dürften das ADSL-Anschlüsse sein.

Für Leitungen, die Mitbewerber bereits von der Telekom angemietet haben, ändert sich nichts. Die Konkurrenten können dort weiterhin VDSL-Anschlüsse betreiben und auch künftig weitere Leitungen für VDSL schalten lassen. Allerdings müssen Wettbewerber dort ab 2017 selbst Vectoring einsetzen und ein sogenanntes Bitstromprodukt, also etwa einen DSL-Zugang, anbieten, wenn die Telekom das von ihnen verlangt.

Telekom-Konkurrenz fürchten unfairen Wettbewerb

Der Bundesverband Breitbandkommunikation (Breko) kritisiert die Entscheidung der Bundesnetzagentur scharf. Die Telekom erhalte dadurch eine Freibrief fürs Breitband und werde von der bisherigen Entbündelungsverpflichtung befreit, erklärt der Verband. Für Wettbewerber werde der Breitbandausbau damit "massiv erschwert". Zudem könne die Telekom nun "Vectoring nun exklusiv überall dort einsetzen, wo sie es plant". Die Konkurrenz bliebe außen vor.

Noch allerdings handelt es sich bei dem Schreiben der Bundesnetzagentur nur um einen Entwurf. Alle Parteien können bis zum 10. Mai Stellung dazu nehmen. Zudem findet am 24. April eine öffentliche mündliche Anhörung in Bonn statt. Erst danach wird der Entwurf an die EU-Kommission und die nationalen Regulierungsbehörden der übrigen EU-Mitgliedstaaten übermittelt. Die Staaten haben wiederum einen Monat Zeit, um sich zu äußern.

mak/dpa-AFX