Geplante Modernisierung Neue Bundes-IT wird zum Milliardenfiasko

Für ursprünglich eine Milliarde Euro sollten alle Bundesbehörden einheitliche IT-Arbeitsplätze bekommen. Doch die Kosten explodieren, der Haushaltsausschuss des Bundestages fordert eine "Neuordnung".

Reichstag in Berlin: Haushaltsausschuss bremst Großprojekt
Kay Nietfeld/DPA

Reichstag in Berlin: Haushaltsausschuss bremst Großprojekt


Das wichtigste und teuerste Digitalprojekt der Bundesregierung, die Modernisierung der IT der Bundesverwaltung, wird zum Fiasko.

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Heft 36/2019
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Wie der SPIEGEL in seiner aktuellen Ausgabe berichtet, sperrte der Haushaltsausschuss des Bundestages bereits im November wegen der "unerwartet hohen Kostensteigerung des Gesamtprojekts" mit rund 400 Millionen Euro wesentliche Teile des Budgets und forderte dessen "Neuordnung".

Das geht aus einem aktuellen Schreiben aus dem Finanzministerium hervor. Die sogenannte IT-Konsolidierung des Bundes wurde vom Kabinett 2015 beschlossen und ursprünglich mit einer Milliarde Euro veranschlagt.

Mehrkosten von rund 2,5 Milliarden Euro

Dabei sollen unter anderem einheitliche IT-Arbeitsplätze in knapp 200 Behörden und Ministerien eingerichtet werden. Bisher herrscht dort ein Wildwuchs von Rechnern, Software und Verfahren. Das Mammutvorhaben war auf zehn Jahre angelegt, doch die Kosten explodierten schnell. Nach dem aktuellen Papier summieren sich die Mehrkosten schon jetzt auf rund 2,5 Milliarden Euro. Die Parlamentarier bremsten das Vorhaben deshalb nicht nur finanziell, sie forderten auch, es "noch einmal von Grund auf zu durchdenken".

Einen kleinen Teil der gesperrten Mittel gab der Ausschuss dem Bericht zufolge im Juni frei. Allerdings darf die Bundesregierung sie nur für "nachhaltig unabweisbare Maßnahmen" verwenden. Mindestens bis in den Herbst soll die "Überprüfung des Gesamtprojekts" noch dauern.

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kig/rei/rom



insgesamt 57 Beiträge
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Seite 1
burlei 30.08.2019
1. Informationstechnik ... Informationstechnik ....
Da war doch mal was.... Ich meine, außer "Neuland" .... Achja! da gibt es doch ein Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur und das Bundesministerium des Innern, Bau und Heimat! Das letztere hat doch die Gesamtprojektleitung der IT-Konsolidierung übernommen. Wer ist da nochmal der Chef, also Bundesinnenminister.... Achja, Seehofer, CSU. Und der andere, der vom BMVI .... Scheurer, CSU. Warum wundere ich mich jetzt über nichts mehr?
wolf_xl 30.08.2019
2. Davon kann ich ein Liedchen singen...
...ich bin in der IT einer oberen Bundesbehörde beschäftigt - es ist teilweise noch viel schlimmer als es der Artikel vermuten lässt...
sozialismusfürreiche 30.08.2019
3. Behörden-IT mich wundert nichts
Behörden-IT mich wundert nichts. Wer Papierverfahren 1:1 digitalisieren will produziert ausser Kosten nicht wirklich einen Fortschritt.
frank57 30.08.2019
4. Das Fiasko
ist schon lächerlich! Was kriegt diese Regierung mit all ihren "Experten" überhaupt noch hin?
mb2017 30.08.2019
5. Wundert mich nicht
Nach meiner Erfahrung sind alle Behörden für eine IT. wichtig ist nur: Die eigenen Prozesse dürfen sich nicht ändern Die Zahl der untergebenen Mitarbeiter darf sich nicht verringern (Bedeutungsverlust der eigenen Abteilung) Man muss neue Mitarbeiter bekommen, die die Computer bedienen. Hier fehlen spanische Methoden. Wer nicht mitmacht kann sofort gehen. Alle anderen müssen beweisen, dass man sie noch braucht.
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