Cybersicherheit Parteien im Bundestag drohen Hackerangriffe

Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik rät den Bundestagsfraktionen nach SPIEGEL-Informationen dringend, ihre IT-Systeme besser zu wappnen. Grund für die Warnung ist ein Angriff in Österreich.

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Deutschlands oberste Cybersicherheitsbehörde hat die Bundestagsfraktionen vor Hackerangriffen gewarnt. In einem Schreiben ist von einer "hohen Bedrohungslage im Bereich der politischen Akteure" die Rede. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) rät den Abgeordneten und ihren Parteien dringend, ihre Webserver und internen Netzwerke abzusichern.

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Unter anderem sollten sie ein "Monitoring zur Angriffserkennung" einrichten und ihre IT so aufstellen, dass sensible Bereiche entkoppelt und so besser vor Hackern geschützt seien. Sicherheitsexperten könnten mit sogenannten Penetrationstests erkennen, ob und wo Systeme Schwachstellen haben.

Anlass der Warnung, so schreibt das BSI, sei ein im September "evident gewordener gezielter Cyberangriff auf die Österreichische Volkspartei" - wenige Wochen vor der Nationalratswahl. Wer hinter der mutmaßlichen Attacke steckt, ist unklar, das österreichische Bundeskriminalamt und der Verfassungsschutz ermitteln. Die Partei spricht von 1,3 Terabyte an abgeflossenen Daten.

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insgesamt 7 Beiträge
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Seite 1
shardan 04.10.2019
1. Nicht überraschend
Ein Bekannter, Techniker bei einem großen IT-Dienstleister und ebendort im Bundestag tätig, hat mal ein wenig aus dem Nähkästchen geplaudert.. Abgeordnete führen sich da auf Ludwig der XIVte persönlich, "l'état, c'est moi". Da wird schon mal mit Konsequenzen gedroht, wenn der Herr Abgeordnete nicht selbst Software auf dem Lappi installieren kann, denn sein Sohn will da Spiele drauf haben oder möchte das Ding am Wochenende für seine Hausaufgaben nutzen... Das Sicherheitsbewusstsein unserer Staatsführung mag besser geworden sein - gut ist es noch lange nicht. Dass das Projekt "neue Bundes-IT" zu scheitern droht, ist kaum verwunderlich. Da sind einige Sachgründe dahinter, wenn eine spezialisierte Software auf den neuen Systemen nicht laufen will... oft ist es aber auch geballte Unflexibilität, weil man ja Anwender erst auf neue Systeme schulen müsste (völlig unüberwindbares Hindernis, schon klar), oder weil man ganz schlicht keine eingefahrenen Gleise verlassen will. Der Amtsschimmel halt halt einbetonierte Füße.
lollopa1 04.10.2019
2. Warum gibt das BSI nicht zwingende Vorgaben
Toll, da haben wir extra ein Bundesamt, aber das darf für Bundesbehörden nur Empfehlungen geben, besser geht's nicht! Aber da sieht man wie viele Jahre deutsche Behörden in der IT hinterher hinken. Sicherheit? Nicht vorhanden, wie konnte es sonst sein dass ein MdB kinderpornographisches Material auf seinem Dienstlaptop hatte? Mich wundert dass die Regierung noch nicht lahmgelegt wurde von Hackern, oder es gibt da nixx interessantes
marclarsen 04.10.2019
3.
Zitat von shardanEin Bekannter, Techniker bei einem großen IT-Dienstleister und ebendort im Bundestag tätig, hat mal ein wenig aus dem Nähkästchen geplaudert.. Abgeordnete führen sich da auf Ludwig der XIVte persönlich, "l'état, c'est moi". Da wird schon mal mit Konsequenzen gedroht, wenn der Herr Abgeordnete nicht selbst Software auf dem Lappi installieren kann, denn sein Sohn will da Spiele drauf haben oder möchte das Ding am Wochenende für seine Hausaufgaben nutzen... Das Sicherheitsbewusstsein unserer Staatsführung mag besser geworden sein - gut ist es noch lange nicht. Dass das Projekt "neue Bundes-IT" zu scheitern droht, ist kaum verwunderlich. Da sind einige Sachgründe dahinter, wenn eine spezialisierte Software auf den neuen Systemen nicht laufen will... oft ist es aber auch geballte Unflexibilität, weil man ja Anwender erst auf neue Systeme schulen müsste (völlig unüberwindbares Hindernis, schon klar), oder weil man ganz schlicht keine eingefahrenen Gleise verlassen will. Der Amtsschimmel halt halt einbetonierte Füße.
Mich wundert nix mehr, man ist ja "wichtig" und kann tun und lassen was man will auch am Laptop... Bekannter hat neuen Job angefangen, Dienstlaptop bekommen. Da schnallst ab, was die für Sicherheitseinrichtungen haben. Ich würd mich nicht trauen auf der Kiste nur mal kurz das Wetter oder Stau abzufragen. Mach ich bei meinen Dienstlaptop genau so, alles dienstlich. Aber da sind wir wieder mal bei der Arroganz der Oberen Zehntausend... Der Vergleich mit dem Sonnenkönig passt übrigens super!
T. Wittlinger 04.10.2019
4. Kritische Infrastrukturen - ein weites Feld, ein zu weites?
Tja es ist schon erstaunlich mit welch großer kognitiver Dissonanz unserer politischen Entscheider, auf allen Ebenen - nicht nur beim Bund auch in den Ländern und den Kommunen, im Thema "Kritische Infrastrukturen" (vgl. @AG_KRITIS) unterwegs sind. Solange allerdings gilt: [...] "Hackback-Quartett spielt doch heutzutage jedes hippe Cyberland..." https://media.ccc.de/v/2019-218-wie-hackback-mit-der-gesellschaft-spielt#t=0 ...dürfen sie sich dann nicht wundern, dass "Effekte zweiter Ordnung" auftreten...;-)
Oberleerer 04.10.2019
5.
Zitat von marclarsenMich wundert nix mehr, man ist ja "wichtig" und kann tun und lassen was man will auch am Laptop... Bekannter hat neuen Job angefangen, Dienstlaptop bekommen. Da schnallst ab, was die für Sicherheitseinrichtungen haben. Ich würd mich nicht trauen auf der Kiste nur mal kurz das Wetter oder Stau abzufragen. Mach ich bei meinen Dienstlaptop genau so, alles dienstlich. Aber da sind wir wieder mal bei der Arroganz der Oberen Zehntausend... Der Vergleich mit dem Sonnenkönig passt übrigens super!
Politiker haben ihre Kompetenz im "Vernetzen", soziale Kontakte knüpfen. IT-Sicherheit ist das genaue Gegenteil und auch sonst sind Politiker in kaum einem anderen Themengebiet bewandert. Über die Hälfte der Abgeordneten sind Juristen, zwei Drittel sind Beamte. Die haben von IT soviel Ahnung, wie ich von Jura. Man kann denen eigentlich nur ein Web-Office einrichten, daß die nicht in Versuchung kommen, eigene Datensammlungen anzulegen.
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