Bis zur Bundestagswahl In Googles Infoboxen dürfen Politiker jetzt selbst mitschreiben

Google gibt deutschen Politikern die Möglichkeit, an prominenter Stelle für ihren Standpunkt zu werben: Bundestagskandidaten bekommen dafür in den sonst neutral gehaltenen Google-Infoboxen ein personalisierbares Feld.

Schulz-Infobox mit persönlichem Statement

Schulz-Infobox mit persönlichem Statement


Wer ist der Kanzlerkandidat Martin Schulz (SPD) und wofür steht der Herausforderer von Kanzlerin Angela Merkel? Wer diese Information googelt, dem wird seit Montag neben den Suchergebnissen eine spezielle Infobox angezeigt.

Google hat für alle zur Wahl stehenden Kandidatinnen und Kandidaten solche Infoboxen eingerichtet, die nicht nur trocken Auskunft über Familienstand, Geburtsdatum und Lebenslauf geben. In den Wochen bis zur Wahl können Politiker sich und ihr Programm in den normalerweise neutral gehaltenen Infokästen mit selbst erstellten Texten vorstellen. Google weist dabei in den Infoboxen darauf hin, dass es sich bei diesen Texten um persönlich verfasste Standpunkte des jeweiligen Politikers handelt.

Weil die Boxen prominent auf der ersten Seite der Suchergebnisse eingeblendet werden und ohne einen weiteren Klick direkt sichtbar sind, dürfte das Angebot von Google für viele Kandidaten interessant sein: In den neuen Teilen des Personenkastens können sie ungefiltert ihre politische Position zum Ausdruck bringen und ihre Standpunkte ins beste Licht rücken.

Angebot gilt für alle Kandidaten

"Aktuell sind bereits Positionen der Spitzenkandidaten auf Bundesebene zu finden, weitere Kandidaten werden im Laufe dieser Woche ihre Statements eintragen können, um diese direkt in den Such-Infokästen anzuzeigen", heißt es von Google.

Das bedeutet: Nicht nur das Spitzenpersonal soll solche besonderen Info-Boxen bekommen, sondern möglichst alle der bundesweit rund 4500 Kandidaten, die sich zur Wahl stellen. Wie viele Kandidaten den freiwilligen und kostenlosen Service von Google nutzen werden, ist unklar.

Vom Unternehmen hieß es schon vor dem Start der Politiker-Infoboxen, man bemühe sich, möglichst alle Kandidaten zu erreichen. Für die Kontaktaufnahme arbeite man mit der dpa-infocom, einer Tochter der Nachrichtenagentur dpa, zusammen. Diese habe die Politiker im Auftrag von Google angeschrieben.

Das Vorgehen dürfte gewählt worden sein, weil Google selbst keine umfassende Adressliste zusammenstellen wollte - und stattdessen wohl lieber auf bestehende Kontaktnetzwerke zurückgriff. Wie die Kandidaten ihre Boxen betexten, ist ihnen überlassen. Volksverhetzende Botschaften etwa seien aber nicht zugelassen, heißt es von Google.

Weiteres Angebot mit Infos zu allen Wahlkreisen

Schon am Tag nach der Wahl, die am 24. September stattfindet, ist es aber wieder vorbei mit den neuen Infoboxen. Dann erscheinen die Politiker-Lebensläufe und -daten wieder ohne die persönlichen Textteile.

Neben den neuen Infoboxen startet Google ein weiteres Angebot für Nutzer, mit dem sich jeder über seinen Wahlkreis informieren kann. Auf einer eigens dafür eingerichteten Seite kann man unter Angabe seiner Postleitzahl erfahren, welche Direktkandidaten man wählen kann und Informationen über deren Parteien einholen. Als Quelle für die Kandidatenlisten dienen Google laut eigenen Angaben die Daten des Bundeswahlleiters und der Landeswahlleiter.

gru



insgesamt 3 Beiträge
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spontifex 04.09.2017
1. Werbung, Spam
So weit es um politisch sensible Themen geht, kann auch Wikipedia so eine 'Infobox' sein.
Ringmodulation 04.09.2017
2. Googles unverbindliche Infoboxen
Wenn mich jemand fragt, wo im Internet man am zuverlässigsten falsche Informationen her bekommt, dann verweise ich auf Googles Infoboxen. Da werden Personen ähnlicher Namen zusammengeworfen, selbst wenn sie in verschiedenen Jahrhunderten lebten. Menschen werden Ehen, Lebenspartner und Kinder zugeschrieben, mit denen sie nie etwas zu tun hatten. Fein, dass Google den Politikern nun einen Deal anbietet -- damit hat diese Fake-News-Quelle ein paar mächtige Gegner weniger.
burlei 04.09.2017
3. Och guck mal, die Alice Waigel....
[ZITAT]Wer viel leistet, soll auch etwas davon haben. Mehr netto vom brutto.[/ZITAT] Das hatten wir doch schon mal, oder nicht? Stimmt! Die FDP im Jahr 2009! Mehr Netto vom Brutto. (http://www.homopoliticus.de/2009/08/14/wahlplakate-2009/) Und was ist bei rausgekommen? Steuererleichterung für Hoteliers (Mövenpick!), nix mit "Mehr Netto vom Brutto". (http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/2009-fdp-strich-millionenspende-von-hotel-unternehmer-ein/3347176.html) Auf welche Großspenden hofft nun die AfD?
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