Service zur Bundestagswahl So setzt Google Politiker in Szene

Wer sind meine Direktkandidaten für die Bundestagswahl, und wofür stehen sie? Google will dieses Jahr schnelle Antworten liefern - und lädt daher Politiker ein, ihre Suchergebnisseite aufzumotzen.
Reguläre Merkel-Infobox auf Seite eins der Google-Suchergebnisse - noch ohne politische Botschaften

Reguläre Merkel-Infobox auf Seite eins der Google-Suchergebnisse - noch ohne politische Botschaften

Foto: Google

Wer den Namen Angela Merkel googelt, bekommt bei Google gleich auf der ersten Ergebnisseite grundsätzliche und hochseriös anmutende Infos. "Angela Dorothea Merkel ist eine deutsche Politikerin und seit dem 22. November 2005 amtierende Bundeskanzlerin", heißt es in einer Infobox, die direkt neben der Liste mit den Suchergebnissen den Wikipedia-Eintrag zu Merkel zitiert. Man erfährt unter anderem, wie groß die Kanzlerin ist (1,65 Meter) und dass ihr Ehemann Joachim Sauer heißt.

Ähnliche Infoboxen sollen ab der zweiten Augusthälfte bei Suchen nach Tausenden deutschen Politikern auftauchen, auch bei viel weniger bekannten - und die Infoboxen sollen auch gleich klarmachen, für was der jeweilige Politiker steht. Google bietet dieses Jahr allen für die Bundestagswahl zugelassenen Kandidaten die Chance, diese Boxen teilweise selbst zu betexten.

Im Anschluss an - je nach Informationsbasis mehr oder wenige ausführliche - Fakten zur Person wie etwa die Körpergröße oder die Parteienzugehörigkeit werden die Boxen ausnahmsweise Platz fürs Selbstmarketing bieten: In maximal 500 Zeichen sollen die Kandidaten ihren politischen Grundsatz erklären dürfen und dann noch drei Prioritäten, ihre wichtigsten Themen im Wahlkampf. Dabei sind sie allerdings auf jeweils 140 Zeichen - also auf die Länge eines Twitter-Postings - beschränkt.

Fast alles ist erlaubt

Das Angebot ist freiwillig. Von Google heißt es, das Unternehmen bemühe sich möglichst alle der geschätzt 4500 Kandidaten zu erreichen und um Eingaben für die Box zu bitten. Beim Inhalt seien die Kandidaten frei, heißt es, solange ihre Botschaften nicht zum Beispiel volksverhetzend seien.

Für die Kandidaten ist das Angebot verlockend: Wenn es auf den Wahltag zugeht, suchen erfahrungsgemäß viele Menschen online nach Informationen zu den Kandidaten aus ihrem Wahlkreis (wenn sie überhaupt wissen, welcher ihr Wahlkreis ist - eine Information, die Google ab Ende August ebenfalls mit einem neuen Online-Angebot liefern will). Weil die Boxen wie beim Beispiel Merkel ohne einen weiteren Klick sichtbar sind, sobald man eine Google-Suche durchgeführt hat, sind die Informationen kaum zu übersehen.

Googles Betexte-deine-Box-Service bietet den Politikern nun die Chance, ungefiltert für sich und ihre Positionen zu werben: Auf der ersten Suchergebnisseite zu ihrem Namen steht so, was sie dort stehen haben wollen - und womöglich fällt manches unliebsame Ergebnis, was sonst direkt bei ihrem Namen auftaucht, den Nutzern so weniger in Auge.

Für den Fall, dass sich die Prioritäten eines Kandidaten in den kommenden Wochen mal verschieben, lässt Google die Politiker ihren Sprüche zwischendurch auch überarbeiten: Der selbstgeschriebene Teil der Box kann so theoretisch auch als eine Art prominent platzierter Statusbeitrag dienen. Auch ein Verlinken der eigenen Social-Media-Accounts in der Box soll möglich sein, anders als das Einbauen von Fremdlinks, etwa als Trick, um die 500-Zeichenbegrenzung zu umgehen.

So praktisch er letztlich wohl für textsichere wie internetaffine Politiker ist, so kurzlebig wird der neue Google-Service sein: Schon am Tag nach der Wahl, die am 24. September stattfindet, sollen die Wahlwerbe-Boxen wieder von den Suchergebnis-Seiten verschwinden.

Hinweis der Redaktion: In einer früheren Version des Artikels hieß es fälschlicherweise, der Bundeswahlleiter lasse Kandidaten zur Bundestagswahl zu. Die Passage sollte eigentlich zum Ausdruck bringen, dass Google die Daten des Bundeswahlleiters als Quelle für seine Kandidatenliste nutzt. Kandidaten werden von den Wahlausschüssen auf Wahlkreis-, Landes- und Bundesebene zugelassen.

mbö