Trotz Sicherheitslücken Bundesbehörde bringt elektronische Wahl ins Gespräch

Gerade erst fanden Hacker Schwachstellen in der Software, die zur Bundestagswahl eingesetzt wird. BSI-Chef Schönbohm kann sich dennoch für die nächste Abstimmung ein elektronisches Verfahren vorstellen.
Wahlhelfer sortieren und zählen Stimmzettel in einem Wahllokal

Wahlhelfer sortieren und zählen Stimmzettel in einem Wahllokal

Foto: Friso Gentsch/ dpa

Trotz Sicherheitslücken in der Software, die auch bei der Bundestagswahl zum Einsatz kommt: Der Chef des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) glaubt nicht, dass Deutschland sich von der Idee einer elektronischen Wahl verabschieden müsse.

Das sagte Behördenchef Arne Schönbohm in einem Interview mit dem "Handelsblatt" (nur Online hinter der Paywall , nicht in der gekürzten Print-Version). Schönbohm verneinte die Frage, ob man die Umstellung auf die elektronische Wahl - wie es sie in anderen Ländern bereits gebe - absagen solle. "Wenn wir das Thema Digitalisierung ernst nehmen, dann dürfen wir dabei nicht einzelne Bereiche ausblenden", so Schönbohm. "Die elektronische Wahl sollte Thema in der nächsten Legislaturperiode sein."

Unklar bleibt, wie die Aussagen des Behördenchefs in Einklang zu bringen sind mit einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts von 2009 . Dieses hatte Wahlcomputern eine klare Absage erteilt. Sie sind in Deutschland nicht im Einsatz zur Bundestagswahl.

Wahlzettel aus Papier als bester Manipulationsschutz

Schönbohm betonte, natürlich müsse die Sicherheit im Vordergrund stehen. So müsse es zum Beispiel eine Zwei-Faktor-Authentifizierung geben. Im Alltag kommt diese etwa beim Onlinebanking mit zwei getrennten Geräten zum Einsatz.

In der vergangenen Woche waren schwere Sicherheitslücken in der Wahl-Software bekannt geworden, mit der die Wahlergebnisse bei der Bundestagswahl zumindest teilweise von den Kommunen und Ländern zum Bundeswahlleiter übertragen werden können. Dieser Softwareeinsatz ist erlaubt, es handelt sich um Programme, die vereinfacht gesagt beim Zusammenrechnen und Weiterleiten der Ergebnisse helfen können.

In den Analysen der Sicherheitsexperten hatten sich die Wahlzettel aus Papier als wichtigster Schutz vor dem Szenario einer möglichen Manipulation bewiesen. Die Stimmzettel können immer wieder nachgezählt und mit den digital übermittelten Ergebnissen abgeglichen werden. Wird elektronisch gewählt, fehlt dieser Manipulationsschutz.

acg/gru/dpa