Bundestagswahl 2017 Bundeswahlleiter befürchtet Hacker-Attacken

Angriffe auf die Wahl-Rechenzentren, gezielt gestreute Falschinformationen und Propaganda - die Bundeswahlleitung wappnet sich für die kommende Bundestagswahl, will Manipulationen verhindern. Zur Not per Fax.

Tatwaffe Keyboard: Sabotage und Manipulationen?
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Tatwaffe Keyboard: Sabotage und Manipulationen?


Bundeswahlleiter Dieter Sarreither rechnet während der Bundestagswahl in diesem Jahr mit massiven Hacker-Angriffen auf sein Verwaltungsnetz. "Wir bereiten uns auf vielfältige Angriffsstrategien durch Cyber-Attacken vor, spielen Szenarien durch", sagte Sarreither im Gespräch mit der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung".

Zur Vorbereitung auf eventuelle Manipulations- oder Sabotageversuche habe man unter anderem die Kapazitäten des Rechenzentrums verdreifacht, könne Rechner und Standorte wechseln. Im Ernstfall, so Sarreither, werde er auch das Cyber-Abwehrzentrum der Bundesregierung nutzen. Die Bundestagswahl sei dadurch technisch so abgesichert, "dass sie gegen alle Manipulationsversuche geschützt ist".

Per Amts-Tweet gegen Propaganda?

Allerdings haben sich die Risiken für Wahlen und den politischen Meinungsbildungsprozess in den letzten Jahren deutlich verändert und verlagert: Fast wichtiger als direkte Angriffe auf Wahlcomputer und -rechenzentren dürfte die aktuelle Ausprägung manipulativer Propaganda werden - die verniedlichend "Fake News" genannte Lancierung bewusst falscher Informationen.

Darüber ist sich auch die Bundeswahlleitung bewusst: Falschmeldungen am Wahltag, die den Wahlablauf stören sollen, wolle die Bundeswahlleitung "öffentlichkeitswirksam schnell entgegenwirken", und dazu auch soziale Medien nutzen. Sarreither: "Wir werden auch einen eigenen Twitter-Kanal haben, über den wir am Tag der Bundestagswahl reagieren können."

Für den absoluten Notfall hält Sarreither noch eine ganz altmodische Methode parat: "Im Extremfall gibt es immer noch die klassischen Übermittlungswege von Telefon und Fax, um ein vorläufiges amtliches Endergebnis am Wahltag zu erstellen."

AFP/dpa/pat



insgesamt 10 Beiträge
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vor.morgen 15.01.2017
1. Gut, das wir nicht per Computer oder Wahlmaschinen abstimmen.
Die guten, alten Stimmzettel haben schon etwas für sich. Zur Not, zählt man in einzelnen Wahllokalen die einfach noch mal nach. Und wenn Übermittlungsfehler, bei den Prognosen am Wahlabend passieren - sind die ja rasch zu beheben. Wie es ja da auch steht. Zur Not per Telefon oder per Fax. Also kein Grund für Furcht. Die Parteien sollen nicht schon jetzt für Stimmenverluste vorbauen, in dem sie die üblichen Verdächtigen verdächtigen. Sondern sie sollen mit Taten und Erfolgen (bei der Regierung) oder Ideen und Konzepten (bei der Opposition) überzeugen. Das ist die beste Strategie gegen Fake-News! Also bemüht euch um die Wähler, tut etwas für sie und jammert nicht schon im vorhinein.
bomelunder.nix 15.01.2017
2. vor.morgen
Ihren Ausführungen kann man nur beipflichten. Es wäre vielleicht auch hilfreich dafür zu sorgen, dass die Briefwahlunterlagen nicht in irgendwelchen Containern oder Reißwölfen verschwinden.
taglöhner 15.01.2017
3. Schon mal gut
Was mir noch fehlt, ist eine Strategie, eventuelle Angreifer zu identifizieren und der Justiz zuzuführen.
delloc 15.01.2017
4. Ablenkungsmanöver
Wenn die großen Parteien sich programmatisch kaum noch unterscheiden, braucht es andere Aufreger, um die Wähler zu stimulieren. Ich gehe jede Wette ein, dass das Nato-Feindbild Putin/Russland bis zur BT-Wahl den Medien noch mindestens 100 Schlagzeilen liefert. Dabei tritt jetzt eine Partei an, die eine echte Alternative bietet: das "Bündnis Grundeinkommen". Mal sehen, wie es den Medien gelingt, dieses Thema im Hysterie-Hype angeblicher Cyber-Attacken zu entsorgen.
Fred the Frog 15.01.2017
5. Unterschied amtliche Wahlabwicklung und Wahlkampf
Was die Abwicklung der Wahl betrifft, sind wir mit der dezentralen Auszählung und Papiertstimmzetteln auf der sicheren Seite. Schlimmstenfalls kommt ein Teilergebnis erst am nächsten Tag in die Berichterstattung. Vielleicht wäre das ein Hinweis, dass wir nicht gleich zwei öffentlich-rechtliche Wahlstudios brauchen, die sich gegenseitig in der Hektik von Prognosen und Hochrechnungen überbieten. Für en Wahlkampf sieht es allerdings düster aus. Da braucht es auch keine Russen, um Stimmung zu machen, das schaffen die Parteien und ihre Schergen schon alleine. Hand aufs Herz: Wollen wir stattdessen ein Wahrheitsministerium, das alle zweifelhaften Meldungen aus dem Verkehr zieht - zweifelhaft im Sinne der Regierung? Und die übelsten Manipulatoren treiben doch schon seit Jahren ihr Unwesen: Wöchentlich angeblich gesammelte Umfrageergebnisse, wer unsere liebsten Politiker sind und wem wir(?) am meisten vertrauen.
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