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30C3: Jubiläumskongress des Chaos Computer Clubs

Foto: Patrick Lux/ Getty Images

Hacker-Kongress 30C3 Ein Fall für die Chaospatinnen

Seit zwei Tagen brummt der Jahreskongress des Chaos Computer Clubs in Hamburg. Kann man da als Normal-Netznutzer eigentlich hingehen? Oder ist das nur etwas für Nerds? Wer sich allein nicht traut, dem wird geholfen.

Hamburg - Wer zum ersten Mal zu einem Kongress des Chaos Computer Clubs kommt, kann sich schnell verloren fühlen: Menschen wuseln durch die Gänge und scheinen sich alle zu kennen, Leute sitzen am Laptop und blicken nicht auf, das Vortragsprogramm ist riesig, die Hallen sind riesig, und wer ein Foto von Besuchern macht, ohne vorher zu fragen, riskiert womöglich böse Blicke.

So ähnlich ging es in diesem Jahr Peter, 17, der "aus dem tiefsten Schwarzwald" nach Hamburg gekommen ist, um seinen ersten Chaos Communication Congress live mitzuerleben. Bisher hatte er sich einzelne Vorträge der vergangenen Konferenzen anschließend auf YouTube angesehen, diesmal haben ihm seine Eltern zu Weihnachten eine Eintrittskarte geschenkt. Und Peter machte sich allein auf den Weg zum Hackerkongress.

"Ich hatte mir das eher wie eine Messe vorgestellt, aber wirklich offen wirkte das erst mal nicht auf mich", sagt er. "Die Leute sitzen im Kreis um einen Tisch herum am Laptop. Da kann man ja nicht einfach hingehen und fragen: Was ist eigentlich Tor?" Fiona, die neben ihm sitzt, widerspricht sofort. "Fragen gilt hier eigentlich als eine Tugend", sagt sie, "eigentlich kommt man fast nirgends so leicht in Kontakt wie hier."

Paten und Patinnen führen durch das Chaos des Kongresses

Fiona ist Chaospatin, und Peter ist ein sogenanntes Patenkind. Weil es vielen beim ersten Besuch so geht wie dem Schüler aus dem Schwarzwald, haben sich in diesem Jahr erstmals die Chaospatinnen  gegründet, eine Gruppe von Freiwilligen, die Neulingen beim Start helfen möchten. Vornehmlich richtet sich das Programm an Mädchen und Frauen, steht aber allen Erstbesuchern offen. Die bekommen dann eine Führung, Telefonnummern und einen Ansprechpartner, der sie mit anderen Besuchern bekanntmacht.

"Das ging schon vor dem Kongress los", sagt sie. "Da haben wir Leute ermutigt zu kommen, die sich nicht sicher waren, ob das überhaupt etwas für sie ist. Wir haben ihnen erklärt, dass man kein krasser Hacker sein muss, um herzukommen."

Die Meinungen dazu gingen in letzter Zeit etwas auseinander. Einerseits kamen in den vergangenen Jahren Beschwerden auf, der Jahreskongress sei ein elitäres Szenetreffen, auf dem sich - unter anderem weibliche - Neulinge nicht willkommen fühlten. Andererseits schimpften in den vergangenen Jahren manche Besucher über das Programm: Es sei mittlerweile zu wenig technisch geworden, die Vorträge seien nicht speziell genug, der Kongress wachse zu stark.

"Die sogenannte Hackerszene zieht in den Mainstream ein"

Fest steht: Der 30. Kongress ist der bisher größte seiner Art, und mit den erweiterten Veranstaltungsräumen hat sich der Chaos Computer Club offenbar entschlossen, die Veranstaltung noch mehr zu öffnen. "Wir freuen uns über jeden Besucher", sagt Jan Girlich, einer der Pressesprecher des Vereins, "bisher sind es ungefähr 8000. Ich glaube, auch durch Snowden interessieren sich jetzt einfach mehr Menschen für die Themen hier. Die sogenannte Hackszene zieht in den Mainstream ein."

Ein bisschen mehr Abwechslung im Publikum würde sich der Verein allerdings schon noch wünschen, sagt er, "eine größere Mischung der Altersgruppen und auch einen höheren Frauenanteil unter den Besuchern". Bisher ist das Bild tatsächlich stark geprägt von Männern in - oft identischen - dunklen Kapuzenpullovern, die Mehrheit dürfte zwischen 20 und 50 sein. Doch in diesem Jahr bilden sich zum Beispiel schon Schlangen auf der Damentoilette - vor zehn Jahren etwa war das noch ganz anders.

Hacken für Kinder und Familien am Sonntag

Der CCC wirbt auch ganz bewusst um neue Besuchergruppen: Am Sonntag gibt es den Junghackertag , an dem Kinder bis 14 Jahre in Begleitung eines Elternteils freien Eintritt haben. "Für die gibt es dann eigene Workshops, Löten zum Beispiel", sagt Girlich.

Für den Junghackertag ist der 17-jährige Peter schon etwas zu alt, aber er braucht auch gar keine Betreuung mehr. Die Chaospatinnen haben ihm weitergeholfen, er kennt jetzt das Gelände und hat seine ersten Vorträge besucht. Nun muss er nur noch die To-do-Liste abarbeiten, die alle Patentanten und Patenonkel ihren Schützlingen in die Hand gedrückt haben.

Darauf sind verschiedene Aktivitäten aufgeführt, die zu einem typischen Kongress-Besuch gehören und die viele andere längst erledigt haben dürften: im Bällebad liegen, Mate und Tschunk trinken, Nick Farr finden und umarmen, sich verlaufen, Menschen ansprechen, Löten ausprobieren und lernen, ein Schloss zu knacken. Den letzten Punkt hat Peter übrigens schon erledigt: Er hat sich beibringen lassen, wie man mit Draht eine eingerastete Tür aufbekommt.

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