US-Medienberichte Whistleblowerin Chelsea Manning in Beugehaft

Chelsea Manning sollte vor einer Grand Jury Fragen zum Thema WikiLeaks beantworten - doch die Whistleblowerin weigerte sich. Das hat Konsequenzen.

Chelsea Manning
Getty Images

Chelsea Manning


Ein Gericht in Alexandria, Virginia, schickt die US-Whistleblowerin Chelsea Manning US-Medien wie der "Washington Post" zufolge wieder ins Gefängnis. Wie lange sie in Beugehaft bleiben wird, ist aktuell noch nicht abzusehen. Manning hatte sich zuvor geweigert, Fragen einer Grand Jury zu beantworten, die sich offenbar mit WikiLeaks und in diesem Kontext auch mit Mannings Enthüllungen befasst. Viel mehr ist über die Arbeit der Grand Jury nicht bekannt.

Die Entscheidung des Gerichts aus Alexandria sei nach einer nicht-öffentlichen Anhörung getroffen worden, heißt es. Manning habe dabei klargemacht, dass sie nicht vorhabe, die Fragen zu beantworten. Ihre Anwälte hätten mit Blick auf ihre gesundheitliche Verfassung darum gebeten, dass Manning nicht ins Gefängnis geschickt, sondern unter Hausarrest gestellt wird.

Laut dem zuständigen Richter wird Manning in Haft bleiben, bis sie sich zu einer Aussage entschließt oder bis die Grand Jury ihre Arbeit abgeschlossen hat.

Manning störe sich an der Geheimhaltung rund um die Grand Jury, die sie vorgeladen hatte, berichtet die Nachrichtenagentur AP . Außerdem betone Manning, dass sie alles, was sie wüsste, bereits vor dem Kriegsgericht erzählt habe, vor dem sie vor einigen Jahren gelandet war.

Einst zu 35 Jahren Haft verurteilt

Als Obergefreiter hatte Chelsea (damals noch Bradley) Manning vertrauliche Dokumente über die Kriege im Irak und Afghanistan an die Enthüllungsplattform WikiLeaks durchgestochen. Das über die Plattform veröffentlichte Video "Collateral Murder" sorgte im Jahr 2010 für einen weltweiten Aufschrei. Manning wurde zu 35 Jahren Haft verurteilt.

Im Gefängnis unterzog sie sich einer geschlechtsangleichenden Operation. Nach sieben Jahren Haft verkürzte US-Präsident Barack Obama ihre Haftstrafe drastisch, Manning kam im Mai 2017 frei. Sein Nachfolger Donald Trump hatte wenige Tage nach seiner Amtsführung getwittert, Manning sei eine "undankbare Verräterin, die man nie hätte aus dem Gefängnis lassen sollen".

Eine Frage der Prinzipien

Für Manning ist die Entscheidung vom Freitag keine Überraschung. Sie hatte schon tags zuvor in einem Statement auf Twitter angedeutet, dass ihr Gefängnis drohen könnte. Sie werde "zu ihren Prinzipien" stehen, hatte Manning angekündigt.

Vor der Grand Jury habe sie die Beantwortung aller Fragen mit demselben Satz abgelehnt, schreibt Manning. Dabei habe sie unter anderem auf Zusatzartikel zur Verfassung der Vereinigten Staaten verwiesen.

Dem SPIEGEL hatte Manning 2018 in einem Interview gesagt, dass ein "Whistleblower" aus ihrer Sicht im Kern das Gleiche mache "wie jemand, der auf der Straße gegen etwas protestiert": "Es ist eine Form des zivilen Ungehorsams wie jede andere."

mbö



© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.