Whistleblowerin Chelsea Manning nach 62 Tagen in Haft freigelassen

Weil sie eine Aussage vor einer Grand Jury verweigerte, musste Chelsea Manning in Beugehaft. Nun melden ihre Anwälte: Die Whistleblowerin ist wieder frei - womöglich aber nicht allzu lange.
Chelsea Manning im Mai 2018 in Berlin

Chelsea Manning im Mai 2018 in Berlin

Foto: AXEL SCHMIDT/ REUTERS

Die amerikanische Whistleblowerin Chelsea Manning hat die Truesdale-Haftanstalt in Alexandria im US-Bundesstaat Virginia verlassen. Sie war dort 62 Tage lang inhaftiert, weil sie sich geweigert hatte, vor einer geheim tagenden Grand Jury auszusagen. Manning war vorgeladen worden, um im Zusammenhang mit Militärdokumenten auszusagen, die sie an die Enthüllungsplattform WikiLeaks weitergegeben hatte.

Mannings Anwaltsteam teilte in einer Erklärung mit, zur Freilassung sei es nur gekommen, weil die Amtszeit der Grand Jury ausgelaufen sei. Noch bevor Manning das Gefängnis verlassen habe, sei bereits eine neue Aufforderung an sie eingetroffen, am 16. Mai vor einer neuen Grand Jury auszusagen.

Ihren Anwälten zufolge wird Manning auch diese Aussage verweigern. Es sei daher denkbar, dass sie bereits ab dem 16. Mai wieder in Haft müsse.

Empfohlener externer Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Twitter, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
Externer Inhalt

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Die Whistleblowerin hieß früher Bradley Manning und war als IT-Experte für das US-Militär tätig. 2013 war sie unter anderem wegen Spionage von einem Militärgericht zu 35 Jahren Haft verurteilt worden, da sie Tausende Dokumente zu den Kriegen in Afghanistan und im Irak an die Enthüllungsplattform WikiLeaks weitergegeben hatte. Verhaftet worden war Manning bereits 2010.

Der ehemalige US-Präsident Barack Obama hatte ihre Strafe verkürzt, sodass Manning 2017 nach knapp sieben Jahren Gefängnis freigelassen wurde.

Die amerikanischen Grand Jurys sind umstritten. Sie sichten unter Ausschluss von Öffentlichkeit und öffentlicher Kontrolle von der Staatsanwaltschaft vorgelegte Beweise für eine Anklage und können selbst Zeugen anhören. Auf dieser Grundlage entscheiden sie, ob eine Anklage zugelassen wird.

Ob die Gerichte, die eine Willkür des Staates ausschließen sollen, fair arbeiten, ist jedoch stark umstritten: Sie sind von Laien besetzt und gelten als nicht neutral - immer wieder wurden kontroverse Urteile gefällt.

aar/AP