China Die Hymne der Internetzensoren

China verschärft die Netzzensur in diesen Wochen noch einmal deutlich - und ist stolz darauf. Die Zensoren selbst feiern sich nun mit einem bombastischen Lied als "Internet-Supermacht".

Peking - China beschäftigt eine kleine Armee allein damit, das Internet zu zensieren. Missliebige Websites aus dem Ausland sind gesperrt, Pornografie wird ebenso gelöscht wie allzu deutliche Kritik an der Partei.

Dafür ist vor allem die Cyberspace-Verwaltungsbehörde zuständig. Sie hat in den letzten Wochen die Zensur des Internets noch einmal deutlich verschärft. Meist arbeitet diese Verwaltung, die Chinas Internetnutzer zunehmend frustriert, im Stillen vor sich hin.

Doch jetzt hat sie einmal laut aufgetrumpft - genauer gesagt ihr Chor. Bei einer Gala zum chinesischen Neujahrsfest in Peking sangen die Zensorinnen und Zensoren ein Hohelied auf ihr tägliches Werk. Sie feierten die "Internet-Supermacht" und die "glorreichen Träume im Netz".

Im Lied beschwört der Zensorenchor die Mission, "das globale Dorf in die allerschönste Landschaft umzuwandeln". Überhaupt wird dick aufgetragen. Da fließen Glaube und Hingebung wie der Gelbe Fluss oder der Jangtse. Und die vier Leadsänger und der Chor singen im Refrain: "Internet-Supermacht / Sagt der Welt, dass der chinesische Traum China emporhebt". Sehen Sie selbst:

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Das Ganze zeigt: Die Zensur des Internets, im Westen verpönt, findet in China mit einem gewissen Stolz statt. Solche bombastischen Lieder sind keine Seltenheit in der Volksrepublik. Alles, wofür sich das Land rühmt, wird ausgiebig besungen. Schon in der Grundschule werden heroische Gesänge geschmettert, etwa auf Helden des Kriegs gegen Japan.

Die Zensorenhymne "Der Geist des Cyberspace" wurde eigens für das Neujahrsfest komponiert. Der militärische Sound passt, schließlich haben Chinas Zensorentruppen zuletzt mehrere Schlachten im Kampf um ein sauberes Internet gewonnen. Die Zensurmaßnahmen sind im Westen als "Great Firewall" bekannt - und diese wuchs in den vergangenen Wochen noch einmal in die Höhe.

Es waren kleine Meldungen, die man leicht übersehen konnte, doch in der Summe zeigen sie: Peking hat eine neue Zensuroffensive im Netz gestartet, dabei gerät nach sozialen Netzwerken auch private Kommunikation ins Visier: Gmail, der beliebteste Maildienst der Welt, ist seit dem Jahreswechsel komplett gesperrt.

Einige der besten VPN-Tunnel, Werkzeuge, um die "Great Firewall" zu umgehen, funktionierten plötzlich nicht mehr auf iPads und iPhones. Ohne funktionierendes VPN sind Facebook oder Twitter nicht erreichbar. Es ist eine Machtdemonstration der chinesischen Zensoren - sie haben aufgerüstet, und technisch möglich ist nun noch viel mehr.

Da passt der heroische Auftritt des Cyberspace-Chors ins Bild. Manche westliche Medien haben schon darüber berichtet, doch in China selbst ist der Auftritt, der sich bereits am Dienstag ereignete, bislang kaum bekannt.

Zwar ist ein Video auf der Website der Behörde zu sehen. Doch andere Clips wurden laut Medienberichten nach der Veröffentlichung rasch wieder gelöscht. Wenn Zensoren Videos von ihren eigenen Auftritten zensieren müssen - dann zeigt er sich von seiner schönsten Seite, der chinesische "Geist des Cyberspace".

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