Verbot anonymer Postings China führt Klarnamenpflicht für Internetforen ein

Auf chinesischen Webseiten darf man Kommentare künftig nur noch abgeben, wenn man sich mit seinem echten Namen registriert hat. Die Regierung erklärt, die neue Verordnung diene dem Schutz der Nutzer.
Website der chinesischen Internet-Regulierungsbehörde

Website der chinesischen Internet-Regulierungsbehörde

Die chinesische Internet-Regulierungsbehörde will Anonymität in Internetforen abschaffen. Anwender, die online diskutieren wollen, müssen sich künftig beim jeweiligen Anbieter mit ihrem Klarnamen registrieren, bevor sie online Kommentare posten dürfen.

Dabei sei es den Nutzern freigestellt, ob sie in den Foren unter ihrem Klarnamen oder mit einem Pseudonym auftreten wollen, erklärt die "South China Morning Post ". Der jeweilige Anbieter jedoch müsse Pseudonyme den echten Namen der Personen zuordnen können.

Die Regelung trete am 1. Oktober in Kraft und erstrecke sich auf Webseiten und Smartphone-Apps sowie "alle Kommunikationsplattformen, auf denen Nachrichten wiedergegeben werden oder die dazu dienen könnten, Anwender zu mobilisieren", zitiert die Zeitung die entsprechende Mitteilung der Behörde .

Darüber hinaus verpflichtet die neue Regelung Anbieter dazu, alle Kommentare zu sichten, bevor sie online erscheinen. Zudem sollen die Inhalten der Diskussionen überprüft und illegale Inhalte von den Anbietern an die Überwachungsbehörden gemeldet werden. In Echtzeit kommentierbare Live-Videos, in China danmu genannt, sollen stärker als bisher überwacht werden. Hier seien die Anbieter künftig verpflichtet, ein Protokoll der Kommentare zu veröffentlichen.

Einige Anbieter setzen die Regelung bereits um

Wie der britische "The Register " berichtet, werden die neuen Regeln damit begründet, dass man die nationale Sicherheit und öffentliche Interessen schützen wolle. Vor allem aber gehe es der Behörde zufolge darum, Postings zu verhindern, die "Pornografie, gefälschte Werbung, blutige Gewalt, beleidigende Verleumdungen, persönliche Informationen und andere illegale Informationen" enthalten.

Einige Websites haben den Berichten zufolge schon damit begonnen, die künftige Regelung umzusetzen. Der chinesische Google-Konkurrent Baidu soll seine Nutzer demnach schon dazu aufgefordert haben, bis zum Juni ihre Realnamen zu registrieren.

Die Frage-und-Antwort-Website Zhihu, die mit Quora vergleichbar sein soll, hat ihre Kunden im Juni dazu aufgefordert, ihre Nutzernamen mit Hilfe ihrer Mobilfunknummern zu verifizieren, da diese Nummern in China an die Realnamen gebunden sind. Anwender, die dieser Aufforderung nicht nachkommen, würden künftig von der Nutzung der Website ausgeschlossen, schreibt die "South China Morning Post".

mak

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