Gegen Zensur und Ausspähung Google startet Verschlüsselung von Suchanfragen

Für Regierungen, Geheimdienste und Hacker soll es schwieriger werden, Google-Nutzer zu überwachen oder zu zensieren. Eine Verschlüsselung soll verschleiern, wer nach welchen Begriffen im Netz sucht. Los geht es in China.

Google-Manager Eric Schmidt in Hongkong (2013): Weltweite Verschlüsselung
REUTERS

Google-Manager Eric Schmidt in Hongkong (2013): Weltweite Verschlüsselung


Der Internetkonzern Google hat damit begonnen, Suchanfragen aus China zu verschlüsseln. Damit, so die "Washington Post", fordere das Unternehmen das Zensur- und Überwachungssystem des Landes heraus. Die Maßnahme sei nur ein Teil einer weltweiten Datenschutz-Offensive des Unternehmens. Sie soll laut Google die Überwachung von Internetnutzern durch Regierungen, die Polizei oder Hacker erschweren.

Für die "Große chinesische Firewall" bedeute Googles verstärkte Nutzung der Verschlüsselungstechnologie eine Beschneidung ihrer Internetkontrolle. Es sei nicht mehr möglich festzustellen, ob ein Internetnutzer nach zensierten Begriffen wie "Dalai Lama" oder "Platz des Himmlischen Friedens" sucht. Für die Regierungen Chinas und anderer Länder mit starker nationaler Netzzensur, wie etwa Saudi-Arabien oder Vietnam, bleibe so nur noch die Komplettblockade von Google, um unliebsame Inhalte von ihren Bürgern fernzuhalten.

Die unerwartete Entwicklung stehe in direktem Zusammenhang mit den Enthüllungen Edward Snowdens. Der Whistleblower hatte im vergangenen Jahr das Ausmaß der Überwachung durch Geheimdienste wie die amerikanische NSA oder das britische GCHQ aufgedeckt.

"Kopfschmerzen" für chinesische Zensurbehörden

Eine Google-Sprecherin erklärte gegenüber der "Washington Post": "Die Enthüllungen des vergangenen Sommers haben die Notwendigkeit unterstrichen, unsere Netze zu stärken." Dazu gehöre die weltweite, standardmäßige Verschlüsselung der Google-Suche. Damit solle auch die Industrie ermutigt werden, höhere Sicherheitsstandards einzuführen.

Während eine offizielle Stellungnahme aus China derzeit nicht vorliegt, zeigen sich Bürgerrechtsaktivisten zufrieden. Das US-Hauptstadtblatt zitierte Percy Alpha von GreatFire.org: "Das wird Chinesen helfen, an Informationen zu gelangen, die sie nie zuvor gesehen haben. Den chinesischen Zensurbehörden wird das große Kopfschmerzen bereiten. Hoffentlich folgen andere Unternehmen Googles Beispiel."

meu

insgesamt 12 Beiträge
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micha.w 13.03.2014
1. Wird auch Zeit
...nur daß google daten dann immer noch lesen und ausweten kann, wird.
grommeck 13.03.2014
2. In China? Ausgerechnet...
Die größte Spionage und Kontrollanstalt überhaupt...lol
mr.andersson 13.03.2014
3.
Zitat von sysopDPAFür Regierungen, Geheimdienste und Hacker soll es schwieriger werden, Google-Nutzer zu überwachen oder zu zensieren. Eine Verschlüsselung soll verschleiern, wer nach welchen Begriffen im Netz sucht. Los geht es in China. http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/china-google-beginnt-mit-verschluesselung-von-suchanfragen-a-958377.html
Jaha liebe Kinder, gebt fein acht: Weil Snowden aufgedeckt hat, dass die USA uns permanent und überall auspioniert reagiert Google jetzt knallhart und verschlüsselt die Suchanfragen in China, um deren Regierung einen vor dem Koffer zu geben! Mit so einer Argumenationskette muss man auch erstmal an die Öffentlichkeit gehen wollen
Motorkopf 13.03.2014
4. Ist ja vielleicht...
Zitat von sysopDPAFür Regierungen, Geheimdienste und Hacker soll es schwieriger werden, Google-Nutzer zu überwachen oder zu zensieren. Eine Verschlüsselung soll verschleiern, wer nach welchen Begriffen im Netz sucht. Los geht es in China. http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/china-google-beginnt-mit-verschluesselung-von-suchanfragen-a-958377.html
nett gemeint, aber doch ziehmlich kurzsichtig. Die Entschlüsselung wird den Geheimdiensten keine alzu großen Kopfschmerzen bereiten. Alles im Internet ist mit der nötigen kriminellen Energie machbar. Einzig einzuhaltende Gesetze - die die Stattsdiener berücksichtigen müssen -könnte vor der Auspähung der eigenen Bevölkerung schützen. Aber man kann ja mit China wieder einen bösen Buben vorschicken und die eigenen Schlapphüte aus dem Brennpunkt nehmen...tstststss
westerwäller 13.03.2014
5. Solange nur NSA, Google und Konsorten ...
Zitat von sysopDPAFür Regierungen, Geheimdienste und Hacker soll es schwieriger werden, Google-Nutzer zu überwachen oder zu zensieren. Eine Verschlüsselung soll verschleiern, wer nach welchen Begriffen im Netz sucht. Los geht es in China. http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/china-google-beginnt-mit-verschluesselung-von-suchanfragen-a-958377.html
... unser Internet überwachen, habe ich keine Angst, dass die "kleinen Sünden", die wir alle im Internet begehen, unter den Tisch fallen ... Sie würden ansonsten ihr "Kerngeschäft" kaputtmachen, wenn sie die verpetzen würden ... Apple und Amazon wissen auch sehr gut über die - sagen wir mal - "Musiktauscherei" auf ihren Geräten Bescheid. Würden sie dagegen vorgehen, wäre ihr Kerngeschäft tot ... Ich habe mehr Angst vor unserem eigenen Staat, der mit der Vorratsdatenspeicherung sich und allen anderen, die meinen sie hätten ein Recht auf diese Daten, den Zugang gewährleisten wird ... Beispiele gibt es genug. Letztens erst die Abmahnwelle bei RedTube ... Interessant übrigens dass die Internetprovider sich dagegen mit Händen und Füßen wehren und der Staat sie dazu zwingen muss. Unsere Lehrer hatten uns noch erklärt, dass nur der Staat das Fernmeldegeheimnis bewahren könne. Jetzt ist er genau auf der anderen Seite... Auch eine Lehrstunde für die Linksforisten, die meinen, alles müsse beim Staat bleiben ...
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