Soziale Medien China kündigt Kampagne gegen Amateurpornos an

In China gingen zuletzt mehrfach Amateurpornos durch die sozialen Netzwerke. Jetzt wollen die Behörden durchgreifen - und die Filmer sowie die Betreiber der Portale bestrafen. Polizisten sollen in die Internetunternehmen einrücken.

Tatort Uniqlo-Filiale: Reaktion auf Selfieporno aus Umkleidekabine
AFP

Tatort Uniqlo-Filiale: Reaktion auf Selfieporno aus Umkleidekabine


Nachdem es in China zuletzt mehrere prominente Fälle mit Amateursexvideos gab, haben die Behörden eine Kampagne gegen solche Videos angekündigt. Die Anti-Pornografie-Behörde erklärte, man werde künftig jene entschlossen bestrafen, die entweder Filmchen hochladen oder auf deren Portalen sie veröffentlicht sind.

Solche Filme verstößen gegen den sozialen Anstand und würden die Ordnung im Netz stören, hieß es beim Büro gegen Pornografie und illegale Veröffentlichungen. Die Bevölkerung wurde aufgerufen, entsprechende Vergehen einer Hotline zu melden.

In den vergangenen Wochen gab es mehrere Vorfälle, bei denen private Sexvideos durch die sozialen Netzwerke gingen. In China ist das Netz streng zensiert, die Regierung geht derzeit auch gegen Nacktheit und Darstellungen von Sexualität vor.

Pornos im Einkaufszentrum

Erst am Mittwoch gab es zwei neue Vorkommnisse. In einer ostchinesischen Stadt flimmerten aus bislang ungeklärten Gründen pornografische Aufnahmen erst über große Bildschirme einer Shoppingmall - dann wurden sie vielfach in sozialen Netzwerken geteilt.

Ein Amateurvideo, das offenbar in der Stadt Chengdu aufgenommen wurde, wurde ebenfalls oft geteilt. Ein Mann, der verdächtigt wird, es aufgenommen und hochgeladen zu haben, wurde festgenommen.

Vor allem sorgte aber im Juli ein Selfieporno aus einer Umkleidekabine in Peking für Aufsehen. Ein Paar filmte sich beim Verkehr im Modegeschäft Uniqlo, in Pekings Einkaufsviertel Sanlitun Village. Das Video wurde abertausendfach geteilt, auch auf den Seiten großer Portale wie Sina. Dutzende Millionen Chinesen dürften es angeschaut haben.

Polizeiwache beim Netzbetreiber

Als Reaktion auf den Fall schickt Peking nun auch Polizisten in große Internetunternehmen, um das Netz direkter kontrollieren zu können. Damit wolle man "schneller auf Onlinekriminalität reagieren", erklärte das Ministerium für öffentliche Sicherheit am Mittwoch. Eingreifen sollen die Beamten nicht nur bei Onlinebetrug und Datendiebstahl, sondern auch bei der "Verbreitung von Gerüchten im Internet".

Polizeiwachen in den Büros der großen Website-Betreiber einzurichten, ist nur der jüngste Vorstoß der Regierung, das Internet strenger zu überwachen. So arbeitet Peking an einem umfassenden Gesetz zur Internetsicherheit, das den Behörden größere Spielräume für Ermittlungen im Internet geben soll.

fab/AP



insgesamt 50 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Vanagas 06.08.2015
1. Es stand gestern noch im SPON:
"Chinesische Studie: Wer scharf ist, lebt länger".
bartholomew_simpson 06.08.2015
2. Letztendlich
geht es der pseudokommunistischen Regierung in Peking nur darum, vollständige Kontrolle über das Netz zu behalten. Genauso wie ein "unmoralisches" Video könnten sich auch umstürzlerische Parolen über das Netz verbreiten. Unter dem Vorwand der Moral soll nur die Zensur perfektioniert werden. Wenn die Wirtschaft so schwächelt, dass viele nicht mehr genug zu essen haben, könnten durchaus Aufstände entstehen, die im Keim erstickt werden sollen.
vantast64 06.08.2015
3. Merkwürdig, daß diese Politiker Angst vor Nackten haben,
aber keine Probleme damit, andere zu foltern oder umzubringen. Erklärlich nur durch ihre kaputten Seelen. Die Ärmsten!
hofre 06.08.2015
4. @1
Der Artikel hieß: wer scharf isst lebt länger. Kleiner Unterschied
demokroete 06.08.2015
5. Polizisten in die Internetunternehmen ?
Wie armseelig! Die sollten sich mal ein Beispiel am 'Westen' nehmen ! Hier wird flächendeckend überwacht, ausspioniert und Vorratsdatenspeicherung betrieben. Bei allem was sich auf Handys oder Rechnern tut sind die Spitzel des NSA und andere Behörden dabei.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.