Chinesische Fabriken Aktivisten werfen Samsung Kinderarbeit vor

In Fabriken des Elektronikriesen Samsung arbeiten angeblich auch Schüler, die von ihren Lehrern dazu gezwungen werden. Das behauptet die Menschenrechtsorganisation China Labor Watch. Nicht zum ersten Mal steht der Konzern im Zusammenhang mit Kinderarbeit in den Schlagzeilen.
Chinesische Elektronikfabrik (Archivbild): "Patent auf das Tyrannisieren von Arbeitern"

Chinesische Elektronikfabrik (Archivbild): "Patent auf das Tyrannisieren von Arbeitern"

Foto: ALY SONG/ Reuters

Es sind schwere Vorwürfe, die China Labor Watch (CLW)  gegenüber Samsung erhebt: In einigen chinesischen Fabriken des Elektronikkonzerns soll Kinderarbeit verbreitet und sogar systematisch organisiert sein. Das berichtet aktuell DER SPIEGEL und beruft sich dabei auf eine Untersuchung der Organisation, die das Nachrichtenmagazin exklusiv vorab sichten konnte. Veröffentlicht werden soll der komplette Bericht demnach erst Mitte der Woche.

Als Beispiele für die angeblich schlechten Zustände in Samsungs Fabriken nennt die Organisation CLW "gefährliche Arbeitsbedingungen", viele Überstunden und "ungültige Arbeitsverträge". Kinderarbeit soll keine Seltenheit sein: In den Fabriken arbeiteten auch Schüler unter 16 Jahren. Angeblich gibt es Arbeitsverträge zwischen den Fabriken und den Schulen, die für die Entsendung der Schüler bezahlt würden. Die Lehrer würden demnach ihre Schüler zur Arbeit zwingen und ihnen andernfalls zum Beispiel den Abschluss verwehren.

Samsung sagte gegenüber dem SPIEGEL, man habe Kenntnis von dem Bericht und analysiere die Situation vollständig. Denn: "Wir messen uns an den höchsten Standards bei den Arbeitsbedingungen."

Zur Strafe den ganzen Tag stehen

Es ist nicht das erste Mal, dass China Labor Watch den Namen Samsung im Zusammenhang mit Kinderarbeit in die Schlagzeilen bringt. Erst Anfang August veröffentlichte die Organisation einen Bericht über die Arbeitszustände bei einem von Samsungs Zulieferern. Die Firma HEG Electronics baut für den koreanischen Konzern Telefone und DVD-Player zusammen. Der Bericht liest sich erschütternd: Von Kinderarbeit ist da die Rede, von Arbeitszeiten von bis zu dreizehn Stunden und Strafen wie ganztägigem Stehen.

Auf diese Vorwürfe angesprochen, erklärte Samsung gegenüber SPIEGEL ONLINE, man werde die Zustände vor Ort inspizieren. Es habe in diesem Jahr Inspektionen gegeben, dabei seien keine Unregelmäßigkeiten entdeckt worden.

Apple versus Samsung: Wer bietet schlechtere Bedingungen?

CLW hat unter den Elektronikkonzernen aber keineswegs nur Samsung im Visier. Der 136 Seiten lange Report "Tragödien der Globalisierung - die Wahrheit hinter Elektronik-Sweatshops"  nimmt die Arbeitsbedingungen in Zuliefererfirmen unter anderem von Dell, IBM, Ericsson, Philips, Microsoft, HP und Nokia und Apple unter die Lupe. Immer wieder auf dem Radar der Aktivisten ist der Apple-Zulieferer Foxconn, dessen Fabriken schon länger im Verruf stehen, Ausbeuterbetriebe zu sein.

So nennt die Organisation CLW ihren Bericht laut SPIEGEL auch "Verstößt Samsung gegen Apples Patent auf das Tyrannisieren von Arbeitern?" - in Anspielung auf den andauernden Patentstreit, in dessen Zusammenhang die beiden Elektronikriesen derzeit häufig in den Medien auftauchen.

juh
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