Neue Regeln für VPN-Anbieter China verschärft Internetkontrolle

Die chinesische Regierung stopft Löcher in der "Großen Firewall". Nach App-Stores sollen auch die Anbieter von VPN-Software reguliert werden. Damit will Peking den unkontrollierten Zugang ins Netz erschweren.

Internetcafé in Peking
DPA

Internetcafé in Peking


China verschärft den Kampf gegen Internetdienste, mit deren Hilfe die Webblockade des Landes umgangen werden kann. Chinas Ministerium für Industrie und Informationstechnologie geht jetzt gegen Anbieter von Virtual Private Networks (VPN) vor, die uneingeschränktes Surfen im Netz ermöglichen.

Bei einer VPN-Verbindung baut ein Computer oder Handy mit spezieller Software eine verschlüsselte Verbindung zu einem Server auf, der freien Zugang zum Internet bietet. Solche Software darf künftig nur noch mit staatlicher Erlaubnis angeboten werden. Das teilte die Behörde auf ihrer Webseite mit.

Erst vergangene Woche hatte die Regierung eine Registrierungspflicht für App-Stores in Kraft gesetzt. Kurz vorher hatten die Behörden dafür gesorgt, dass die Nachrichten-App der "New York Times" aus dem chinesischen App-Store von Apple verschwindet.

In China nutzen Millionen Bürger und viele Unternehmen VPN-Tunnel, um die lokale Zensur zu umgehen. Viele Intellektuelle und Dissidenten verwenden solche Programme oder Apps, um ihre Ansichten etwa auf Facebook oder Twitter zu veröffentlichen. VPN-Tunnel werden aber auch ganz allgemein verwendet, um von öffentlichen Internetzugängen aus sichere Verbindungen ins Netz aufzubauen.

Facebook, Google, Twitter sind in China gesperrt

Das Ministerium begründete seine neue Vorschrift damit, dass der Markt für Internetzugänge schnell gewachsen sei und es "erste Anzeichen für irreguläre Entwicklungen" gebe. Daher bestehe "dringender Bedarf für Regulierung". Die neue Regel ist Teil einer Kampagne, die bis März 2018 laufen soll. Es gehe darum, "das Sicherheitsmanagement für Internetinformationen zu stärken", teilte das Ministerium weiter mit.

Die "Große Firewall" genannte Zensur stört VPN-Verbindungen ohnehin bereits jetzt phasenweise immer wieder massiv, worüber sich zahlreiche Internetnutzer in China beklagen. In der Volksrepublik sind nicht nur chinakritische Webseiten oder Nachrichtenportale gesperrt, sondern auch soziale Netzwerke wie Facebook, Twitter, YouTube und selbst Googles Suchmaschine.

brt/dpa/AFP



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