Nach Terrorangriff in Christchurch Facebook verschärft Regeln für Livestreams

Kurz bevor sich internationale Politiker zu einem "Christchurch-Gipfel" in Paris treffen, hat Facebook angekündigt, künftig regelverletzende Nutzer zu sperren. Doch reichen diese Verbote aus?

REUTERS


Zwei Monate nachdem ein Attentäter seinen Angriff auf zwei Moscheen im neuseeländischen Christchurch live auf Facebook übertragen hatte, hat der Internetkonzern neue Regeln für Livestreams auf seiner Plattform angekündigt. So sollen Nutzer nach einer schwerwiegenden Regelverletzung künftig "eine bestimmte Zeit lang" keine Live-Videos mehr übertragen dürfen, teilte das Unternehmen am Mittwoch mit.

Ein Facebook-Sprecher sagte, die Livestream-Sperre gelte für Nutzer, die bestimmte Regeln etwa gegen "gefährliche Organisationen oder Personen" missachteten. Darunter könne beispielsweise jemand fallen, der einen Link zu einer Erklärung einer Terrorgruppe auf Facebook postet, ohne diese einzuordnen.

In schweren Fällen könne der Zugang zur Livestreaming-Funktion künftig schon nach einem einzigen Verstoß blockiert werden, sagte er. Als Beispielzeitraum für eine Sperrung wurden 30 Tage angegeben. Als weitere Einschränkung sei geplant, dass vom Livestreaming ausgeschlossene Nutzer unter anderem auch keine Anzeigen bei Facebook schalten können. Die neuen Regeln sollen in den kommenden Wochen eingeführt werden.

Das Versagen der Algorithmen

Zugleich kündigte das Unternehmen an, etwa 7,5 Millionen Dollar (gut 6,7 Millionen Euro) in Forschungspartnerschaften mit drei US-Universitäten zu investieren. Gemeinsam soll so eine bessere Bild- und Videotechnologie entwickelt werden, die es ermöglicht, sogenannte "Deepfakes" aufzuspüren. Das sind Bilder oder Videos, die täuschend echt aussehen, aber tatsächlich von einer künstlichen Intelligenz zu Manipulationszwecken geschaffen wurden.

Nach dem Anschlag von Christchurch hatten Facebooks Algorithmen Probleme, von Nutzern neu hochgeladene Kopien des Christchurch-Videos zu entdecken. Da Nutzer versucht hätten, die automatische Erkennung mit Veränderungen am Video auszutricksen, sei auch der Ton abgeglichen worden.

Gerade noch rechtzeitig vor dem Gipfel

Facebooks Ankündigung kommt kurz vor dem Beginn eines "Christchurch-Gipfels" in Paris. Die neuseeländische Premierministerin Jacinda Ardern und Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron wollen dort eine Initiative anstoßen, um Live-Übertragungen von Terrorangriffen und andere terroristische Inhalte im Internet zu unterbinden.

Jacinda Ardern (l.) und Emmanuel Macron bei einem Treffen vor dem Élyséepalast in Paris
DPA

Jacinda Ardern (l.) und Emmanuel Macron bei einem Treffen vor dem Élyséepalast in Paris

Mitte März hatte ein australischer Rechtsextremist zwei Moscheen in Christchurch angegriffen und 51 Menschen getötet. Er hatte die Attacke per Helmkamera über Facebooks Livestreaming-Plattform übertragen.

Das Video sei während des Livestreams weniger als 200 Mal angesehen worden und insgesamt gut 4000 Mal, bevor Facebook es entfernte. Allerdings hatte ein Nutzer eine Kopie in ein Online-Forum hochgeladen, noch bevor Facebook auf das Video aufmerksam wurde. Das dürfte zur späteren Verbreitung des Videos beigetragen haben. Mittlerweile sind Kopien des Livevideos millionenfach angeklickt worden.

"Wir werden das nicht mit einer Erklärung regeln"

Ardern sagte unmittelbar vor der Veranstaltung in Paris, Regierungen und Tech-Konzerne würden erstmals ein derartiges Treffen abhalten. "Wir machen etwas, was bisher nicht gemacht wurde", sagte die Regierungschefin aus Wellington.

Ardern warnte gleichzeitig vor überzogenen Erwartungen an den sogenannten Christchurch-Appell. "Wir werden das nicht mit einer Erklärung regeln." Der Appell sei lediglich ein Ausgangspunkt. "Die Alternative ist, nichts zu machen. Und ich glaube nicht, dass Neuseeland das hinnehmen würde", sagte sie. Das Land hatte nach dem Anschlag rasch gehandelt und Sturmgewehre und halbautomatische Waffen verboten.

mak/dpa/afp

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Beat Adler 15.05.2019
1. Facebook ermoeglicht die weltweite Verbreitung von "Dreck"aller Art.
Facebook ist wie eine Zeitung, die jeden Leserbrief druckt, ohne ihn vorher durch die eigene Redaktion zu lesen, versteht sich. Facebook ist wie ein TV Sender, der jeden Clip, manche sogar life, austrahlt, ohne dass ihn die Mitarbeiter vorher ansehen, versteht sich. Facebook ist wie eine Radiostation, die jede Audiofile sendet, ohne vorher durch seine Radiomacher anzuhoeren, versteht sich. Wenn in einer Zeitung, im TV, im Radio, eine Morddrohung, eine Aufforderung zum Selbstmord, verbreitet wird, geht der Bedrohte gegen die Zeitung, den TV Sender, die Radiostation vor Gericht. Im Fall Facebook tut er oder sie was? Einstecken! Da es moeglich ist innert Minuten bei Facebook ein falsches Konto zu eroeffnen, anschliessend jeden "Dreck" darauf zu verbeiten, ist dieser Dreck schon WELTWEIT herumgeschleudert noch vor jedem Eingriff, Loeschung des Kontos, etc.. Was ist zu tun? Facebook als gewoehnliches Medienhaus, so wie jede Zeitung, Zeitschrift zusammen mit deren Webseiten, jeden TV Sender, jede Radiostation gesetzlich einstufen. Klagen vor Gericht gegen Facebook dadurch gefuehrt werden koennen. Wenn nicht, muss jeder "Dreck" eben runtergeschluckt werden. Ausserdem....... Die Gruppe der Facebooker ist heute die groesste Gruppe innerhalb einer Bevoelkerung, groesser wie die Frauen, oder die Alten, etc. Die Facebooker, 70% der Bevoelkerung ueber 10 Jahre alt, die ihre Nase taeglich mehrfach, manche stundenlang reinsteckt, ist fuer jede politische Partei Ziel der Wahlwerbung, der Desinformationen, der fake News, der Luegen. Wer Facebook in diesem Sinne beherrscht, gewinnt alle Wahlen und Abstimmungen. mfG Beat
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