Computerspionage Bundesregierung plant Cyber-Abwehrzentrum

Behördencomputer sind immer heftigeren Angriffen aus den Internet ausgesetzt. Dem Bundesinnenministerium zufolge gehen die meisten davon von China aus. Jetzt soll ein spezielles Abwehrzentrum die Angreifer in Schach halten - und vor allem wichtiges Wissen schützen.
Netzwerkkabel: Die Bundesregierung plant Maßnahmen gegen Netzattacken

Netzwerkkabel: Die Bundesregierung plant Maßnahmen gegen Netzattacken

Foto: Martin Gerten/ dpa

Computer in Bundesministerien und anderen Behörden werden immer öfter Opfer von Cyber-Attacken. "Es gibt eine deutliche Zunahme dieser sogenannten elektronischen Angriffe auf deutsche Regierungs- und Behördennetze", berichtete der Sprecher des Bundesinnenministeriums, Stefan Paris, am Montag in Berlin. Allein zwischen Januar und September dieses Jahres wurden 1600 derartige Angriffe registriert. Die meisten davon seien von China ausgegangen. 2011 plant die Regierung deshalb, ein nationales Cyber-Abwehrzentrum einzurichten.

Noch 2009 habe die Zahl der festgestellten elektronischen Attacken auf Behördenrechner im gesamten Jahr bei rund 900 gelegen, erklärte Paris. Eine Sprecherin des Bundesamts für Verfassungsschutz sagte gegenüber der WAZ-Gruppe, ihre Behörde beobachte diese Entwicklung bereits seit 2005. Zudem gebe es eine hohe Dunkelziffer.

Es liege in der Zuständigkeit des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik, solche Cyber-Attacken überhaupt zu entdecken, sagte Paris. Um zu erkennen, wer hinter den Angriffen stecke, müsse auch das für Spionage-Abwehr zuständige Bundesamt für Verfassungsschutz eingebunden werden. Darüber hinaus werde auf weitere "Wissensträger" wie das Bundeskriminalamt, den Bundesnachrichtendienst sowie das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe zurückgegriffen. Schließlich sei die Vernetzung des Zentrums mit der Wirtschaft von entscheidender Bedeutung.

"Wir müssen unser Wissen schützen"

"Ziel ist es, einen sehr breit gefächerten Ansatz in der Auswertung und der Analyse zur bestmöglichen Verhinderung dieser Gefahren zu schaffen", erklärte Paris. Der Bereich der elektronischen Kommunikation werde immer intensiver genutzt und sei damit auch anfällig. "Vergleichen Sie es einmal mit vor 30 Jahren: Der Spion hatte eine kleine Kamera, so wie wir es aus dem Fernsehen kennen, drang irgendwo ein, öffnete den Koffer, fotografierte, verschwand und trank einen Cocktail", sagte der Sprecher. Das gebe es nicht mehr. Heute versuche irgendjemand irgendwo auf der Welt, in ein Netz zu dringen. Und die "meisten" Angriffe könnten Stellen in der Volksrepublik China zugeordnet werden.

EU-Industriekommissar Antonio Tajani hat deshalb eine neue europäische Behörde vorgeschlagen, die den Verkauf von Schlüsseltechnologien ins Ausland kontrolliert. Damit solle sich Europa insbesondere gegen chinesische Firmen schützen, die gezielt Unternehmen in Europa übernehmen, um an moderne Technologie zu kommen, sagte Tajani dem "Handelsblatt".

"Wir müssen unser Wissen schützen", forderte der EU-Kommissar. Besonders bei Versuchen, Technologiefirmen zu übernehmen, müsse man misstrauisch sein. Der Italiener sieht hinter der gezielten Übernahme von Hightech-Firmen durch China oder arabische Staatsfonds "eine politische Strategie, auf die Europa auch politisch antworten muss".

Vor allem das Interesse Chinas an westlichen Schlüsseltechnologien sei alarmierend. Deshalb sei der Verkauf von europäischem Unternehmens-Know-how immer auch Sache der Politik, mahnte Tajani.

mak/dapd
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