Cookies Firefox bringt Online-Werber gegen sich auf

Mozilla testet für seinen Firefox-Browser mehr Datenschutz für die Nutzer - und bringt damit die Werbeindustrie gegen sich auf: Das Verbot von sogenannten Drittanbieter-Cookies macht ihnen die Arbeit schwer.
Firefox: Websurfer sollen vor zu viel Identifizierung geschützt werden

Firefox: Websurfer sollen vor zu viel Identifizierung geschützt werden

Foto: DPA

Online-Werber wollen möglichst genau wissen, wen sie mit ihrer Werbung auf welchen Websites erreichen. Sie nutzen dazu Cookies, kleine Textdateien, anhand derer sie Websurfer wiedererkennen können. Besucht man erst einen Online-Shop, in dem man doch nichts kauft, und sieht später auf einer völlig anderen Website das eben angeschaute Produkt, stecken Cookies dahinter.

Die Entwickler von Mozillas Firefox könnten diese Art der Werbevermarktung künftig deutlich schwerer machen: In der nächsten Version könnte der Firefox die Annahmen von Cookies von Drittanbietern verbieten. Das heißt, dass nur die Website einen Cookie setzen kann, die man gerade besucht - nicht das Werbenetzwerk, mit dem die Seite zusammenarbeitet. Betroffen wären vermutlich aber auch Werkzeuge zur Messung von Reichweiten.

In Testversionen, sogenannten nightly builds, die Mozilla für Entwickler bereitstellt, ist die Annahme der Drittanbieter-Cookies nun standardmäßig abgestellt. Bisher blockt nur Apples Safari-Browser für Mac-Rechner diese Cookies. Alex Fowler, bei Mozilla für Privacy und Public Policy verantwortlich, gefällt die Cookie-Sperre offenbar.

Wie ZDNet berichtet , hat er bereits die Testversion ausprobiert: An einem Morgen soll sein Firefox die Annahme von mehr als 300 Cookies von mehr als 100 Firmen verhindert haben, deren Websites er gar nicht aufgerufen hatte. Surfen konnte er trotzdem ohne Probleme.

Der US-Werberverband Interactive Advertising Bureau (IAB) warnt nun, dass das Web ohne die Drittanbieter-Cookies zu einer riesigen Spam-Maschine werden könnte, wie CNet berichtet . Das Argument: Man könne dann nicht mehr feststellen, ob ein Nutzer eine Anzeige schon gesehen habe - und ihm dieselbe Werbung Tausende Male anzeigen.

Das IAB erhöht nun den Druck auf Mozilla: Tausende kleinere Unternehmen, die bisher von Online-Werbung profitieren, könnten dadurch Pleite gehen, so die Warnung. Schon zuvor hatte der Chef des Interactive Advertising Bureau die Cookie-Sperre als "nuklearen Erstschlag gegen die Werbeindustrie" bezeichnet.

Mozilla plant, den neuen Firefox 22 in drei Monaten zu veröffentlichen.

ore/cis