Bundesregierung über Corona-Warn-App "Ziemlich überzeugt, es ist die beste"

Die Bundesregierung und Chefs von Telekom und SAP haben die offizielle Corona-Warn-App vorgestellt. Dabei gaben sie auch Einblicke in die Entwicklung und Testphase der Software.
Kanzleramtsminister Helge Braun: "Ein kleiner Schritt für jeden von uns, aber ein großer Schritt für die Pandemiebekämpfung"

Kanzleramtsminister Helge Braun: "Ein kleiner Schritt für jeden von uns, aber ein großer Schritt für die Pandemiebekämpfung"

Foto: HANNIBAL HANSCHKE/ REUTERS

Die Bundesregierung gibt sich zum Start sehr zufrieden mit der deutschen Corona-Warn-App. Die seit der Nacht verfügbare Handy-Anwendung sei "nicht die erste Warn-App weltweit, die vorgestellt wird, aber ich bin ziemlich überzeugt, es ist die beste", sagte Kanzleramtsminister Helge Braun (CDU) am Dienstag bei der offiziellen Vorstellung der App in Berlin. "Sie herunterzuladen und zu nutzen ist ein kleiner Schritt für jeden von uns, aber ein großer Schritt für die Pandemiebekämpfung."

Die Bürger könnten auf höchste Standards bei Datenschutz und IT-Sicherheit vertrauen, betonte Helge Braun, wie auch Gesundheitsminister Jens Spahn. Laut Spahn ist die App allerdings kein Allheilmittel und kein Freifahrtschein. Die App sei zwar ein wichtiges Werkzeug zur Eindämmung der Pandemie, sagte er. Es sei aber weiterhin wichtig, dass sich die Bürger an die Abstands- und Hygienevorgaben hielten.

Spahn sagte, dass die App gerade in der aktuellen Situation, in der die Corona-Beschränkungen gelockert würden und es wieder vermehrt zu Kontakten zwischen Fremden komme, sinnvoll sei. Die App würde auch dann bei der Bekämpfung der Ausbreitung des Coronavirus helfen, wenn weniger als 60 Prozent der Bürger die App installieren. Jene Zahl hatte in den vergangenen Wochen weltweit die Runde gemacht, sie entstammt einer britischen Studie. Spahn betonte, dass diese Prozentzahl nur dann gelte, wenn keinerlei andere Schutzmaßnahmen wie das Tragen von Masken ergriffen würden. Eine an der Studie beteiligte Forscherin sagt , dass eine App schon dann zu wirken beginne, sobald 15 Prozent der Bevölkerung mitmachen.

Foto: Sven Hoppe/ dpa

Die Corona-Warn-App soll Nutzer benachrichtigen, wenn sie bedenklichen Kontakt zu einem Corona-Infizierten hatten. Diese Warnung können die Nutzer dann für Menschen freigeben, mit denen sie Kontakt hatten.

Die Nutzung der App ist freiwillig, allerdings wirbt die Regierung intensiv dafür, dass Bürger die von ihr in Auftrag gegebene Anwendung herunterladen und auch aktivieren. "Die Bürger können sich auf den Datenschutz verlassen", sagte Helge Braun. Die App sei "sehr vertrauenswürdig". (Hintergründe zur Funktionsweise und zum Datenschutz der App lesen Sie hier).

Neben Braun und Spahn nahmen Innenminister Horst Seehofer, Verbraucherschutzministerin Christine Lambrecht (SPD), die Staatsministerin für Digitalisierung Dorothee Bär, Telekom-Chef Tim Höttges und SAP-Technikchef Jürgen Müller an der offiziellen Präsentation der App teil.

Einblicke hinter die Kulissen der Entwicklung

Die beiden Unternehmenschefs, deren Firmen die Entwicklung der App maßgeblich übernommen hatten, gaben dabei Einblicke in die Entwicklungsarbeit der vergangenen Wochen. So habe man in den Laboren der Unternehmen Cocktail-Partys, ICE-Zugfahrten, Restaurantbesuche und Warteschlangen im Supermarkt simuliert, um zu berechnen, wie zuverlässig die Abstandsmessungen der App in diesen Situationen funktionieren, hieß es.

Telekom-Chef Höttges berichtete, dass man auch Rückmeldungen von Messungen des Bluetooth-Signals aus diesen Tests an Google und Apple weitergegeben habe. Die beiden US-Konzerne hätten daraufhin Änderungen an der Art und Weise vorgenommen, mit der über die Schnittstelle der Betriebssysteme Daten an die deutschen App-Entwickler zur Verfügung gestellt werden. Google und Apple bieten eine Schnittstelle an, auf der die deutsche und andere Corona-Warn-Apps weltweit basieren. Tim Höttges bezeichnete das Projekt als beste "Public-Private"-Zusammenarbeit, die er in seinem Arbeitsleben erlebt habe.

Telekom und SAP berichten von ausführlichen Sicherheitstests

Um die App vor Hacker-Angriffen zu schützen, haben die Entwickler mit Fachunternehmen zusammengearbeitet, die sogenannte Pentests durchgeführt hätten, wurde noch berichtet. Bei diesen zum Schutz vor Hackern üblichen Verfahren suchen IT-Sicherheitsexperten nach Schwachstellen und testen Angriffe auf die App. Außerdem habe man Tausende konkrete Hinweise zur Verbesserung der App aus der Open-Source-Community bekommen und diese mit in die App eingearbeitet.

Als nächste Schritte planen die Entwickler der Telekom und von SAP, die Interoperabilität der App zu verbessern, also die deutsche App so weiterzuentwickeln, dass sie auch mit Apps anderer Länder kommunizieren kann. So soll auch im Ausland eine Kontakte-Nachverfolgung möglich sein. Zu dem Thema sei man derzeit im Austausch mit der EU, hieß es.

Damit die App von möglichst vielen Nutzern installiert wird, biete die Telekom ab sofort Handys in ihren Shops an, die auch für Personen geeignet seien, die bisher noch kein Handy haben, wurde außerdem angekündigt. In den Geschäften der Telekom würden Mitarbeiter auch dabei helfen, die App zu installieren. Die App soll zudem bald auch in türkischer, arabischer, französischer und russischer Sprache zur Verfügung stehen.