Corona und soziale Netzwerke Facebook löscht Anti-Masken-Gruppe

Auf Facebook gibt es allerlei fragwürdige Aufrufe rund um das Coronavirus. Jetzt hat das Netzwerk eine Gruppe von Maskengegnern gelöscht - und angekündigt, weitere solcher Gruppen zu prüfen.
Protestkundgebung gegen die Corona-Maßnahmen in Baden-Württemberg: Immer wieder wird bei solchen Veranstaltungen auch das Tragen von Masken abgelehnt

Protestkundgebung gegen die Corona-Maßnahmen in Baden-Württemberg: Immer wieder wird bei solchen Veranstaltungen auch das Tragen von Masken abgelehnt

Foto: Christoph Schmidt/ DPA

In vielen Alltagssituationen helfen Mund-Nasen-Masken, die Ausbreitung der Corona-Pandemie einzudämmen - vor allem, weil sich durchs Masketragen andere vor Infektionen schützen lassen. In dieser Hinsicht sind sich die meisten Gesundheitsexperten einig. In sozialen Netzwerken jedoch gibt es immer wieder Nutzer, die gegen Aufrufe oder Pflichten zum Masketragen Sturm laufen.

Auf Facebook haben sich Tausende Nutzerinnen und Nutzer mittlerweile in diversen, vorwiegend englischsprachigen Gruppen verbündet: Die Gruppen tragen Namen wie "Anti-Maskers" ("Der Korruption und Tyrannei, in die unsere Regierung eingetreten ist, die Stirn zu bieten") oder auch "Million Unmasked March" ("Wir sind eine Gruppe von Müttern, Vätern, Großeltern, Onkeln, Tanten, Lehrern, Freunden, Krankenschwestern und allen, die darüber besorgt sind, dass unsere Kinder im Herbst mit Masken zur Schule gehen. Wir glauben, dass es physisch und psychisch schädlich ist, wenn unsere Kinder in der Schule Masken tragen"). Zum Teil sind sie öffentlich zugänglich, zum Teil privat, was bedeutet, dass man nur nach Freigabe eines Verantwortlichen die Inhalte der Gruppe einsehen kann.

Im Zuge seines Vorgehens gegen Falschinformationen rund ums Coronavirus scheint sich Facebook nun genauer mit den Maskengegnern zu beschäftigen. Wie "The Verge" meldet , hat das Netzwerk kürzlich eine Gruppe namens "Unmasking America!" gelöscht, die dem Techmagazin zufolge damit warb, "die Wahrheit über Masken zu verbreiten". Tatsächlich wurden dort offenbar falsche Fakten verbreitet, wie die Behauptung, dass Masken den Fluss von Sauerstoff verhindern.

Mehrere Gruppen werden überprüft

"The Verge" schreibt, Facebook habe die Gruppe auf einen Hinweis des Magazins hin geprüft und von der Plattform genommen. "Wir haben klare Richtlinien gegen die Förderung schädlicher Fehlinformationen über Covid-19 und haben diese Gruppe entfernt", wird ein Facebook-Sprecher zitiert. Weitere Gruppen würden noch untersucht.

Facebook hatte bereits Ende März klargestellt , dass es Falschinformationen mit Bezug zum Coronavirus entferne, "wenn davon Gefahren für das körperliche Wohlergehen ausgehen können". Damals hieß es, man habe beispielsweise damit begonnen, Beiträge zu entfernen, in denen behauptet wird, dass Abstand zu anderen Personen die Ausbreitung des Coronavirus nicht verhindern würde.

Praktisch prüft Facebook natürlich nicht jeden Beitrag und jede Gruppe - im Netzwerk finden sich den bisherigen Maßnahmen zum Trotz auch zu den Corona-Maßnahmen immer wieder fragwürdige Postings. Das Netzwerk wird auch im Kontext von Themen wie der US-Wahl 2020  oder dem Klimawandel  regelmäßig dafür kritisiert, zu wenig gegen Falschinformationen zu tun. Facebook nimmt mitunter Löschungen problematischer Beiträge vor, das Netzwerk setzt vor allem aber auf Faktencheck-Warnhinweise, die es von unabhängigen Faktenprüfern zur Verfügung gestellt bekommt.

Zum Thema Covid-19 hat Facebook auf seiner Plattform ein sogenanntes Informationszentrum  in Betrieb, in dem sich Tipps finden, darunter auch "Bedecke überall dort, wo du nicht ausreichend Abstand zu anderen Personen halten kannst, deinen Mund und deine Nase mit einer Gesichtsmaske."

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Neue Anzeigenkampagne zu Falschnachrichten

Für alle EU-Länder inklusive Deutschland hat Facebook gerade eine neue Kampagne vorgestellt,  die das Gespür der Nutzerinnen und Nutzer für Falschnachrichten schärfen soll. Facebook-Nutzer werden unter anderem mit Tipps, die in den Newsfeed eingeblendet werden, aufgerufen , nach der Quelle dort veröffentlichter Inhalte zu suchen und Beiträge komplett zu lesen, nicht nur die Überschrift.

Die Vizepräsidentin der EU-Kommission, Věra Jourová, betonte dieser Tage, sie lehne eine Pflicht, Falschinformationen zu löschen, für Onlineplattformen wie Facebook oder Twitter ab. "Das wäre der Weg zur Zensur", sagte Jourová dem "Handelsblatt" . Sie habe "große Zweifel, dass wir Gesetze zur Desinformation brauchen", durch die ein Teil der Inhalte für rechtswidrig erklärt würde.

Die tschechische Vertreterin in der Kommission sieht laut "Handelsblatt" zwar die schädliche Wirkung von Falschinformationen auf die demokratische Debatte, befürchtet aber, dass durch strikte Vorgaben die Meinungsfreiheit zu stark eingeschränkt werden könnte.

Bei eindeutig illegalen Inhalten wie Kinderpornografie, Terrorismus oder strafrechtlich definierter Hassrede will Jourová den Onlineplattformen dagegen mehr Pflichten auferlegen: "Sie sollten viel aktiver als bisher illegale Posts aufspüren und mit den Strafverfolgungsbehörden zusammenarbeiten", forderte sie.

Die EU-Kommission arbeitet derzeit an einem neuen Rechtsrahmen für die Plattformen. Bis Jahresende will sie im "Digital Services Act" und im Aktionsplan für die Demokratie Vorschläge vorlegen, wie der große Einfluss der Unternehmen auf die demokratische Meinungsbildung in den 27 EU-Ländern reguliert werden sollte. Derzeit sammelt die Behörde dazu Meinungen von Interessenvertretern und Experten.

Update, 17.35 Uhr: Auf SPIEGEL-Nachfrage hieß es von einem Facebook-Sprecher am Dienstagnachmittag, man erlaube keine schädlichen Fehlinformationen und habe Hunderttausende von Beiträgen entfernt, darunter Postings zu falschen Heilmitteln und Behauptungen wie die, dass das Coronavirus nicht existiert oder dass es durch 5G verursacht wird.

mbö/dpa/AFP
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