Corona-Warn-App Pepp-PT will Telekom und SAP unterstützen

Die Bundesregierung hat ihre Pläne für die deutsche Tracing-App angepasst - ein Rückschlag für Pepp-PT. Die europäische Initiative hat nun betont, dass sie mit ihren Erkenntnissen anderen helfen möchte.
Pepp-PT: Die Initiative setzte primär auf eine zentralisierte Datenspeicherung

Pepp-PT: Die Initiative setzte primär auf eine zentralisierte Datenspeicherung

Foto: SASCHA STEINBACH/EPA-EFE/Shutterstock

Die internationale Initiative, die unter dem Namen Pepp-PT ein Konzept für eine Corona-Warn-App vorgelegt hat, will ihr Know-how nun auch den Firmen SAP und Deutsche Telekom bereitstellen. Diese waren am Wochenende von der Bundesregierung gebeten worden, die Entwicklung des Projekts voranzutreiben. Das teilte die Gruppe aus Wissenschaftlern, Unternehmen und einzelnen Entwicklern am Mittwoch mit. Man habe in den vergangenen Wochen in einem riesigen Kraftakt eine europäische Software-Architektur für länderspezifische Corona-Contact-Tracing-Apps entwickelt: "Wir stellen unsere Erkenntnisse, Testergebnisse und technischen Komponenten weiterhin allen zur Verfügung."

Die Bundesregierung hatte am Dienstag mitgeteilt, dass ihre Corona-Warn-App federführend von der Deutschen Telekom und dem Software-Konzern SAP entwickelt werden soll. Die Fraunhofer-Gesellschaft und das Helmholtz-Institut Cispa sollen dabei beraten.

Zuvor hatte die Bundesregierung Abstand von einer zentralisierten Datenspeicherung genommen, wie sie von der Initiative Pepp-PT bevorzugt worden war. Grundsätzlich hatte das Pepp-PT-Konzept allerdings auch eine Option für eine dezentrale Speicherung vorgesehen.

Pepp-PT will weitermachen

Corona-Warn-Apps sind in verschiedenen Ausprägungen in verschiedenen Ländern im Einsatz oder in Planung. Sie sollen helfen, Infektionsketten nachzuverfolgen, wenn Ausgehbeschränkungen gelockert werden. Auf technischem Wege soll sich feststellen lassen, welche Smartphones einander nahegekommen sind: Nutzer werden vom System gewarnt, wenn sich später herausstellt, dass sie sich länger neben Infizierten aufgehalten haben.

Das Team von Pepp-PT erklärte nun, sein Kernanliegen bleibe weiterhin, die Corona-Pandemie mithilfe von Anwendungen, die die Privatsphäre wahren, effektiv in den Griff zu bekommen.

In der Gruppierung hatte sich auch der Telekom-Konkurrent Vodafone engagiert. Im größten europäischen Forschungslabor des Konzerns wurde im Zuge des Projekts getestet, wie die Signale des Funkstandards Bluetooth Low Energy (Bluetooth LE) bei den populärsten Smartphone-Modellen konkret aussehen.

Die meisten Corona-Warn-Apps sollen durch eine Analyse der Bluetooth-LE-Signale feststellen, ob und wie lange Smartphone-Besitzer sich in unmittelbarer Nähe aufgehalten haben. Außerdem sollen über Bluetooth LE anonymisierte Identitätsnummern ausgetauscht werden.

Bei der Entwicklung der App für Deutschland wollen Telekom und SAP nach jüngsten Informationen an den Ansatz von DP3T anknüpfen. Unter diesem Namen hatten unter anderem Forscher der EPFL in Lausanne in den vergangenen Wochen ein dezentrales Tracing-Modell entwickelt. Zuletzt hatten sich Österreich, die Schweiz und Estland für eine App-Kontaktverfolgung nach diesem Standard entschieden. Die britische Gesundheitsbehörde NHS entwickelt unterdessen eine App mit einem zentralen Server , wie mehrere britische Medien berichten.

mbö/dpa
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