Weltweite Computerattacke Bundeskriminalamt ermittelt zu Cyberangriff

Eine weltweite Cyberattacke hat teils gravierende Folgen bei Organisationen, Firmen und Behörden. In Deutschland ermittelt laut Bundesinnenministerium nun das Bundeskriminalamt, wer dahintersteckt.
Gestörte Anzeigetafel in Frankfurt

Gestörte Anzeigetafel in Frankfurt

Foto: Boris Roessler/ dpa

Eine Welle von Cyberangriffen macht derzeit Organisationen, Behörden und Firmen weltweit zu schaffen. In Großbritannien wurden zahlreiche Krankenhäuser lahmgelegt, in Deutschland ist die Überwachungstechnik der Deutschen Bahn betroffen. Das Bundeskriminalamt (BKA) habe die strafrechtlichen Ermittlungen zu der Cyberattacke übernommen, teilte das Haus von Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) mit. Der Angriff füge sich in eine "sehr angespannte Cyber-Bedrohungslage", vor der die Behörden immer wieder gewarnt hätten.

Die Attacke hat nach Einschätzung der europäischen Polizeibehörde Europol ein bisher "beispielloses Ausmaß". Es seien komplexe internationale Ermittlungen unter anderem der Cybercrime-Taskforce nötig, um die Hintermänner zu finden. Der Autobauer Renault stoppte wegen der Angriffe die Produktion in einigen Werken in Frankreich, "um eine Ausbreitung der Schadsoftware zu verhindern". In den USA war der Versanddienst FedEx betroffen.

Zu den Opfern der Cyber-Attacken zählen (Auswahl):

Deutschland: Computer der Deutschen Bahn sind von dem Angriff erfasst. Betroffen seien Anzeigetafeln und Fahrkartenautomaten, teilte ein Sprecher mit. Der Zugverkehr rolle aber.Großbritannien: Die Schadsoftware hat in mehreren Krankenhäusern die Computer blockiert. Die Bevölkerung wurde gebeten, nur in wirklichen Notfällen zu kommen, einige Patienten mussten verlegt werden.Russland: Das Innenministerium bestätigte, dass es angegriffen worden sei. Rund 1000 Computer seien betroffen. Allerdings seien keine Daten verloren gegangen - inzwischen habe man die Attacke im Griff.USA: Der US-Logistikriese FedEx entschuldigte sich bei Kunden für Ausfälle durch den Angriff.Spanien: Die spanische Telefónica bestätigte einen "Cybersicherheitsvorfall". Der Service soll davon jedoch nicht beeinträchtigt worden sein.Portugal: Der Telekom-Konzern Portugal Telecom (PT) riet den Mitarbeitern, alle Windows-Rechner herunterzufahren.Schweden: 70 Computer der Gemeinde Timrå waren betroffen, wie es auf der Webseite der Verwaltung hieß. Die Monitore der Mitarbeiter seien erst blau, dann schwarz geworden. Auch der Stahlkonzern Sandvik wurde nach eigenen Angaben angegriffen.Frankreich: Der Autobauer Renault stoppte wegen der Angriffe die Produktion in einigen Werken, "um eine Ausbreitung der Schadsoftware zu verhindern".Taiwan: Der kleine Inselstaat südlich von China gilt als einer der Hauptziele der Hacker - genauso wie die Ukraine.

Bei der Bahn fielen nach Angaben eines Sprechers teilweise digitale Anzeigetafeln sowie Ticketautomaten an Bahnhöfen aus. Auch die Technik zur Videoüberwachung ist einem Sprecher des Bundesinnenministeriums zufolge betroffen. Institutionen, die mit dem Trojaner zu kämpfen haben, werden gebeten, sich beim Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) zu melden. "Die Regierungsnetze sind von dem Angriff nicht betroffen", hieß es.

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Bei der Cyberattacke durch die Schadsoftware "WannaCry" waren am Freitag nach Angaben von IT-Sicherheitsexperten mindestens 75.000 Computerin knapp 100 Ländern infiziert worden, darunter auch Rechner des Telekom-Konzerns Telefónica in Spanien. Der Erpressungstrojaner "WannaCry" verschlüsselt Daten - für die Freigabe verlangen Kriminelle Lösegeld. In der Nacht konnte die Angriffswelle erst mal gestoppt werden, nachdem ein IT-Sicherheitsforscher auf eine Art "Notausschalter" in der Schadsoftware stieß.

In Deutschland ist die Bahn nach aktuellem Kenntnisstand das einzige Unternehmen, das derzeit mit einer größeren Cyberattacke zu kämpfen hat. Ob die Bahn auch von "WannaCry"-Trojanern befallen wurde, ist offen. An mehreren deutschen Bahnhöfen versagten die Reiseinformationssysteme, unter anderem in Halle und Leipzig. Nur der Hinweis "Bitte Aushangfahrplan beachten" war auf den blauen Tafeln zu lesen.

Über Lautsprecher informierte die Bahn die Reisenden über eine "technische Störung". Auch Ticketautomaten funktionierten an mehreren Bahnhöfen nicht. Die Internetseite bahn.de sowie die "Navigator-App" für Smartphones funktionieren laut dem Sprecher aber ohne Einschränkung. den Bahnhöfen seien Schalter geöffnet - auch der Zugverkehr rolle wie gewohnt.

Erpresser-Viren - wie kann ich mich schützen?

In Großbritannien sind die Auswirkungen der Angriffe dagegen gravierender: Dutzende Kliniken und andere Gesundheitseinrichtungen wurden lahmgelegt. Patienten sollten nur in dringenden Fällen in Notaufnahmen kommen. Auch Krebs- und Herzpatienten, deren Daten nicht zur Verfügung standen, wurden nach Hause geschickt. Viele Kranke mussten in andere Kliniken umgeleitet werden. Einige Gesundheitseinrichtungen hatten vorsichtshalber ihre Computer heruntergefahren.

Innenministerin Amber Rudd kritisierte angesichts dessen den Nationalen Gesundheitsdienst NHS (National Health Service) im Sender BBC. Der NHS müsse seine IT-Systeme besser schützen. Es seien etwa 45 Einrichtungen betroffen.

Die führenden westlichen Industrieländer (G7) warnten unterdessen vor steigenden Gefahren durch Cyberkriminalität. Die G7-Finanzminister und Notenbankchefs forderten in Bari ein gemeinsames und abgestimmtes Vorgehen der Staatengemeinschaft und der privaten Wirtschaft gegen Angriffe auf IT-Systeme. "Wir erkennen an, dass Cybervorfälle eine wachsende Bedrohung für unsere Volkswirtschaften darstellen und dass angemessene (...) Reaktionen erforderlich sind", heißt es in einer Erklärung.

apr/AFP/dpa

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