Cyberkriminalität in Deutschland 2015 mehr als 40 Millionen Euro Schaden

Mindestens 45.000 Fälle von Computer- und Internetkriminalität hat es 2015 in Deutschland gegeben, meldet das Bundeskriminalamt. Sein Chef Holger Münch hat sich auch zur Bedeutung des sogenannten Darknets geäußert.
BKA-Chef Holger Münch

BKA-Chef Holger Münch

Foto: Michael Kappeler/ picture alliance / dpa

Durch Computer- und Internetkriminalität ist im vergangenen Jahr ein registrierter Schaden von mehr als 40,5 Millionen Euro entstanden. Mehr als 45.000 Fälle von Cyberkriminalität seien 2015 in Deutschland gezählt worden, teilt das Bundeskriminalamt (BKA) am Mittwoch mit. Die Aufklärungsquote liege bei rund 33 Prozent.

Die Schadenssumme ist dem "Bundeslagebericht Cybercrime 2015" (PDF)  zufolge im Vergleich zum Vorjahr um 2,8 Prozent gestiegen. Der größte Teil - rund 35,9 Millionen Euro - entfällt demnach auf "Computerbetrug".

Im BKA-Lagebericht wird "Cybercrime" so definiert, dass der Bereich jene Straftaten abdecke, "die sich gegen das Internet, Datennetze, informationstechnische Systeme oder deren Daten richten oder die mittels dieser Informationstechnik begangen werden."

In die Kategorie Computerbetrug fallen zum Beispiel Fälle von Phishing oder Identitätsdiebstahl und auch Abzockmaschen mit Ransomware, also mit Erpressungssoftware. Bei Ransomware-Attacken werden Dateien von Opfern verschlüsselt. Der Computer ist dann nicht mehr wie üblich nutzbar und ein Countdown zeigt auf dem Bildschirm an, wann Fotos, Musik oder andere Dateien gelöscht werden, falls das Opfer kein Lösegeld zahlt.

"Auslands-Taten" nicht erfasst

Das BKA geht davon aus, dass es im Bereich Online-Kriminalität ein großes Dunkelfeld gibt, so dass die genannten Zahlen nicht den tatsächlichen Schaden, sondern nur einen Teil davon erfassten.

Nach Ansicht des Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK) im BKA gibt es drei entscheidende Gründe dafür: die "unzureichende Erfassung der 'Auslandstaten', die geringe Anzeigebereitschaft der Geschädigten und "zu geringe bis keine Polizeipräsenz im Internet, insbesondere im sogenannten Darknet". In der Statistik würden seit 2014 zum Beispiel nur die Straftaten erfasst, bei deinen konkrete Anhaltspunkte für eine Tathandlung innerhalb Deutschlands vorliegen.

Zum Thema Darknet äußerte sich auch BKA-Chef Holger Münch. Der Begriff Darknet machte in den letzten Tagen die Runde, weil sich der Amokläufer von München dort seine Waffe besorgt haben soll. Münch sagte nun, dass es Waffen in diesem verborgenen und verschlüsselten Bereich des Internets gebe, "allerdings muss man sagen, zum Glück nicht in der Menge, wie es zum Beispiel bei Betäubungsmitteln ist".

Auch mit Falschgeld werde im Darknet mehr gehandelt als mit Waffen. Zudem gebe es online eine relativ hohe Zahl von Betrügern, die den Verkauf von Waffen nur antäuschten. Aktuell führt das BKA laut Eigenauskunft mehr als 80 Verfahren wegen möglichen Waffen- und Sprengstoffhandels im Darknet. Holger Münch nannte am Mittwoch die Zahl von 85 Verdächtigen, gegen die ermittelt werde.

Mehr Computerexperten gefordert

Laut Münch arbeitet das BKA seit 2013 mit Fahndungsmethoden fürs Darknet. Durch die fortschreitende Digitalisierung würden die mit den Netzwerken verbundenen Probleme nicht geringer: "Wenn wir nach vorn schauen, sehen wir keine Entspannung."

Münch betonte am Mittwoch, es sei wichtig, dass jede Straftat angezeigt werde, damit die Onlinekriminalität effektiv bekämpft werden könne. Dem BKA-Jahresbericht zufolge gehen die meisten Täter weiter dezentral vor: Sie kommen in kleinen Gruppen online zusammen, begehen Straftaten und trennen sich dann wieder. Eine Zunahme registrierte das BKA allerdings auch bei der Organisierten Kriminalität im Netz: 2013 sei gegen sechs Gruppierungen ermittelt worden, 2015 gegen 22.

Die Gewerkschaft der Polizei forderte als Konsequenz des Berichts mehr Computerexperten für die Polizei. Die bisherigen Anstrengungen von Bund und Ländern reichten hier nicht aus. Der Bund Deutscher Kriminalbeamter forderte darüber hinaus eine gesetzliche Verpflichtung für Internetprovider, ihre Zugangsdienstleistungen so zu gestalten, dass jederzeit ein Identifizieren und Überwachen eines verdächtigen Nutzers möglich sei.

mbö/jdl/dpa/AFP