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Cyberangriffe Deutschland soll digital zurückschlagen dürfen

Wilfried Karl ist Präsident der neuen Entschlüsselungsbehörde Zitis. Im SPIEGEL fordert er, dass staatliche Behörden bei Cyberangriffen digital zurückschlagen können sollten.
Hände am Laptop

Hände am Laptop

Foto: Silas Stein/DPA
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

"Als Bürger erwarte ich, dass unser Staat auch bei neuartigen digitalen Bedrohungen handlungsfähig bleibt." Das sagt Wilfried Karl, Präsident der Entschlüsselungsbehörde Zitis (Zentrale Stelle für Informationstechnik im Sicherheitsbereich), in der am Donnerstag erscheinenden Ausgabe des SPIEGEL. (Lesen Sie hier die ganze Geschichte im neuen SPIEGEL.)

Als Beispiel nannte Karl den Bundestagshack im Jahr 2015: "Wäre es nicht wünschenswert, entwendete Dateien und Dokumente zumindest auf den Servern der Diebe zu löschen?"

Wilfried Karl

Wilfried Karl

Foto: Michaela Rehle/ REUTERS

Der Zitis-Präsident verwies auf das Schweizer Gesetz, das den dortigen Geheimdiensten solche sogenannten Hackbacks bereits unter bestimmten Voraussetzungen erlaube. Noch weiter gehe ein Gesetzentwurf aus den USA, der es Unternehmen gestatten würde, gegen Cyberattacken offensiv vorzugehen, also zurückzuhacken. Letzteres hält Karl für keine gute Idee: "Derlei offensive Maßnahmen sollten staatlichen Behörden vorbehalten bleiben", so Karl.

Zugleich warnen IT-Experten und Politiker im SPIEGEL vor staatlichen Hacks. Timo Kob, Gründer der Sicherheitsfirma HiSolutions und Professor für Wirtschaftsschutz und Cybersecurity sieht "erhebliche verfassungs- und völkerrechtliche Probleme, da der Gegner meist im Ausland sitzt". Die Gefahr, den Falschen zu treffen, sei groß. Brad Smith, Präsident und Chefjustiziar von Microsoft, fordert die Einführung einer "Digitalen Genfer Konvention". Microsoft werde nicht dabei helfen, Kunden anzugreifen, sagt Smith und gibt die Devise aus: hundert Prozent Verteidigung, null Prozent Angriff.

Einig ist sich der Microsoft-Präsident in dieser Frage mit Konstantin von Notz, dem stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden der Grünen im Bundestag. "Verteidigung ist im Cyberbereich die beste Verteidigung", sagt der Politiker und beschreibt die künftige Linie seiner Partei. "Angriffe sind rechtlich wie praktisch maximal problematisch und sollten nicht legalisiert werden."

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