Darknet-Razzia Ermittler nehmen Betreiber von "Wall Street Market" fest

Ermittler haben den zweitgrößten Darknet-Marktplatz vom Netz genommen - und drei Deutsche verhaftet, die den illegalen Umschlagplatz betrieben haben sollen.
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"Die Plattform und der kriminelle Inhalt wurden beschlagnahmt": Mit dieser Botschaft des Bundeskriminalamtes werden Nutzer begrüßt, die sich auf dem Darknet-Marktplatz "Wall Street Market" einloggen wollen. Auf dem Umschlagplatz wurden bisher Drogen und andere illegale Waren wie geklaute Daten, Fake-Dokumente und Schadsoftware verkauft.

Ermittler haben die Server des lange Zeit zweitgrößten Darknet-Marktplatzes am 2. Mai beschlagnahmt und in Deutschland drei mutmaßliche Betreiber verhaftet, wie die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Main am Freitag mitteilte (Lesen Sie hier mehr zum Darknet).

Am 23. und 24. April wurden ein 31-jähriger Tatverdächtiger aus Bad Vilbel, ein 29-Jähriger aus dem Landkreis Esslingen und ein 22-Jähriger aus Kleve festgenommen. Außerdem wurden ihre Wohnungen durchsucht. "Die deutschen Staatsangehörigen sind dringend verdächtig, den ausschließlich über das sogenannte Darknet zugänglichen illegalen Onlinemarktplatz 'Wall Street Market' gemeinsam und arbeitsteilig betrieben zu haben", so die Generalstaatsanwaltschaft.

Der mit Tor erreichbare Darknet-Umschlagplatz "Wall Street Market" hatte den Ermittlern zufolge zuletzt über 63.000 Verkaufsangebote gelistet. Mehr als 1,1 Millionen Kunden und über 5400 Verkäufer waren auf der Plattform angemeldet. Ihre Bestellungen konnten die Käufer mit den Kryptowährungen Bitcoin oder Monero bezahlen, die Betreiber kassierten jeweils Provisionen in Höhe von zwei bis sechs Prozent des Verkaufswertes.

"Wall Street Market" hatte auch davon profitiert, dass der bis dahin größte und älteste Darknet-Marktplatz "Dream Market" für Ende April sein Ende angekündigt hatte - viele Kunden waren daraufhin zu "Wall Street Market" gewechselt.

Schusswaffe, Datenträger und Bitcoins

Bei den verdeckten Ermittlungen gegen die Darknet-Plattform arbeiteten die deutschen Behörden mit US-amerikanischen und niederländischen Strafverfolgungsbehörden sowie Europol zusammen. Ab März 2019 nahmen die Ermittler dann die drei Deutschen ins Visier, die nun festgenommen worden sind.

Offenbar hatten die Betreiber von "Wall Street Market" zuvor ihren Ausstieg geplant. In den vergangenen Wochen haben sich mehrere Darknet-Nutzer in Foren wie "DeepDotWeb"  darüber beschwert, dass der Marktplatz nicht erreichbar sei oder Transaktionen nicht mehr funktionieren. "Die Administratoren versuchen, das Geld zu stehlen", warnte ein Nutzer. Ein anderer berichtete, seine Bitcoin seien eingezogen worden. Verkäufer hatten Berichten zufolge teils keinen Zugriff auf ihre Konten und ihr Krypto-Vermögen mehr. Berichten zufolge  sollen die Betreiber Kryptowährungen im Wert von mehreren Millionen Dollar einbehalten haben.

"Nachdem die mutmaßlichen Verantwortlichen des illegalen Online-Marktplatzes die Plattform am 23. April 2019 in den Wartungsmodus schalteten und begannen, die auf dem Marktplatz hinterlegten Geldbeträge der Kunden an sich selbst zu transferieren (in der Szene wird diese Vorgehensweise als "Exit-Scam" bezeichnet), erfolgten im Zeitraum vom 23. April bis zum 2. Mai 2019 umfangreiche operative Maßnahmen der Cyberspezialisten des Bundeskriminalamts", beschreibt die Generalstaatsanwaltschaft den Zugriff.

Bei den Razzien in den Wohnungen der Tatverdächtigen wurden Bargeld in Höhe von über 550.000 Euro, Bitcoin und Monero-Kryptowährungen in sechsstelliger Höhe, Autos und Beweismittel wie Computer und Datenträger beschlagnahmt. Bei dem 22-jährigen Tatverdächtigen aus Kleve wurde den Ermittlern zufolge auch eine Schusswaffe gefunden.

Die drei mutmaßlichen Betreiber sitzen nun in Untersuchungshaft, ihnen wird "gewerbsmäßige Verschaffung einer Gelegenheit zur unbefugten Abgabe von Betäubungsmitteln" vorgeworfen. In Los Angeles wurden derweil zwei der umsatzstärksten Verkäufer festgenommen, die über "Wall Street Market" Drogen verkauft hatten.

Video: Ex-Darknet-Dealer packt aus - "Und fertig ist ein Online-Drogen-Imperium"

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