Netzanbieter scheitern bei Versorgung 4G-Netz hat noch große Lücken

Messungen des Bayerischen Wirtschaftsministeriums zeigen: An ICE-Strecken und Autobahnen klaffen nach wie vor große Löcher im Mobilfunknetz. Am schlechtesten steht im Untersuchungsgebiet Telefónica da.

4G-Versorgung an den ICE-Strecken in Bayern, hier am Beispiel des Netzes von Telefónica: Rot bedeutet "Auflage nicht erfüllt"
IK-T

4G-Versorgung an den ICE-Strecken in Bayern, hier am Beispiel des Netzes von Telefónica: Rot bedeutet "Auflage nicht erfüllt"

Von und


Die Mobilfunkkonzerne werden wohl damit scheitern, die staatlichen Auflagen bei der Versorgung mit dem 4G-Netz zu erfüllen. Das geht aus Messungen hervor, die im Auftrag des Bayerischen Wirtschaftsministeriums in Bayern durchgeführt wurden. Demnach sind die Lücken im schnellen Funknetz vor allem auf ICE-Strecken und an Bundesautobahnen groß, obwohl sich die Anbieter zu einer lückenlosen Abdeckung verpflichtet haben.

Titelbild
Mehr dazu im SPIEGEL
Heft 49/2019
Warum alle Welt ihn bis heute vergöttert

In der Kritik ist insbesondere Telefónica, dessen Netzabdeckung in den untersuchten Gebieten deutlich schlechter ist als beispielsweise die der Deutschen Telekom.

In unseren Grafiken mit Schieberegler können Sie die unterschiedlichen Untersuchungsergebnisse selbst nachvollziehen:

4G-Versorgung in Bayern
4G-Versorgung in Bayern

Die Firmen müssen diese Defizite eigentlich bis zum Ende des Jahres beheben. Denn bei der Ersteigerung der 4G-Funklizenzen hatten sie zugesagt, auch in diesem Bereich nahtlosen Mobilfunk anzubieten.

Empfindliche Strafen angedacht

Bislang sind die Strafen für Anbieter, die Auflagen nicht erfüllen, mit bis zu 100.000 Euro gering. Eine geplante Novelle des Telekommunikationsgesetzes sieht aber empfindliche Strafen vor - von einer Million Euro bis zu zwei Prozent des Weltjahresumsatzes.

Der Grünen-Telekommunikationsexperte Oliver Krischer kritisiert den für den Mobilfunkausbau zuständigen Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU): "Die Messungen zeigen das Versagen des Ministers, den Rückstand bei der für die Wirtschaft so wichtigen digitalen Infrastruktur des Landes aufzuholen", sagte der Bundestagsabgeordnete dem SPIEGEL.

Ein Sprecher von Telefónica sieht seinen Konzern entgegen der Netzagentur-Daten auf dem richtigen Kurs: "Wir treiben unseren LTE Ausbau massiv voran und nehmen aktuell im Schnitt alle 50 Minuten einen neuen LTE-Sender in Betrieb", sagte er dem SPIEGEL. Man werde die ehrgeizigen Ziele erfüllen und sei damit "im engen Austausch mit der Bundesnetzagentur".

Anmerkung der Redaktion: Ursprünglich hatte es in diesem Text geheißen, die Messungen seien von der Bundesnetzagentur durchgeführt worden. Tatsächlich wurden sie im Auftrag des Bayerischen Wirtschaftsministeriums durchgeführt. Wir bitten, diesen Fehler zu entschuldigen.

Dieses Thema stammt aus dem neuen SPIEGEL-Magazin - am Kiosk erhältlich ab Samstagmorgen und immer freitags bei SPIEGEL+ sowie in der digitalen Heft-Ausgabe.

Was im neuen SPIEGEL steht und welche Geschichten Sie bei SPIEGEL+ finden, erfahren Sie auch in unserem kostenlosen Politik-Newsletter DIE LAGE, der sechsmal in der Woche erscheint - kompakt, analytisch, meinungsstark, geschrieben von den politischen Köpfen der Redaktion.



insgesamt 28 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
MarkusHenny 29.11.2019
1. Palaver über Huawei beschleunigt den Ausbau
Ist doch sicher; oder doch nicht ?
quams 29.11.2019
2.
Die Telefonanbieter werden sich mit Sicherheit längst die optimale Investementstrategie erarbeitet haben. Optimal heißt in diesem Fall, wie lange lohnt es sich Geld via Lobbyarbeit in Politiker zu investieren damit die hohen Strafen ausreichend verzögert werden um das Investment in die Infrastruktur so lange wie möglich zu strecken...
robeuten 29.11.2019
3.
Habe vor wenigen Monaten meinen Vertrag im E-Netz gekündigt - wenn man auf der Autobahn, z.B. südliche A5, unterwegs ist, wird das Signal der einen Elementarzelle immer schwächer, und reißt komplett ab, just bevor sich die SIM-Karte in die nächste Elementarzelle einloggen kann. Also alle paar Minuten neuwählen (internes Telephonmodul mit Außenantennen; es liegt definitiv nicht am Telephon!). Nun beim rosa Riesen, der mich in vielen Dingen echt nervt.... aber: die Verbindung ist stabil! Selbst, wenn einfach das Iphone über Blauzahn gekoppelt ist, guter Empfang - kann wohl die Zweit-SIM entweder in Rente schicken, oder ins notebook stecken :-). Nichts desto trotz: nicht nur in Polen ist es auf dem flachen Land besser als im "Industriestandort" 'Schland...
mk1964 29.11.2019
4.
Dass ein Politiker der Grünen, die seit 20 Jahren den Ausbau der Mobilfunknetze bekämpfen, sich jetzt darüber beschwert, dass die Mobilfunkabdeckung nicht ausreichend ist, ist ein Witz, oder?
amarildo 29.11.2019
5. meinung
4G? Hier in Australien sind wir bei 5G. 25 millionen Einwohner und ein Kontinent flaechenmaessig so gross wie Europa. Give or take a few square kilometres. Alles ohne Huawei. Wenn das system ain paar tausenfd Km weit im landesinneren zusammen brich schick man dIE Instruktionen zum reperarierdn per brief tauben. Grund die kommen immer an. Das heisst die sind besser als 4G in Deutschland.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.