Zum Inhalt springen

Von Referats- bis Behördenleitung Jede zweite Führungskraft ist mit der Digitalisierung der Verwaltung zufrieden

Wie läuft's mit der Digitalisierung der Behörden? Eine Umfrage unter Führungskräften deutscher Amtsstuben zeigt: Sie sind optimistischer als die Bürger, glauben aber auch, dass noch viel zu tun ist.
Steuerportal Elster: Digitale Schnittstelle zum Finanzamt

Steuerportal Elster: Digitale Schnittstelle zum Finanzamt

Foto: Marijan Murat / dpa

Für viele Verwaltungsangelegenheiten müssen Bürgerinnen und Bürger in Deutschland noch immer aufs Amt gehen – während man einen Großteil der Bankgeschäfte oder Versicherungsangelegenheiten digital von zu Hause erledigen kann. Und wenn sich jetzt Millionen von Hausbesitzern mit ihrer neuen Grundsteuererklärung abplagen , liegt das nicht zuletzt daran, dass sie Daten zusammenführen müssen, die zwar amtlich vorliegen, aber in keiner Form, die man elektronisch leicht weiterverarbeiten könnte.

Wie bewerten die Ämter selbst den Stand ihrer Digitalisierung? Darüber gibt eine neue Umfrage der Unternehmensberatung BCG und des Centers for Digital Governance der Hertie School Aufschluss. Demnach glauben 52 Prozent der Führungskräfte im öffentlichen Dienst, dass die Digitalisierung in ihrer jeweiligen Institution gut ausgeprägt ist. Eine Digitalisierungsstrategie gibt es bei immerhin 63 Prozent der Befragten.

Die Autoren der Umfrage kontrastieren das mit der Wahrnehmung der Bürgerinnen und Bürger und ziehen dafür die Daten des eGovernment Monitor vom vorigen Jahr heran. Demnach lag die Zufriedenheit der Nutzerinnen und Nutzer von elektronischen Verwaltungsangeboten bei 47 Prozent – und damit 15 Prozentpunkte niedriger als im Vorjahr. Der Schluss: Möglicherweise schätzen Führungskräfte in den Ämtern die digitale Lage noch immer ein bisschen zu rosig ein.

Daten selten mit großem Wertbeitrag

Die Digitalisierung der Verwaltung bezieht sich nicht nur auf Schnittstellen nach außen, sie soll auch die Abläufe innerhalb der Organisation effizienter machen. Allerdings gaben nur 47 Prozent der Befragten an, dass die internen Prozesse digitalisiert sind. Das betrifft unter anderem die Personalorganisation oder auch Budgetprozesse. So stimmt auch nur rund ein Drittel der Befragten der Aussage zu: »Daten leisten in unserer Organisation einen großen Wertbeitrag«.

Befragt wurden 143 Führungskräfte aus den verschiedensten Bereichen der öffentlichen Verwaltung. Dazu zählten vor allem Referatsleitungen, Abteilungsleitungen und Behördenleitungen. Ein Drittel von ihnen hat mehr als zehn Jahre Berufserfahrung außerhalb von Behörden gesammelt, nur acht Prozent gaben an, noch nie außerhalb der Verwaltung gearbeitet zu haben. 90 Prozent von ihnen sind verbeamtet.

Die Studie von BCG und Hertie School geht der Frage nach der Zukunftsfähigkeit der deutschen Verwaltungen nach – Digitalisierung ist dabei nur ein Faktor, allerdings einer mit großer Außenwirkung. 57 Prozent der Befragten halten ihre Institution für zukunftsfähig. Allerdings wächst der Optimismus mit der Hierarchieebene: Die Behördenleitungen stimmten dieser Aussage zu 64 Prozent zu, die Referatsleiter nur zu 55 Prozent.

mamk