Parteitag Apple entzieht Republikanern Unterstützung - wegen Trump

Der Tech-Konzern Apple will den Parteitag der Republikaner dieses Jahr nicht unterstützen. Grund ist offenbar das Unbehagen über Donald Trump.

Eine Frau fotografiert mit dem iPhone Donald Trump (bei einem Auftritt in Kalifornien)
REUTERS

Eine Frau fotografiert mit dem iPhone Donald Trump (bei einem Auftritt in Kalifornien)


Im Juli will sich Donald Trump als Kandidat der Republikaner offiziell krönen lassen. In der Arena des frisch gebackenen NBA-Meisters Cleveland Cavaliers wird dafür eine riesige Hightech-Show inszeniert. Die muss allerdings ohne Unterstützung von Apple auskommen.

Der Tech-Konzern entzieht der Großveranstaltung technische und materielle Hilfe, aus Protest gegen Äußerungen Trumps. Das berichten mehrere US-Medien übereinstimmend.

Apple ist nicht die erste Firma aus der amerikanischen Tech- und Medienbranche, die wegen Trump zuletzt die Unterstützung der Republikaner einstellte. Der Schritt ist aber dennoch bemerkenswert, weil das Silicon Valley bislang, auch wenn hier tendenziell linke Vordenker den Ton angeben, Demokraten und Republikaner im gleichen Maße unterstützt hat.

Apple selbst hat die Entscheidung bislang nicht öffentlich bestätigt. Den Berichten zufolge hat der Konzern die Entscheidung der Parteiführung der Republikaner im Stillen übermittelt.

Zwei namentlich nicht genannte Mitarbeiter bestätigten etwa der "New York Times", dass die Entscheidung wegen Unbehagens über Äußerungen Trumps gefallen sei. Der Kandidat hatte wiederholt Stimmung gegen Muslime und Einwanderer gemacht.

Trump attackierte Apple-Chef Cook

Apples Vorstandsvorsitzender Tim Cook wird von Trump seit längerer Zeit kritisiert. Der Politiker hält Cook etwa vor, dass Apple seine Geräte in China zusammensetzen lässt, oder dass sich der Konzern weigerte, dem FBI beim Knacken eines verschlüsselten iPhones eines Terroristen zu helfen. Apple vertritt dabei den Standpunkt, dass solch eine Hintertür für die Behörden die Sicherheit aller iPhones gefährden würde.

Rein finanziell hat die Entscheidung Apples für den Parteitag keine großen Folgen. In der Regel stellt Apple den party conventions technisches Gerät zur Verfügung. Im Jahre 2008 hatte diese Unterstützung laut offiziellen Wahlkampfunterlagen einen Wert von jeweils 140.000 Dollar.

Doch die Entscheidung des größten Tech-Konzerns hat eine hohe Symbolkraft und dürfte die Spannungen im Silicon Valley im Umgang mit Trump weiter anheizen. Zuletzt hatte das Portal "BuzzFeed" einen Werbedeal mit den Republikanern platzen lassen, auch dies aus Protest gegen Trump.

Facebooks Trump-Dilemma

Trotz der Kritik an Trump planen etwa Google und Facebook weiterhin, den Nominierungsparteitag der Republikaner ebenso zu unterstützen wie jenen der Demokraten, die nach derzeitigem Stand Hillary Clinton ins Rennen schicken werden. Doch linke Aktivistengruppen machen weiter Druck auf die Firmen - sie erinnern die Konzerne daran, dass Trumps Rhetorik so gar nicht zu Werten wie Vielfalt und Fortschritt passt, die das Valley eigentlich verkörpern will.

Auch bei Facebook sorgt die Frage, wie man es denn nun mit Trump hält, für Konflikte. Verwaltungsratsmitglied Peter Thiel, zugleich einer der mächtigsten Tech-Investoren, ist gar einer der Delegierten Trumps beim Parteitag. Die Nachricht sorgte für Staunen im Silicon Valley. Facebook-Chef Mark Zuckerberg hingegen hatte Trump indirekt kritisiert.

Das Netzwerk geriet zuletzt in die Kritik, weil Mitarbeiter konservative Nachrichten unterdrückt haben sollen. Daraufhin lud Zuckerberg konservative Politiker und Meinungsmacher ein und betonte: Auch wenn das Silicon Valley als liberal gelte, seien "in der Realität konservative und Republikaner stets ein wichtiger Teil von Facebook" gewesen. Und er betonte, dass kein Kandidat mehr Facebook-Fans habe als Trump.

Bislang heißt es bei Facebook, man werde Trumps Krönungsmesse im Juli "finanziell und in anderer Form unterstützen".

Zum Autor
Julia Kneuse
Fabian Reinbold ist Netzwelt-Redakteur im Hauptstadtbüro von SPIEGEL ONLINE.

E-Mail: Fabian_Reinbold@spiegel.de

Der Autor auf Facebook

Mehr Artikel von Fabian Reinbold

fab



insgesamt 68 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
genugistgenug 20.06.2016
1. Wieso erst jetzt, Apple?
Das aber Facebook das Trump so massiv unterstützt zeigt die Zielrichtung - denn so werden die Daten frei Haus geliefert. PS vermutlich protzt T. bald mit seinen Millionen Unterstützern weltweit (ALLE F-Book Kunden, die nun nicht wegen T. kündigten)
tailspin 20.06.2016
2. Passend zum Umfeld
Apple hat am 18. Mai 2015 seinen Peak Boersenwert erreicht. Seitdem Gleitflug.
scooby11568 20.06.2016
3. Der erste Grund für mich ...
ein IPhone zu kaufen ;-)
mickt 20.06.2016
4. Gerade statt verbiegen
Finde ich gut, dass Apple den Rückzieher macht. Die Firmen sollten zu ihren Werten stehen, sie aktive leben und sich nicht verbiegen. Sonst ist das alles nur leeres Geschwätz.
bold_ 20.06.2016
5. iEr in der Hose
Hat lange gedauert - jetzt werden sich die Follower nicht länger zurückhalten. Clinton ist zwar nur das kleinere Übel, aber der Trump(f) sticht nicht mehr - und das ist sehr zu begrüßen. --> man stelle sich nur mal vor, der Typ drückt in einem Anfall von Muselman-Manie auf den Atomknopf...
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.