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Treffen mit den Silicon-Valley-Bossen Trump, Twitter und die Anti-Hillary-Emojis

Beim Treffen des designierten US-Präsidenten mit den Chefs der Tech-Firmen fehlte der Vertreter seines Lieblingsmediums - Twitter. Liegt das an einem Zerwürfnis im Wahlkampf?

Alle waren sie da. Apple-Chef Tim Cook, der sich im Wahlkampf vom Kandidaten Donald Trump anhören musste, er sei ein vaterlandsloser Geselle, machte dem Wahlsieger seine Aufwartung. Ebenso Amazon-Boss Jeff Bezos, der sich mit Trump einen Kleinkrieg geliefert hatte und dessen "Washington Post" von Trump vorgeworfen wurde, eine Kampagne gegen den Kandidaten zu führen. Microsoft schickte den Firmenchef Satya Nadella, auch Tesla- und SpaceX-Chef Elon Musk kam.

Nur von Twitter fehlte jemand.

Das Treffen des künftigen Präsidenten mit den Bossen des Silicon Valley im New Yorker Trump Tower fand am Mittwoch ohne einen Vertreter des Kurznachrichtendienstes statt. Dabei ist Twitter Trumps Lieblingsmedium. Im Wahlkampf und auch danach nutzte Trump, der seit dem Wahltag keine Pressekonferenz gegeben hat, Twitter, um die Agenda zu setzen, gegen Kritiker auszuteilen oder um Nebelkerzen abzuwerfen. Eigentlich eine gute Basis: Trump hat von Twitter profitiert, und die Bedeutung des kriselnden Kurznachrichtendienstes ist durch dessen Wahlkampf wieder gestiegen.

Wo also war Twitter-Chef Jack Dorsey am Mittwoch? Trump und sein Team betonten, wie groß das Interesse an dem Treffen gewesen sei und dass viele Interessenten leer ausgehen mussten. Der Tisch sei nicht groß genug gewesen (Trumps Kinder fanden aber sehr wohl Platz in der Runde). Und viele der versammelten Tech-Firmen sind tatsächlich größer und wertvoller als Twitter.

Doch es kursiert auch eine andere Lesart. Und die verknüpft die Abwesenheit Twitters mit einem möglichen Zerwürfnis aus der Zeit des Wahlkampfs. Das Portal "Politico" berichtet , dass Twitter von dem Treffen "ausgeschlossen" worden sei, als Vergeltungsmaßnahme für einen Streit über Wahlwerbung.

Trumps Werbedeal mit Twitter

Im Rahmen eines Werbepakets im Wert von fünf Millionen US-Dollar wollten die Trump-Leute auch ein Emoji schalten, das sich gegen Trumps Kontrahentin Hillary Clinton richtete. Wenn Nutzer das von Trump initiierte Schlagwort von #CrookedHillary benutzen, sollte dahinter ein Emoji erscheinen, das die angebliche Käuflichkeit der Demokratin visualisieren sollte.

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Apple, Amazon und Google: Trump trifft Techies

Foto: Albin Lohr-Jones/ dpa

Twitter bietet eine solche Funktion immer wieder an, Republikaner und Demokraten etwa hatten für ihre Wahlparteitage ihre Maskottchen als Emoji bei Twitter in Auftrag gegeben. Laut "Politico" war Dorseys Rolle bei der Ablehnung der Anti-Hillary-Emojis der Grund dafür, ihn vom Treffen in New York auszuschließen. Das Trump-Team allerdings dementierte diese Interpretation.

Erster Entwurf des Anti-Hillary-Emojis laut Gary Coby

Erster Entwurf des Anti-Hillary-Emojis laut Gary Coby

Gary Coby, ein republikanischer Wahlstratege, hatte sich aber schon vor einem Monat über die Auseinandersetzung mit Dorsey über das Emoji beschwert . Dabei hatte er auch lang und breit den Prozess geschildert: Wie man mehrere Emojis entworfen habe, die aber später jeweils von Twitter zurückgewiesen wurden.

Zuerst habe man eine offene Hand mit einem Geldbeutel nehmen wollen - das sei aber zurückgewiesen worden. Auch eine spätere Version mit einem Geldbeutel, der davonfliegt, wurde abgelehnt. Twitters angebliche Begründung: Man könne nicht jemanden eines Verbrechens beschuldigen, das dieser nicht begangen habe und wofür nicht gegen ihn ermittelt werde.

Auch dieser Entwurf des Trump-Teams wurde laut Coby durch Twitter abgelehnt

Auch dieser Entwurf des Trump-Teams wurde laut Coby durch Twitter abgelehnt

Twitter hat diese Vorwürfe bislang nicht kommentiert. Als CEO Dorsey vergangene Woche nach dem Verhältnis zu Trump gefragt wurde, sagte er schlicht: "Kompliziert."

Das Vorhaben mit den Anti-Hillary-Emojis hätte durchaus zur generellen Social-Media-Strategie aus dem Trump-Lager gepasst. Woanders konnte die Kampagne mit CrookedHillary-Motiven werben. Während der ersten TV-Debatte im September etwa kaufte Trumps Kampagne auf Snapchat einen Filter, demzufolge das Duell "Donald J. Trump vs. Crooked Hillary" lautete.

fab
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