Nach Post von Trump Facebook und Twitter wollen irreführendes Pelosi-Video nicht entfernen

In sozialen Netzwerken hat Donald Trump ein manipulativ zusammengeschnittenes Video über Nancy Pelosi gepostet. Die Politikerin will, dass der Clip verschwindet, scheiterte bislang aber.
Nancy Pelosi bei Trumps Rede zur Nation: "Manuskript der Unwahrheiten"

Nancy Pelosi bei Trumps Rede zur Nation: "Manuskript der Unwahrheiten"

Foto: Susan Walsh/ AP

Nach Donald Trumps Rede zur Nation am Mittwoch zerriss Oppositionsführerin Nancy Pelosi ihre Textkopie und bezeichnete sie als "Manuskript der Unwahrheiten". Wenige Stunden später postete Donald Trump die Szenen in einem Video auf Twitter und Facebook, allerdings in einem ganz anderen Zusammenhang.

Der Clip suggeriert, Pelosi habe Trumps Manuskript zerrissen, während dieser einen Piloten der Tuskegee Airmen und andere Gäste, darunter Soldaten-Familien, auszeichnete. Die Tuskegee Airmen sind eine Gruppe afroamerikanischer Militärpiloten, die im Zweiten Weltkrieg gekämpft haben.

Pelosi hat Twitter und Facebook nun aufgefordert, das Video zu entfernen. Doch die Unternehmen lehnten ab, berichtet die "New York Times".

Das umstrittene Video ist etwa fünf Minuten lang. Es zeigt, wie Trump dem afroamerikanischen Piloten und anderen geladenen Gästen Tribut zollt. Dazwischen geschnitten ist mehrfach die Szene, in der Pelosi das Skript von Trumps Rede zur Nation zerreißt.

Die Interessen der Aktionäre im Blick

Drew Hammill, stellvertretender Stabschef in Pelosis Team, schrieb auf Twitter. "Die Amerikaner wissen, dass der Präsident keine Bedenken hat, sie anzulügen - aber es ist eine Schande zu sehen, dass Twitter und Facebook, die Millionen Menschen als Nachrichtenquelle dienen, das Gleiche tun", schreibt er auf Twitter.

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Das angebliche "Fake-Video" sei gemacht worden, "um die Amerikaner in die Irre zu führen und sie zu belügen". Jeder Tag, an dem sich die Plattformen weigerten, den Inhalt zu entfernen, sei eine Erinnerung daran, dass sie sich mehr für die Interessen ihrer Aktionäre interessierten als für die Anliegen der Öffentlichkeit.

Problem: Fake News in sozialen Netzwerken

Bei Twitter und Facebook sieht man die Sache erwartungsgemäß anders. Andy Stone, ein Sprecher von Facebook, antwortete auf Hammills Tweet: "Tut mir leid, aber legen Sie hier nahe, der Präsident habe die Aussagen im Video nicht getroffen und Pelosi habe das Skript nicht zerrissen?"

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Facebook und Twitter stehen seit Jahren in der Kritik, weil über sie Falschmeldungen verbreitet werden, die Meinungen manipulieren und Wahlen beeinflussen können. Einige Experten fordern, die Unternehmen müssten verpflichtet werden, die Verbreitung solcher Nachrichten zu verhindern. Auch die Demokraten setzten sich dafür jüngst im Kongress ein.

Andere sind der Auffassung, politische Äußerungen sollten eine möglichst große Reichweite haben - auch, wenn sie irreführend oder falsch sind. So fürchten die Republikaner in den USA, konservative Sichtweisen könnten benachteiligt werden, wenn Konzerne darüber entscheiden, welche Nachrichten in sozialen Netzwerken verbreitet werden dürfen.

Hinweis: In einer früheren Version dieses Artikels war in der Überschrift von einem "Fake-Video" die Rede. Technisch gesehen handelt es sich aber nicht um einen gefälschten Inhalt etwa durch Bildmanipulation, sondern um ein irreführend zusammengeschnittenes Video. Wir haben das entsprechend korrigiert.

jme