Experiment mit Präsidenten-Tweets Wer twittert wie Donald Trump, wird gesperrt

Ein Amerikaner wollte wissen, was passiert, wenn man sich auf Twitter verhält wie der US-Präsident. Dafür kopierte er die Texte von Trump und verbreitete sie von seinem eigenen Account. Die Reaktion kam prompt.
Donald Trump auf Twitter: Achtung, Gewaltverherrlichung

Donald Trump auf Twitter: Achtung, Gewaltverherrlichung

Foto: Valentin Wolf/ imagebroker/ imago images

Verletzt Donald Trump die Richtlinien von Twitter? Und müsste er dafür nicht gesperrt werden? Diesen Fragen geht der Twitteraccount @SuspendThePres  nach. Das Profil ist so was wie eine Kopie von Donald Trumps Account : Seit dem 30. Mai postet @SuspendThePres dieselben Tweets wie der Präsident - und wurde nach nicht einmal drei Tagen erstmals gesperrt.

"Es ging mir nicht unbedingt darum, etwas zu beweisen, sondern einfach nur zu sehen, was passieren würde", schreibt der Betreiber des Accounts auf Anfrage des SPIEGEL: "Ich wollte niemandem eine Antwort geben, sondern nur die Frage stellen." Über sich selbst will der Administrator, der persönlich unter @BizarreLazar  twittert, nicht viel verraten, nur dass er US-Bürger ist. Das Experiment soll im Vordergrund stehen.

Gleich der erste kopierte Tweet machte Ärger. Wie Trump hatte @SuspendThePres in Verbindung mit den Black-Lives-Matter-Protesten von "Schlägertypen" getwittert, die das Andenken des verstorbenen George Floyds entehrten. Dazu hieß es: "When the looting starts, the shooting starts." ("Wenn das Plündern beginnt, beginnt das Schießen). Dabei handelt es sich um ein historisch behaftetes Zitat. 1967 hatte der damalige Polizeichef von Miami mit dem Satz ein hartes Vorgehen gegen die schwarze Bevölkerung angekündigt.

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Doch während der Tweet auf Trumps offiziellem Profil nur mit einem Warnhinweis wegen Gewaltverherrlichung versehen wurde, wurde der Account @SuspendThePres für denselben Tweet gesperrt. Twitter argumentierte, weil der Tweet von Trump stamme, sei er im öffentlichen Interesse und bleibe deswegen auf seinem Profil verfügbar. @SuspendThePres musste ihn löschen, nach zwölf Stunden wurde der Account wieder freigeschaltet.

Twitters Doppelmoral

Das Experiment habe bereits einige Erkenntnisse gebracht, schreibt @SuspendThePres dem SPIEGEL: "Vor allem, dass Twitter in der Tat der Meinung ist, dass die Sprache des Präsidenten in diesem Fall gegen die Richtlinien verstößt, und dass es eine sehr reale Doppelmoral in Bezug auf akzeptables Verhalten zwischen normalen Nutzern und Anführern der Welt gibt."

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Auf Nachfrage will sich @SuspendThePres nicht festlegen, wie er das Verhalten von Twitter bewertet. "Twitter und die sozialen Medien im Allgemeinen sind in eine beispiellose Lage versetzt worden. Es ist ein wirklich schwer zu navigierender Raum", schreibt der Betreiber. Alle täten das, "was sie für ihre Nutzer, ihre Plattform und ihr Geschäft für das Beste halten."

Snapchat bewirbt Trumps Tweets nicht mehr. Twitter versieht die Posts mit Warnhinweisen oder Faktenchecks. Facebook dagegen sträubt sich, gegen Trumps Posts vorzugehen. "Abgesehen davon glaube ich, dass sie alle noch einen langen Weg vor sich haben und auf diesem Weg einige sehr schwierige Entscheidungen treffen müssen", so @SuspendThePres.

Der konkrete Anlass für das Experiment ist Trumps Social-Media-Dekret, das den Haftungsschutz von Konzernen wie Twitter und Facebook aufweichen soll. Damit könnten Social-Media-Konzerne durch Behörden stärker reguliert werden. Experten bezweifeln jedoch, dass die Verfügung rechtlich stichhaltig ist und tatsächliche Konsequenzen haben wird.

Die zweite Sperre könnte bevorstehen

Trotzdem will @SuspendThePres das Experiment weiterführen, auch mit zukünftigen Regierungen sowie anderen Staats- und Regierungschefs. "Wir als freie Gesellschaft sollten tun, was wir können, um sie und ihre Plattformen zur Rechenschaft zu ziehen. Das ist meine Art, einen kleinen Teil dieser Verantwortung zu übernehmen." Sollte das Experiment aber zu viel Zeit in Anspruch nehmen, könnte am Ende auch ein Fazit gezogen werden.

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Vorerst aber geht es weiter. Gerade erst hat Trump eine Verschwörungstheorie getwittert, nach der ein von Polizisten verletzter 75-jähriger Demonstrant in Buffalo ein "Antifa-Provokateur" gewesen sein soll. Der Betreiber von @SuspendThePres rechnet nun mit seiner zweiten Sperre.

ptz
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