Klarnamen-Pflicht Drag-Queens sagen Facebook den Kampf an

Facebook-User müssen sich mit ihren Realnamen bei dem sozialen Netzwerk registrieren. Hunderte Profile von Drag-Queens wurden deshalb gelöscht. Das wollen sich die Travestiekünstler nicht gefallen lassen.

Drag-Queens gegen Facebook: Sister Roma nach dem Treffen mit Facebook-Vertretern
AP/dpa

Drag-Queens gegen Facebook: Sister Roma nach dem Treffen mit Facebook-Vertretern


San Francisco - Ihre Fans kennen sie als "Pollo Del Mar", "Heklina" oder "Bunny Pistol". Doch unter diesen Namen sollen sie bald nicht mehr zu finden sein, zumindest nicht auf Facebook. Das soziale Netzwerk hat Hunderte Profile von Drag-Queens gelöscht, weil diese nur ihre Künstler- und nicht ihre Klarnamen angegeben haben. Aber so einfach wollen sich die Travestiekünstler nicht geschlagen geben, berichtet die Nachrichtenagentur AP.

Nachdem Datenschützer aus Schleswig-Holstein im vergangenen Jahr mit einem Verfahren gegen die Klarnamenpflicht bei Facebook gescheitert waren, startet nun eine Gruppe von Drag-Queens aus San Francisco eine neue Kampagne gegen die umstrittene Vorschrift.

"Selbst Katzen haben eigene Accounts"

An der Spitze der Bewegung steht Michael Williams, in der Szene bekannt als Sister Roma. "Es geht hier um mehr als ein paar zickige Drag-Queens", sagte sie "Ars Technica". Manche hätten zum Beispiel Angst, an ihrem Arbeitsplatz diskriminiert zu werden oder fürchteten um ihre Sicherheit. Es gebe "eine Million Menschen mit einer Million Gründen, warum sie lieber falsche Namen benutzen", so Williams. "Selbst Katzen haben auf Facebook eigene Accounts."

Zusammen mit sechs anderen Vertretern der Aids-Aktivisten-Vereinigung "Schwestern der Perpetuellen Indulgenz" (etwa: ewige Lebensfreude oder andauernde Ausschweifung) und dem Rechtsanwalt David Campos traf sie am Mittwoch Vertreter des sozialen Netzwerks. Das Ergebnis: Die gelöschten Facebookseiten werden wiederhergestellt, allerdings nur vorübergehend.

Zwei Wochen sollen die Drag-Queens nun Zeit haben, um dem Netzwerk ihre Klarnamen zu nennen. Sister Roma und ihre Mitstreiterinnen hoffen aber noch immer auf eine Einigung. "Ich habe verrückte Verwandte, die sollen mich nicht über Facebook kontaktieren", sagte eine Drag-Queen, die sich Heklina nennt.

Die Klarnamen-Vorschrift sei "falsch und irreführend", sagte Rechtsanwalt Campos. Man wolle sich nun um ein zweites Treffen mit Facebook bemühen. Sollte auch das keine Ergebnisse bringen, wollen die Drag-Queens einen Boykott des Netzwerks starten.

vet/AP



insgesamt 30 Beiträge
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Seite 1
veremont 18.09.2014
1. Klarnamenzwang
Hä, was? Ich bin geschockt! Wer um Himmels Willen gibt denn bei Facebook seinen Klarnamen an?
interessierterleser1965 18.09.2014
2. Worin liegt der Sinn?
Die Klarnamenpflicht dient allein dem Interesse von facebook, Daten zu sammeln bzw. diese Diensten wie der NSA und CIA zugänglich zu machen. Warum machen wir das mit und hebeln dies nicht wenigstens für Europa aus? Beim Recht auf Vergessen hat das auch geklappt, also warum nicht hier?
Phoenix2006 18.09.2014
3. Klarnamen-Pflicht: Drag-Queens sagen Facebook den Kampf an
Anmerkung: George Orwell hat in seinem Roman 1984 geschrieben 1948 vor einem totalitären Staat gewarnt. Herr Orwell hat konnte sich damals natuerlich nicht vorstellen das Facebook u. Google und der staatliche Dienststellen so eng zusammenarbeiten. Wieso sind Sie verwundert das Ihre verffassungsmäßigen Rechte stark eingeschränkt werden? Es werden Grundrechte, die die Verfassung garantiert verletzt. Worüber wundern Sie sich
Jacky Thrilla 18.09.2014
4. Adieu
Ich werde FB Adieu sagen. In der heutigen Zeit muss man einfach aufpassen, wem man seine Daten anvertraut.
mipez 18.09.2014
5.
Klarnamenpflicht? Wird von jedem 3. Nutzer zu recht ignoriert.
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