Nach Gerichtsurteil Telekom verzichtet auf Mogel-Flatrate

Wo Flatrate draufsteht, soll keine Datenbremse drin sein. Die Telekom will sich einem Urteil fügen und Kunden deutlich vor Augen führen, wenn es Einschränkungen beim freien Surfen gibt. Ganz verabschiedet sich der Konzern von seinen Drossel-Plänen aber nicht.
Internetanschluss (Symbolbild): Volumentarife statt Pseudo-Flatrates

Internetanschluss (Symbolbild): Volumentarife statt Pseudo-Flatrates

Foto: Rolf Vennenbernd/ dpa

Berlin - Die Telekom rückt von ihren Plänen ab, Festnetz-Internettarife mit dem Wort Flatrate im Namen künftig nach Verbrauch eines bestimmten Datenvolumens zu drosseln. Das kündigte der Konzern heute in einem Blogpost  an. Unter dem Titel "Mehr Transparenz für unsere Kunden" beschreibt das Unternehmen, wie es mit dem Thema in Zukunft umgehen will.

Demnach soll es die angekündigte Volumeneinschränkung für Festnetz-Verträge nun doch nicht geben. Ursprünglich hatte das Unternehmen geplant, die Geschwindigkeit von DSL-Anschlüssen mit einem Flatrate-Tarif ab 2016 nach einem verbrauchten Datenvolumen von 75 Gigabyte zu drosseln. Ein entsprechender Zusatz findet sich in den Vertragsbedingungen der entsprechenden Tarife.

Nun heißt es seitens der Telekom: "Die entsprechende Volumen-Klausel in den Tarifen wird nicht angewendet." Von der Änderung betroffene Kunden müssen nicht selbst aktiv werden, verspricht die Telekom. Vielmehr werde man die viel kritisierte Klausel ab dem 5. Dezember aus allen Festnetztarifen streichen und dies "den Kunden auch schriftlich geben".

Der Grund dafür ist ein Urteil des Landgerichts Köln. Das Gericht hatte einer Klage der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen stattgegeben und der Telekom eine Geschwindigkeitsreduzierung bei Festnetztarifen, die als Flatrate bezeichnet werden, untersagt. Mit dem Begriff Flatrate verbinde der Kunde bei Internetzugängen über das Festnetz einen Festpreis für eine bestimmte Surfgeschwindigkeit und rechne nicht mit Einschränkungen.

Billigere Volumentarife sollen Pseudo-Flatrates ersetzen

Nach der Urteilsverkündung hatte ein Telekom-Sprecher zunächst gesagt, es sei wahrscheinlich, dass der Konzern Berufung einlege. In dem Blogpost vom Montag heißt es nun, man werde das Urteil in einem ersten Schritt akzeptieren. "Zugegeben, wir hätten uns ein anderes Urteil gewünscht", heißt es im Telekom-Blog. Neben Flatrates soll es künftig auch Volumentarife geben, die günstiger sein sollen als die nicht beschränkten Tarife.

Wann die Einführung dieser Tarife geplant ist und wie sich dann die Preisstrukturen verändern werden, ob also beispielsweise Flatrates teurer werden, hat die Telekom bisher nicht erläutert. Allerdings sagte Telekom-Deutschlandchef Niek Jan van Damme der dpa, dass er nicht in den nächsten zwölf Monaten damit rechnet.

Eine Frage der Sprachregelung

So neu und überraschend, wie es die Telekom darstellt, sind die Ankündigungen vom Montag allerdings nicht. Zum einen ändert der Konzern seine Sprachregelung bezüglich der Bezeichnung, was eine Flatrate ist und was nicht, nicht freiwillig, sondern auf Anordnung eines Gerichts.

Konzernchef René Obermann hatte bereits im September klargestellt, dass es unabhängig von den Drosselplänen auch weiterhin "echte" Flatrates geben solle. Angaben über Preise machte aber auch Obermann nicht.

Die Pläne der Telekom, Festnetzanschlüsse nach Verbrauch eines vorbestimmten Datenvolumens auszubremsen, hatten für heftige Reaktionen gesorgt. Spöttisch wurde der Konzern als Drosselkom bezeichnet und von Verbraucherschützern abgemahnt. Eine Online-Petition gegen die Drosselpläne wurde binnen vier Tagen von mehr als 50.000 Unterstützern unterzeichnet.

Anmerkung der Redaktion: In der ursprünglichen Fassung dieses Textes hieß es, die Telekom behalte sich vor, doch noch Berufung gegen das Kölner Urteil einzulegen. Wie uns das Unternehmen mitteilte, ist dem nicht so. Man akzeptiere das Urteil und werde keine Berufung einlegen.

mak
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