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24. Mai 2012, 09:01 Uhr

Abmahnungen

"FAZ" und "SZ" wehren sich gegen Netz-Pressespiegel

Wieder wurde ein Web-Dienst abgemahnt, der Überschriften und Artikelanrisse der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" und der "Süddeutschen Zeitung" sammelt. Der Betreiber der kostenpflichtigen Suchmaschine Echobot will sich notfalls vor Gericht dagegen wehren.

Hamburg - Darf ein Anbieter die Websites der "Süddeutschen Zeitung" ("SZ") und der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" ("FAZ") durchsuchen und seinen Kunden Überschrift und Artikelanriss präsentieren, wenn sie in einem Artikel genannt werden?

Die Suchmaschine Google macht genau das - und die kleine Firma Echobot aus Karlsruhe. Während der werbefinanzierte Dienst Google mit seiner Suchmaschine und seinen automatischen E-Mail-Alarmmeldungen unbehelligt bleibt, gehen die beiden Zeitungsverlage juristisch gegen das kostenpflichtige Angebot von Echobot vor: Die Betreiber des automatischen Internet-Monitoringdienstes wurden abgemahnt.

"FAZ" und "SZ" argumentieren, dass schon für die Übernahme von Überschriften und Artikelauszügen eine Erlaubnis des jeweiligen Verlags notwendig sei. Außerdem stören sie sich daran, dass Echobot die Artikel für seine Nutzer zugänglich macht - mit einem Klick wird die Original-Website auf der Echobot-Seite eingebettet, so ähnlich wie ein YouTube-Video.

Was Google allerdings nicht macht: Zahlende Echobot-Kunden bekommen eine Funktion angeboten, mit der sich nur der komplette Text der verlinkten Seite anzeigen oder als PDF-Datei herunterladen lässt - so kommen die Kunden an Volltexte, ohne selbst von den Websites Screenshots machen zu müssen. Echobot-Geschäftsführer Bastian Karweg verteidigt das: "Die Volltext-Funktion wird nicht von uns, sondern komplett von einem US-Anbieter bereitgestellt. Auf diesen verlinken wir, aber auch nur dann, wenn der Kunde sich zuvor auch den eigentlichen Artikel angeschaut hat." Eine Umgehung der Websites erfolge deshalb gar nicht.

Zusätzlicher Ärger wegen 256 Pixeln

Den beiden Zeitungsverlagen geht es aber nicht nur um die fragwürdige Volltext-Funktion. Dieselbe Kanzlei, die nun gegen Echobot vorgeht, hat bereits im Auftrag beider Verlage durchgesetzt, dass ein anderer Web-Dienst auf Überschriften und Artikelanrisse verzichtet. Die Seite Commentarist sammelt, für die Nutzer kostenlos, Links auf Kommentare von Nachrichtenseiten - und hatte auch "FAZ" und "SZ" verlinkt. Dagegen gingen die Verlage vor.

Commentarist verzichtet seitdem auf das Durchsuchen von "FAZ" und "SZ". Für die Firma Echobot kommt das nicht in Frage. Man werde sich gegen die Abmahnungen wehren, sagt Geschäftsführer Karweg. "Echobot ist eine Online-Software mit den Funktionen einer Suchmaschine, wir machen unsere Kunden also sogar in den meisten Fällen überhaupt erst auf bestimmte Artikel aufmerksam." Während Echobot rund 50.000 Artikel der "SZ" indiziert habe, seien es bei Google 2,3 Millionen.

Ein Sprecher der "FAZ" erklärte, man störe sich vor allem daran, dass Echobot die Artikel der Zeitung in einer Datenbank gespeichert habe. Dies sei rechtswidrig.

Wie schon im Fall Commentarist moniert die Kanzlei auch bei Echobot die rechtswidrige Verwendung der Logos der beiden Zeitungen. Bei Echobot werden neben dem Link auf die Quelle die sogenannten Favicons angezeigt, die 16x16 Pixel kleinen Seitenlogos, die im Browser neben der Adresse der Website stehen und zum Beispiel beim Erstellen von Bookmarks von den Browsern mit abgespeichert werden.

Das Landgericht München hat einer einstweiligen Verfügung der "SZ" stattgegeben und verfügt, dass sechs in der Abmahnung angeführte Texte aus dem Echobot-Angebot entfernt werden müssen. Echobot hat gegen diesen Beschluss Widerspruch eingelegt. Karweg: "Wir hoffen nach wie vor auf eine Einigung, bevor es zu einer Klage kommt, werden die Sache aber notfalls gerichtlich ausfechten. Hier geht es auch um unser Geschäftsmodell."

ore

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