Überwachung durch Datenkonzerne Edward Snowden sagt Facebook und Google den Kampf an

Smartphone-Nutzer müssten erfahren, "wie sehr wir auf Schritt und Tritt verfolgt werden", sagte der Whistleblower Edward Snowden dem SPIEGEL. Im Zweifel wolle er sich selbst um Alternativen kümmern.

Whistleblower Edward Snowden
Yuriy Chichkov/ DER SPIEGEL

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Der Whistleblower Edward Snowden hat davor gewarnt, den Aufstieg von Politikern wie Donald Trump, Boris Johnson oder der AfD in Deutschland nur als vorübergehende Abweichung von der politischen Norm zu betrachten.

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Heft 38/2019
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"Überall haben Politiker und Unternehmer verstanden, dass sie Technologien nutzen können, um die Welt auf einem neuen Level beeinflussen zu können", sagte der 36-Jährige in einem Gespräch mit dem SPIEGEL in Moskau. "Trump ist nicht das Problem. Er ist ein Produkt des Problems." (Lesen Sie hier das komplette Interview).

Er bereue, dass er "Teil eines Systems werden konnte, das meine Fähigkeiten nutzt, um globalen Schaden zu verursachen", sagte Snowden, dessen biografisches Buch "Permanent Record" am 17. September weltweit veröffentlicht wird. Heute führe er in seinem russischen Exil ein weitgehend normales Leben, sagte Snowden, er halte jedoch absichtlich einen gewissen Abstand zur russischen Gesellschaft: "Ich mache keine Selfies vor dem Kreml, weil die US-Regierung das nutzen würde, um meine Arbeit zu diskreditieren."

Russland habe "ziemlich sicher" Wahlen manipuliert, sagte Snowden in dem Gespräch. Dasselbe gelte jedoch auch für die USA. "Jedes Land, das größer ist als Island, wird versuchen, in entscheidende Wahlen einzugreifen, und alle werden das immer leugnen, weil Geheimdienste das so machen", sagte Snowden.

"Wir müssen die massenhafte Datensammlung stoppen", forderte der Ex-Spion, der heute Präsident der Stiftung Freedom of the Press ist. Das gelte aber nicht nur für Geheimdienste, sondern auch für Daten-Konzerne wie Facebook und Google. In einem ersten Schritt gelte es, etwa für jeden Smartphone-Nutzer "sichtbar zu machen, wie sehr wir auf Schritt und Tritt verfolgt werden", erläuterte Snowden in dem SPIEGEL-Gespräch. Die Nutzer müssten selbst entscheiden können, welche Funktionen des Smartphones aktiv sind. "Und wenn niemand sonst eine Alternative entwickelt, dann werde ich das verdammt noch mal selbst tun."

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muontec 13.09.2019
1. solange wir tun was wir tun...
wird sich daran nichts ändern. die einzige Möglichkeit sehe ich in einer Art von Datapoisining um zumindest Sand ins Getriebe zu streuen. Und wir sind auch selbst schuld. Wir wollten schließlich nie was für das bezahlen was aus dem Netz kommt. dann holt man sich halt was man braucht von dort wo es liegt.
aequitas12 13.09.2019
2. Der Bug im System Kapitalismus
Monopole! Der Kapitalismus tendiert dazu, Monopole zu schaffen, die sich eigentlich immer negativ auf die Verbraucher auswirken. So auch hier. Google, Facebook, Amazon usw. müssten eigentlich zerschlagen werden. Aber da sie eine so Marktbeherrschende Stellung haben, können sie selbst Europäisches Datenschutzrecht folgenlos missachten. Bis es aber zu Zerschlagungen kommt, kann ich jedem nur dazu raten, auf Alternativen zu setzen. Firefox oder Opera statt Chrome, Qwant oder Duckduckgo statt Google, Weltbild oder Osiander statt Amazon, Signal oder Telegram statt WhatsApp usw. Schwerer wird es vor allem bei Smartphone Betriebssystemen, Sozialen Netzwerken wie Instagram oder Youtube und in Zukunft Dingen wie Selbstfahrenden Autos. Eine wenig ausgereifte Idee: Mit Steuermitteln europäische Alternativen gezielt fördern und Facebook, Google und co. gesetzlich dazu zwingen, Kommunikation mit anderen Diensten zu erlauben (Ähnlich wie bei den unterschiedlichen Netzdiensten, D1, O2, Vodafone usw.) Außerdem brauchen wir meiner Meinung nach eine stärkere Open Source Kultur.
DougStamper 13.09.2019
3. Ich verstehe es nicht.
Warum gewährt man Snowden kein Asyl in Deutschland. Der Mann könnte, abseits von der guten Tat, hier einen Tech-Konzern aufbauen der die großen zumindest ärgern könnte. Geld, Arbeitsplätze und know how für lau. Was will die USA tun? Einmarschieren? Ihn eliminieren? Es spricht Faktisch nichts dagegen, das Verhältnis zur USA ist momentan eh Mist.
fubs 13.09.2019
4. Snowden ist
Snowden ist ein perfektes Beispiel für die rücksichtslose Rückradlosigkeit der Westlichen Wertegemeinschaft™, die Werte regelmäßig mit Füßen tritt. Es gibt natürlich eine Menge andere Beispiele, z.B. das Zweiklassenjustizsystem. Man nehme z.B. Bush's/Blair's Irak Krieg, Guantanamo inkl. Kooperation von Europäischen Staaten bei der Verschleppung von Menschen, allerlei Wirtschafts- und Finanzskandale etc. etc., bei denen es gar nicht oder nur marginal zu Konsequenzen kam. Oder das Ausschließen von Gewählten EU Parlamentariern im Falle von Spanien, was auch hier im Spiegel praktisch kaum Widerspruch erfuhr, obschon es noch krasser ablief, als das Ausschließen von Kandidaten in Moskau.
mwroer 13.09.2019
5.
Zitat von muontecwird sich daran nichts ändern. die einzige Möglichkeit sehe ich in einer Art von Datapoisining um zumindest Sand ins Getriebe zu streuen. Und wir sind auch selbst schuld. Wir wollten schließlich nie was für das bezahlen was aus dem Netz kommt. dann holt man sich halt was man braucht von dort wo es liegt.
Eben das ist der Knackpunkt: 'Wir' geben die Daten doch freiwillig für ein bisschen Komfort ab und reden uns ein dass alles was wir nutzen 'unbedingt notwendig' ist. Da kann Herr Snowden so viele Alternativen entwickeln wie er will - die Leute werden es nicht benutzen weil damit sogenannte Komfortfunktionen wegfallen und an die hat man sich gewöhnt. Man kann viel abschalten, auch auf heutigen Systemen, sogar das ganze Telefon. Man kann es zuhause lassen und - oh Wunder - man lebt weiter. Nicht wesentlich unkomfortabler übrigens. Solange 'wir' Bequemlichkeit und geistige Faulheit zur Notwendigkeit erklären wird sich in der Tat nichts ändern - aber das ist ein Phänomen das sich in alle Bereiche ausbreitet. Kann man schön bei Diskussionen über Umweltschutz hier im Forum beobachten übrigens. Kernaussage ist oft genug: Es ist mir zu mühselig da selber drüber nachzudenken und wenn ich es kann mache ich es doch lieber wie es bequem ist - verbieten ist besser. Die Menschen fordern mittlerweile ihre eigene Entmündigung im Kleinen und wundern sich dann dass sie auch im großen passiert. Der Wahl-O-Mat ist so ein Beispiel das man, als Utopie (!), weiterspinnen kann: Die Partei mit der man die größte Übereinstimmung zeigt kriegt automatisch die Stimme. Bei Ergebnissen mit Differenzen um 2% wird die Stimme zufällig. Prima Sache oder? Nicht mal mehr darüber braucht man noch groß nachzudenken. Wenn das Ding nicht so umständlich wäre und eigentlich, ach ja, eigentlich reichen doch 4 Fragen und 5 Parteien als Vorauswahl. Man muss ja nicht alles immer so kompliziert machen ...
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