Enthüllungsplattform WikiLeaks kündigt neues Einreichungssystem an

Wird WikiLeaks wieder handlungsfähig? Erst vor kurzem hatte die Plattform angekündigt, man könne in nächster Zeit keine Geheimdokumente mehr entgegennehmen. Nun soll ein neues Einreichungssystem doch sehr bald fertiggestellt werden.

WikiLeaks-Gründer Assange: Neues Einreichungssystem kurz vor dem Start
DPA

WikiLeaks-Gründer Assange: Neues Einreichungssystem kurz vor dem Start


Die Informantenplattform WikiLeaks hat für Donnerstag, den 1. Dezember, eine Pressekonferenz angekündigt, auf der wichtige Neuigkeiten verbreitet werden sollen. Dabei soll es vor allem um das Thema Informantenschutz gehen. WikiLeaks soll ein neues System zu Gewährleistung der Anonymität von Informanten bekommen. Offensichtlich rücken die Macher von der bislang verwendeten SSL-Verschlüsselung ab. "Das gesamte SSL-System, dessen Mechanismus online Sicherheit und Anonymität garantiert, wurde kompromittiert. SSL ist irreparabel beschädigt", heißt es weiter. SSL soll verschlüsselte Verbindungen zwischen Websites und ihren Nutzern gewährleisten. In der jüngeren Vergangenheit gab es jedoch diverse Vorfälle, die das auf Sicherheitszertifikaten basierende System in Frage stellen.

Um wieder den erforderlichen Schutz zu bieten, wird ein neues "submission system" installiert, also ein neues System zum Einreichen von Dokumenten. Es soll auf dem aktuellen Stand der Technik sein, der neue Netzbriefkasten sei "wesentlich weiter entwickelt als sein Vorgänger". Der sich verschlechternde Zustand der Internetsicherheit gefährde die Möglichkeiten für Quellen, auf sicherem Wege mit Journalisten oder Menschenrechtsaktivisten in Kontakt zu treten. Daher habe sich WikiLeaks im Interesse des Quellenschutzes entschieden, den Start des neuen Systems zu verschieben, der ursprünglich für den 28. November vorgesehen gewesen sei.

Erst im Oktober hatte WikiLeaks-Gründer Julian Assange bei einer Pressekonferenz verkündet, WikiLeaks werde vorerst keine Einreichungen mehr annehmen, sondern sich zunächst mit den eigenen Geldsorgen beschäftigen.

Während Assange immer noch bei der britischen Justiz seine Auslieferung nach Schweden zu verhindern sucht, wo ihm ein Verfahren wegen sexueller Nötigung droht, kassiert WikiLeaks andernorts Ehrungen. In Australien hat jetzt ein Gremium aus Journalisten und Fotografen der Enthüllungsplattform den Walkley-Preis für Journalismus verliehen. WikiLeaks habe sich um "Meinungsfreiheit und Transparenz" verdient gemacht.

Die Jury fand besonders den Einsatz der Plattformmacher für "Gerechtigkeit durch Transparenz" preiswürdig, dies sei eine der wichtigsten Traditionen des Journalismus. WikiLeaks wurde für den "besten Beitrag zum Journalismus" ausgezeichnet.

meu/AFP



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