Stille SMS Deutsche Ermittler nutzen immer häufiger verdeckte Handy-Ortung

Die Betroffenen merken nichts: Mehr als eine Viertelmillion Mal haben deutsche Bundesbehörden im ersten Halbjahr Handys mit stillen SMS geortet. Die Zahl der Abfragen könnte sich im Vergleich zum Vorjahr nahezu verdoppeln.
Bundeskriminalamt in Wiesbaden: Ermittler nutzen verdeckte Ortungstechnik

Bundeskriminalamt in Wiesbaden: Ermittler nutzen verdeckte Ortungstechnik

Foto: BKA/ picture alliance / dpa

Hamburg - In der ersten Hälfte dieses Jahres haben Bundespolizei, Bundeskriminalamt, Zoll und das Bundesamt für Verfassungsschutz bereits 264.648 Handy-Ortungen mit Hilfe sogenannter stiller SMS durchgeführt. Im gesamten Jahr 2012 waren es 328.572. Das geht aus einer Anfrage des Linken-Abgeordneten Andrej Hunko an die Bundesregierung hervor. Hält der Trend an, könnte sich die Zahl der Ortungsabfragen dieses Jahr nahezu verdoppeln.

Wie oft der Bundesnachrichtendienst stille SMS zur Ortung von Mobiltelefonen verschickt hat, soll die Öffentlichkeit nicht erfahren: Diese Angaben sind als Verschlusssache eingestuft. Der Geheimdienst der Bundeswehr verschickte laut der Antwort nur eine stille SMS im vergangenen Jahr.

Hunko sieht die Zunahme der Überwachung kritisch: "Berichte über die zunehmende Überwachung digitaler Verkehre untergraben das Vertrauen in die Freiheit des Internet und der Telekommunikation", so der Bundestagsabgeordnete. Die neuen, von WikiLeaks veröffentlichten Dokumente würden ebenso belegen: "Alle Formen der Telekommunikationsüberwachung steigen an."

Versand "stiller SMS"

Jahr BfV BKA BPOL Zoll
2012 (gesamt) 28.843 37.352 63.354 199.023
2013 (1. Halbjahr) 28.472 31.948 65.449 138.779

Beim Versand einer stillen SMS merkt der Betroffene in der Regel nicht, dass er angeschrieben wird. Bei der Nachricht handelt es sich um bloße Steuerbefehle, das Telefon antwortet ebenso unbemerkt dem Provider. Dieser kann dann anhand dieser Daten den Aufenthaltsort des Telefons an die Behörden weitergeben. Um die Bewegungen einer Person zu aufzuzeichnen, können beispielsweise mehrere dieser SMS hintereinander verschickt werden.

Neben den Bundesbehörden verschicken auch die Polizeibehörden in den Ländern stille SMS. In Nordrhein-Westfalen beispielsweise waren das im Jahr 2010 schon rund 250.000, wie eine Anfrage der Linken im Landtag enthüllte.

ore
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.