Kabel angenagt Online-Bürgerdienste in Estland teils von Ratten lahmgelegt

Gegen Angriffe aus dem Internet glaubt man sich in Estland gewappnet. Nicht gerechnet haben die Behörden mit einer konkreten analogen Gefahr.

Ratte: Gefahr für die digitale Infrastruktur (Archivbild)
Arno Burgi/ DPA

Ratte: Gefahr für die digitale Infrastruktur (Archivbild)


In Europa gilt Estland als einer der Vorreiter der digitalen Verwaltung - und hat seine Computersysteme umfangreich gegen Angriffe aus dem Internet geschützt. Doch auch aus dem Tierreich lauern Gefahren: Weil Ratten ein Erdkabel zwischen zwei staatlichen Datenzentren in der Hauptstadt Tallinn angenagt hatten, waren mehrere Online-Bürgerdienste in dem baltischen EU-Land vorübergehend nicht verfügbar.

Betroffen waren unter anderem das Verschreibungssystem für digitale Rezepte und die Website der Lotteriegesellschaft "Eesti Loto", wie das staatliche Amt für Informationsdienste mitteilte. Die mehrere Stunden andauernde Störung sei inzwischen behoben.

"Es war ein Glasfaser-Datenkabel, das in der Telekommunikation weit verbreitet ist. Nagetiere haben es an mehreren Stellen beschädigt, und wir mussten Dutzende Meter Kabel austauschen, um das Problem zu beheben", sagte Behördenmitarbeiter Kaido Plovits am Donnerstag dem estnischen Rundfunk. Während der Störung am Mittwoch sei ein Teil des Datenaustauschs automatisch auf eine andere Hauptleitung verschoben worden, der Rest wurde manuell umgestellt. "Das gesamte staatliche Netzwerk ist nicht zusammengebrochen, nur ein kleiner Teil davon, dessen Sicherung noch nicht automatisiert wurde", betonte Plovits.

In Estland, das sich selbst gerne "E-Estonia" nennt, können die rund 1,3 Millionen Bürger im Alltag fast alle Behördengänge mit ein paar Mausklicks online erledigen. Der Baltenstaat hat bereits viele Bürgerdienste und öffentliche Angebote ins Internet verlagert. Seit 2005 können die Esten auch online wählen. Einer Statistik der EU-Kommission zufolge sind in Estland bereits 78,1 Prozent der Verwaltung digitalisiert. Deutschland liegt unter dem Schnitt der EU-Staaten - bei 50,2 Prozent.

oka/dpa



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