Europäisches IT-Großprojekt Austausch von Polizeidaten verzögert sich

Bis 2023 sollten IT-Systeme mit Fingerabdrücken, Fahndungen und weiteren Daten europaweit vernetzt werden. Das Bundesinnenministerium hält das nach SPIEGEL-Informationen für kaum machbar.

Bundesinnenministerium (Archiv)
DPA

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Einem der wichtigsten IT-Projekte der EU droht ein Debakel: Es geht um die europaweite Vernetzung mehrerer Datenbanken von Polizei und Justiz, in denen Fingerabdrücke von Migranten, Visadaten oder Fahndungsersuche gespeichert sind. In einem neu zu schaffenden Register sollen zudem die Mitgliedstaaten alle Ein- und Ausreisen von Nicht-EU-Bürgern erfassen.

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Heft 41/2019
Vor 500 Jahren: Wie ein spanischer Abenteurer die geheimnisvolle Großmacht vernichtete

In einem Schreiben an den Bundestag bezweifelt das Bundesinnenministerium, dass das Vorhaben wie ursprünglich geplant bis 2023 durchgeführt ist. "Eine vollständige Umsetzung aller Vorhaben im EU-Zeitplan ist derzeit nicht belastbar vorherzusehen", warnt nun das Ministerium. "Es bestehen Ressourcenengpässe und Überlastung der befassten Behörden" - auch weil es schwierig sei, das nötige Fachpersonal zu gewinnen.

Die Innen- und Justizminister der Europäischen Union wollen sich Anfang kommender Woche bei einem Treffen in Luxemburg mit den Problemen des 500 Millionen Euro teuren Projekts beschäftigen. Mehrere Kriminalfälle, wie der Mord an einer Studentin in Freiburg 2016 oder der Terroranschlag auf einem Berliner Weihnachtsmarkt, hatten Mängel beim Datenaustausch innerhalb der EU offenbart.

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insgesamt 4 Beiträge
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draco2007 04.10.2019
1.
Man spart halt wieder am falschen Ende. Datenspezialisten sind nunmal teuer und wenn es um solche "Datenfusions"-Projekte geht brauchen sie jede Menge Spezialisten und die gibts nicht für Beamtengehälter. Und wenn man es nach Extern vergibt und nur auf den Preis schaut, zahlt man am Ende eben drauf.
hubertus_hassmeister 04.10.2019
2. Ach, was!
Der Hauptgrund für eine Nicht-Umsetzung wird das Konkurrenz-Gebahren der internationalen Strafverfolgungsbehörden untereinander sein: Die sitzen egoistisch auf ihren Daten & geben ungern etwas ab!
DerDifferenzierteBlick 05.10.2019
3. Viel zu spät!
Eine EU-weite Datenbank mit Fahndungen und Straftätern hätte schon vor Jahrzehnten kommen müssen (wenn möglich bereits zeitgleich mit Schengen und dem Wegfall der Grenzkontrollen, spätestens als es durch das Internet sehr einfach wurde). Selbst, wenn es 2023 (in vier Jahren!!) klappen würde (was man wohl sehr stark bezweifeln muss), wäre das ein absolutes Armutszeugnis!
family1 07.10.2019
4. Das ist ja ne Frechheit ....sowas !!
Wie ?! Wass...?! Das existstiert heute noch gar nicht ??!! Echt jetzt ? In welchem Zeitalter Leben wir denn in dieser Sache ?! Da zahlt mant jahrzehnete lang Steurern und hat nicht mal diese Dienstleistung dafuer ? Das ist ja ne Frechheit !!
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