EU-Kommission Microsoft droht Milliardenstrafe

Eine angebliche Panne könnte Microsoft Milliarden kosten: Der Konzern versäumte es monatelang, Nutzer von Windows vor die Wahl des Internet-Browsers zu stellen. Die EU-Kommission ermittelte, nun liegt die schriftliche Beschwerde vor.

Browser-Wahl in Windows: Angeblich durch eine Panne für Millionen Nutzer nicht angezeigt

Browser-Wahl in Windows: Angeblich durch eine Panne für Millionen Nutzer nicht angezeigt


Brüssel - Die EU-Wettbewerbshüter drohen Microsoft mit einer neuen Milliardenstrafe. Nach vorläufigen Ermittlungsergebnissen habe es der Software-Gigant anderthalb Jahre lang versäumt, das Betriebssystem Windows 7 mit einem Webbrowser-Auswahlfenster anzubieten, teilte Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia am Mittwoch mit. Man habe Microsoft schriftlich die Beschwerdepunkte übersandt.

Damit zündete die EU-Kommission am Mittwoch die nächste Stufe des im Juli eingeleiteten Verfahrens. Die US-Firma kann nun Stellung nehmen. Entkräftet sie die Vorwürfe nicht, kann Almunia eine Geldbuße von bis zu zehn Prozent des Jahresumsatzes verhängen. Für das Ende Juni abgelaufene Geschäftsjahr 2012 gibt Microsoft einen Umsatz von umgerechnet 56,6 Milliarden Euro an.

Der Konzern hatte schon bei der Einleitung des Verfahrens vor drei Monaten das Versäumnis eingeräumt und Wiedergutmachung zugesagt. Doch reicht Almunia die Zusage offenbar längst nicht. Das Unternehmen ist seit 2009 verpflichtet, auf neuen PCs oder in neuen Windows-Paketen eine automatische Browser-Auswahl einzubauen. Das Ziel: Die Firma sollte ihre marktbeherrschende Stellung nicht länger ausnutzen können, um den hauseigenen Internet Explorer gegen Konkurrenten abzuschotten.

"Technischer Fehler"

Seit März 2010 öffnete sich deswegen auf allen neuen Windows-Geräten in der Europäischen Union ein Auswahl-Fenster, auf dem auch Mozilla Firefox, Google Chrome, Apple Safari, Opera und sieben weitere Browser aufgeführt und heruntergeladen werden können. Der Internet Explorer wurde nicht mehr automatisch installiert.

Im Februar 2011 lieferte Microsoft Rechner mit dem Service Pack 1 für Windows 7 aus. Und durch einen "technischen Fehler" sei das Auswahl-Fenster dabei verschwunden, erklärte die Firma im Juli. Die Zahl der betroffenen Computer: 28 Millionen. Schuld sei ein Team von Technikern, die ein notwendiges Update verschlafen hätten. Erst am 1. Juli will Microsoft über die vermeintliche Panne informiert worden sein, dann aber umgehend gehandelt haben. Als Wiedergutmachung will das Unternehmen die automatische Browser-Auswahl 15 Monate länger anbieten als die von Brüssel verordneten fünf Jahre bis 2014.

"Die Kommission wird einen endgültigen Beschluss nur dann fassen, wenn die Beteiligten ihr Recht auf Verteidigung wahrgenommen haben", erklärte Almunia am Mittwoch. Der Konzern hatte bereits im Dezember zugesichert, alle Auflagen korrekt zu erfüllen. "Wenn sich der Verstoß in den Ermittlungen bestätigt, sollte Microsoft mit Sanktionen rechnen", erklärte der Kommissar im Sommer. Ihm sei es "sehr ernst", dass Kommissionsauflagen befolgt würden.

ore/dapd



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