Soziales Netzwerk Facebook-Aufsichtsgremium untersucht Sonderrechte für Prominente

Nach einer Recherche des »Wall Street Journal« standen 5,8 Millionen Accounts auf einer internen Facebook-Liste, für die besondere Regeln galten. Nun schaltet sich die konzerneigene Prüfstelle ein.
Eine junge Frau vor dem Facebook-Logo: Wie das »Wall Street Journal« herausfand, behandelte der Konzern nicht alle Nutzer gleich

Eine junge Frau vor dem Facebook-Logo: Wie das »Wall Street Journal« herausfand, behandelte der Konzern nicht alle Nutzer gleich

Foto: Niall Carson / dpa / PA Wire

Die Vorwürfe wiegen schwer: Facebook soll systematisch prominente Nutzer vor Konsequenzen beschützt haben, wenn sie Falschinformationen, Beschimpfungen oder sogar Nacktbilder von Dritten gepostet haben. Nach einer Serie von Artikeln des »Wall Street Journal« hat sich nun das sogenannte Oversight Board, das formell unabhängige Prüfgremium des Konzerns, eingeschaltet.

Die Mitglieder wollen unter anderem klären, ob sie von Facebook angemessen zu dem Thema informiert wurden. Facebook müsse bei Entscheidungen, ob Inhalte auf der Plattform bleiben oder gelöscht werden, transparenter werden, betonte das Gremium am Dienstag in einem Blogeintrag. 

Die Zeitung hatte nach einer Analyse von internen E-Mails des Social-Media-Konzerns in einer Artikelserie eine ganze Reihe von Vorwürfen veröffentlicht . Dazu gehört das System  mit dem Namen »cross check« oder »XCheck«, das eigentlich eingerichtet worden war, um durch eine Zweitprüfung von Entscheidungen über einzelne Beiträge Fehler zu vermeiden.

Eine Art Freifahrtschein für Prominente

Doch laut den vom »Wall Street Journal« zitierten internen Facebook-Dokumenten wirkte die Liste in vielen Fällen als eine Art Freifahrtschein für Prominente. Diese hätten sich Fehltritte erlauben können, die für gewöhnliche Mitglieder Konsequenzen wie Löschungen oder Sperren gehabt hätten. Facebooks Regeln verbieten unter anderem Beiträge mit Beleidigungen oder Drohungen sowie die Verletzung der Privatsphäre anderer Menschen.

Dem Zeitungsbericht zufolge waren mindestens 5,8 Millionen Facebook-Nutzer auf der Ausnahmeliste. Facebook habe dem Oversight Board auf Anfrage mitgeteilt, dass es nur bei einer geringen Zahl von Entscheidungen zum Einsatz gekommen sei. Das Gremium besteht aus Rechtsexperten, Aktivisten und ehemaligen Politikern und schaltet sich insbesondere bei strittigen Entscheidungen ein.

Neben den Privilegien von Prominenten wirft das »Wall Street Journal« dem Konzern auch weitere Versäumnisse vor. So habe der Konzern die psychischen Folgen von Instagram, insbesondere auf weibliche Teenager, heruntergespielt.

Der Facebook-Vizepräsident Nick Clegg hat den Analysen der Zeitung inzwischen in einem öffentlichen Blog-Beitrag widersprochen: Die Journalisten hätten einzelne Aspekte aus dem Kontext gerissen und dem Facebook-Management falsche Motive unterstellt. Der Konzern investiere in Studien, um die Auswirkungen der Social-Media-Plattformen auf die Menschen zu untersuchen.

dpa/tmk
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