Rassistische Filter Facebook erneut wegen diskriminierender Werbung verklagt

Ein US-Ministerium geht wegen Diskriminierung gegen Facebook vor. Der Vorwurf: Werbetreibende hätten beispielsweise Afroamerikaner oder Juden als Zielgruppe ausschließen können.

Das Symbol der Facebook-App
Silas Stein/ DPA

Das Symbol der Facebook-App


Das Ministerium für Wohnungsbau und Stadtentwicklung in den USA verklagt Facebook wegen Verstößen gegen den "Fair Housing Act". Das soziale Netzwerk habe durch seine Werbeplattform Wohndiskriminierung "gefördert, ermöglicht und verursacht", hieß es am Donnerstag in einer Mitteilung.

"Facebook diskriminiert Menschen aufgrund dessen, wer sie sind und wo sie leben", erklärte Ben Carson, Minister für Wohnungsbau und Stadtentwicklung. "Einen Computer zu benutzen, um die Wohnmöglichkeiten einer Person einzuschränken, kann genauso diskriminierend sein, wie jemandem eine Tür ins Gesicht zu schlagen."

Das Ministerium wirft dem Unternehmen vor, Nutzer unrechtmäßig aufgrund von Rasse, Hautfarbe, nationaler Herkunft, Religion, Familienstand, Geschlecht oder Behinderung zu diskriminieren. Es schränke ein, wer wohnungsbezogene Anzeigen auf den Plattformen von Facebook und im Internet ansehen darf. Der Konzern sammle zu Werbezwecken zudem umfangreiche Daten über die Nutzer.

Das amerikanische Bundesgesetz "Fair Housing Act" verbietet Diskriminierung im Wohnungswesen und damit verbundenen Dienstleistungen wie Onlinewerbung.

Zielgruppe Judenhasser

Die amerikanische Investigativplattform "ProPublica" hatte 2016 aufgedeckt, dass es möglich ist, bei Facebook-Anzeigen die Verbreitung an Gruppen wie etwa Afroamerikaner oder Juden auszuschließen.

Facebook stand auch wegen politischen Microtargetings in der Kritik - der gezielten Ansprache potenzieller Wählergruppen. So konnten Werbetreibende gezielt Gruppen ansprechen, die der Algorithmus der Kategorie "Judenhasser" zugeordnet hatte. Russische Fake-Accounts versuchten, während der US-Präsidentschaftswahlen mit Tausenden Facebook-Anzeigen US-Bürger aufzuhetzen. Ein Teil der Anzeigen war etwa auf Afroamerikaner ausgerichtet.

Bereits im Herbst 2018 hatten Bürgerrechtsorganisationen wie die American Civil Liberties Union (ACLU) wegen diskriminierender Stellenanzeigen bei der Kommission für Chancengleichheit in Beschäftigung und Beruf eine Klage gegen Facebook und weitere Unternehmen eingereicht. Anzeigen für Jobs in männerdominierten Bereichen würden sich nur an jüngere, männliche Facebook-Nutzer richten. Frauen und nicht binäre Personen sowie ältere männliche Nutzer würden ausgeschlossen, so der Vorwurf.

Im Zuge eines rechtlichen Vergleichs mit den Bürgerrechtsorganisationen hatte Facebook am vergangenen Dienstag angekündigt, sein Werbesystem zu überarbeiten, um Diskriminierung bei Wohnungsmarkt-, Kredit- und Stellenanzeigen zu verhindern. Die Verbreitung könne zukünftig nicht mehr nach Alter, Geschlecht und Postleitzahl gefiltert werden.

Bereits im vergangenen Jahr habe der Konzern als Reaktion auf die Beschwerden 5000 Kategorien entfernt, mit denen Werbetreibende detailliert Religionen und bestimmte Bevölkerungsgruppen filtern konnten, berichtet die Tech-Website "The Verge". Mit den eingeschränkten Kategorien könnten Facebook-Anzeigen auch ihren Reiz für manche Werbetreibende verlieren.

sop/mit Material von Reuters/AP



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