Angela Gruber

Hashtag #DeleteFacebook Löschen ist nur ein Anfang

Nach dem Facebook-Datenskandal kursiert auf anderen Netzwerken der Aufruf, Facebook zu löschen. Die Hashtag-Aktion kann die Privatsphäre-Diskussion, die wir dringend führen müssen, aber nicht ersetzen.
Mark Zuckerberg, Gründer von Facebook

Mark Zuckerberg, Gründer von Facebook

Foto: Adnan Abidi/ REUTERS

"Es ist Zeit. #LöschtFacebook". Das schrieb  ein gewisser Brian Acton vor ein paar Stunden auf Twitter und heimste damit bislang rund Zehntausend Likes ein. Der im Original englischsprachige Hashtag mit der Löschaufforderung macht derzeit im Netz die Runde, nachdem ein Datenskandal um Facebook und die britische Analysefirma Cambridge Analytica bekannt geworden ist.

Unter den zahlreichen #DeleteFacebook-Aufrufen bei Twitter erhielt gerade Actons so viel Aufmerksamkeit, weil er WhatsApp mitgegründet hat. Das wiederum ist 2014 von Facebook aufgekauft worden. Acton ist seitdem Milliardär - und nun offenbar zum Facebook-Gegner avanciert.

Empfohlener externer Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Twitter, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
Externer Inhalt

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

"Habe mein Facebook gelöscht", schreibt ein Nutzer auf Instagram

Die mit viel Pathos beladene Hashtag-Aktion hat eine gewisse Ironie. Nutzer wenden sich darin von einem sozialen Netzwerk, nämlich Facebook, ab, um dies auf anderen sozialen Netzwerken, zum Beispiel Twitter, kundzutun.

"Habe mein Facebook gelöscht", schreibt ein Nutzer auf Instagram unter einem Bild vom Facebook-Logo im Mülleimer. Doch Instagram ist eine Facebook-Tochter. Vielleicht erzählt er auch per WhatsApp von seiner Entscheidung - auch dieser Dienst gehört zu Facebook.

Zeigt dieses Beispiel, dass die Löschaktion des Nutzers sinnlos war? Sollten wir lieber chancenlos stillhalten, weil wir sowieso alle von Dutzenden Firmen wie Google oder Amazon ausgespäht werden und unsere Daten uns im Netz einfach nicht mehr gehören?

Druck für Änderungen

Im Gegenteil! Es ist essenziell, dass Nutzer sich empören, zum Beispiel jetzt über Facebook. Wer angesichts des aktuellen Skandals Facebook nicht mehr nutzen möchte, sollte sich bitte flugs abmelden. Jede Bewegung startet klein und kann beim Erreichen einer kritischen Masse gehörig Druck aufbauen. Wenn aus der Hashtag-Aktion eine echte, breit geführte Privatsphäre-Debatte um die großen Tech-Konzerne und ihre Macht erwächst, wäre viel erreicht.

Eine solche Debatte braucht es jetzt, damit die mächtigen Internetkonzerne in Zukunft vielleicht mehr auf die Interessen der Nutzer achten. Entweder, indem sie selbst Zugeständnisse bei ihrem auf Daten basierenden Geschäftsmodell machen - oder, indem staatliche Regulierung sie dazu zwingt.

Boykott ist für viele nicht umsetzbar

Denn die #DeleteFacebook-Aktion zeigt in ihrer Widersprüchlichkeit auch: Das Internet lässt sich nicht mehr boykottieren. Die Onlinemitteilsamkeit an sich aufzugeben, sich auszuklinken, scheint - und das ist durchaus verständlich - für viele Menschen keine umsetz- oder auch nur denkbare Option zu sein.

Zudem gibt es nicht nur die westliche Perspektive: Für viele Menschen in Schwellenländern ist Facebook nahezu gleichbedeutend mit dem Internetzugang an sich. Das Facebook-Konto löschen zu können, ist ein Privileg, das sich dort niemand leisten kann.

Deshalb ist, auch wenn das merkwürdig klingt, die Radikallösung nicht ausreichend. Es braucht Regeln, die für den Alltag von Millionen Nutzern - oder, im Fall von Facebook, zwei Milliarden - taugen.

Der #DeleteFacebook-Trend ist also nicht die finale Lösung des Problems. Sondern nur ein Anfang.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.