Ein Jahr nach US-Wahl Antirussische Stimmung bei Internetkonzernen

Facebook, Google und Twitter wurden dafür kritisiert, russische Propaganda im US-Wahlkampf geduldet zu haben. Neuerdings werden die Konzerne gegen Einflussnahme aus Russland aktiv.
Icons von Facebook, Google, Twitter, Instagram

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Foto: SPIEGEL ONLINE

Google, Facebook und Twitter beginnen derzeit mit Maßnahmen gegen russische Einflussnahme im Netz - wenige Wochen, nachdem sich die Tech-Riesen vor dem US-Kongress verantworten mussten. Die drei Unternehmen hatten eine Rolle bei der Verbreitung von Informationen gespielt, mit denen russische Akteure offenbar die US-Wahlen im November 2016 beeinflussen wollten.

Facebook hatte jüngst manipulative Anzeigen mit Wahlkampfwerbung zugunsten Donald Trumps vorgelegt, die nach Angaben des Konzerns von Russland finanziert worden seien. Twitter entlarvte Zehntausende mutmaßlich russische Accounts, die automatisiert Nachrichten posteten. Auch Google will manipulative Inhalte, etwa auf YouTube, entdeckt haben.

Bis Ende des Jahres will Facebook nun ein neues Werkzeug freischalten, mit dem Nutzer nachvollziehen können, ob sie Inhalte mit mutmaßlich russischer Propaganda geliked haben oder entsprechenden Seiten gefolgt sind. Als Grundlage dienen Facebook-Seiten und Instagram-Accounts, die Facebook der "Internet Research Agency" zuordnet. Das ist ein russisches Unternehmen, das als "Troll-Farm" bekannt wurde und offenbar Propaganda verbreitet.

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Veröffentlichung des US-Senats: So sahen die russischen Facebook-Anzeigen aus

Foto: U.S. House of Representatives

"Es ist wichtig, dass Leute verstehen, wie fremde Akteure versucht haben, mittels Facebook Zwist und Misstrauen zu sähen, vor und nach der US-Wahl 2016", schreibt Facebook in einem Blog-Eintrag . Maßnahmen wie diese sind als 180-Grad-Wende zu werten. Nach dem Wahlsieg Donald Trumps hatte Facebook-Chef Mark Zuckerberg eine mögliche Rolle seines Konzerns bei der Beeinflussung der US-Wahl noch als ""ziemlich verrückte Idee" bezeichnet.

Google will "RT" und "Sputnik" abstrafen

Auch Google plant Maßnahmen gegen russische Akteure. Am Wochenende äußerte sich Eric Schmidt , Vorsitzender von Googles Mutterkonzern Alphabet, auf einer Veranstaltung im kanadischen Halifax: Google arbeite daran, unter Umständen russische Nachrichtenseiten wie "Sputnik" und "RT" in den Suchergebnissen herabzustufen, sagte Schmidt. Eine solche Herabstufung kann für Websites starke Einbußen bei ihrer Reichweite und damit bei den Werbeeinnahmen, bedeuten.

"RT" ist ein vom russischen Staat finanzierter Auslandssender. Sputnik wurde von einem staatlichen, russischen Medienunternehmen gegründet. US-Sicherheitsbehörden nennen "RT" in einer Untersuchung den "wichtigsten internationalen Propagandakanal des Kreml" (PDF ). "RT" hatte sich auf Druck der US-Regierung vor kurzem als "ausländischer Agent" registrieren lassen.

Alexander Zharov von Russlands Medienaufsicht Roskomnadzor kritisierte Schmidts Äußerungen: "Natürlich werden wir unsere Medien verteidigen", sagte Zharov der Nachrichtenagentur Reuters zufolge . "RT" erklärte in einer Stellungnahme , Google weise "jegliche Logik und Verstand von sich" und bezeichnete Googles Pläne als eine "Form von Zensur". Von "Zensur" sprach nach Reuters-Informationen auch das russische Außenministerium. Google handele auf politischen Druck hin, zitiert Reuters eine Sprecherin am Donnerstag.

Eine Google-Sprecherin erläuterte laut Reuters, Schmidt habe sich auf Googles grundlegende Bemühungen bezogen, minderwertige, falsche oder bewusst täuschende Suchergebnisse herabzustufen. Bereits im Oktober wurde "RT" auf der Google-eigenen Videoplattform YouTube geschwächt: Wie "Bloomberg" berichtet,  empfiehlt Google den Kanal von "RT" künftig nicht mehr als einen bevorzugten Kanal für Werbekunden.

Twitter verbietet Werbeanzeigen

Auch Twitter setzt sich offenbar dafür ein, die Verbreitung und damit auch die Finanzierung der russischen Nachrichtenseiten zu erschweren. Seit Oktober dürfen "Sputnik" und "RT" auf Twitter keine Anzeigen mehr schalten, wie das Unternehmen mitteilte.

Mit ihren Initiativen wollen die Tech-Unternehmen offenbar schärferen US-Gesetzen zur Regulierung ihrer Plattformen vorbeugen - und demonstrieren, sie hätten eventuelle Probleme mit Onlinepropaganda im Griff. In einer Stellungnahme  schrieb Facebook-Chef Zuckerberg jüngst, die Maßnahmen unter anderem gegen "schlechte Inhalte und böse Akteure" auf Facebook, nehme er "todernst".