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Facebook: Die privaten Fotos des Herrn Zuckerberg

Foto: PAUL SAKUMA/ AP

Facebook-Gründer Mark Zuckerbergs Privatfotos offen im Netz

Facebook-Gründer Mark Zuckerberg öffnet sich: Nach den massiven Protesten gegen die neuen Datenschutz-Einstellungen in seinem Social Network hat er viele Information über sich selbst zugänglich gemacht. Darunter viele Privatfotos - und die machen nun im Netz die Runde.

Mark Zuckerberg, Jungmilliardär und Facebook-Gründer, ist ein Fan von Barack Obama, Nicolas Sarkozy, der Country-Sängerin Taylor Swift, der Hüftknochen-Schönheit Shakira, der Punkband Green Day - und von sich selbst. Das überrascht nicht übermäßig: Dass Zuckerberg nach all dem Erfolg durchaus ein gesundes Selbstwertgefühl hat, ist weder verwunderlich noch verwerflich. Dass aber nun jeder, der sich Zuckerbergs Facebook-Profil ansieht, auf den ersten Blick sehen kann, dass Mark Zuckerberg sich ganz offiziell zu seiner Leidenschaft für Mark Zuckerberg bekennt, erstaunt doch ein bisschen. Zuckerbergs Freunde und Bekannte wiederum mag überrascht haben, dass sie nun auf Tratschseiten im Netz öffentlich vorgeführt werden, weil sie das Pech hatten, mit dem Star gemeinsam fotografiert zu werden.

Der Grund für Zuckerbergs öffentliche Bekenntnis zu sich selbst ist - kein Witz - Öffentlichkeitsarbeit. Facebook hat gerade die Standardeinstellungen für Privatsphäre und Datenschutz für seine Nutzer massiv umgekrempelt - und dafür mächtig Prügel kassiert. Wer zu den nun "empfohlenen" Einstellungen nicht Nein sagt, teilt all seine Facebook-Aktivitäten künftig nicht mehr nur mit seinen Freunden und Bekannten, sondern auch mit sonst jedem, den es interessiert.

Facebook möchte ein bisschen mehr wie Twitter werden - all die Status-Updates, die von den 350 Millionen Usern tagaus, tagein ins Netzwerk gepumpt werden sollen Facebook jetzt zu einem zentralen Bestandteil des Echtzeit-Webs machen. Das aber geht nur, wenn diese Statusupdates eben öffentlich sind und nicht privat. Und nur dann kann man eines Tages auch Geld für diese Daten verlangen, so wie Twitter das von Google und Microsoft bereits tut.

Ist das Facebooks "Microsoft Moment"?

Das gleiche gilt für Bilder, Videos, Gruppenmitgliedschaften und eben Fan-Bekenntnisse - wer nicht widerspricht, macht all das künftig standardmäßig öffentlich bei Facebook. Um wirklich alles wieder auf ganz privat umzustellen, muss man an den unterschiedlichsten Stellen Einstellungen vornehmen , was ziemlich umständlich sein kann. Das hat zu heftiger Kritik geführt - der einflussreiche Blogger Danny Sullivan (" Search Engine Land ") fragte in einem langen, durchaus erbosten Blogpost , ob das nun Facebooks "Microsoft Moment" sei - der Moment, in dem das Unternehmen die ökonomischen Eigeninteressen vor die der Nutzer stelle und damit die uneingeschränkte Zuneigung der Netzgemeinde zwangsläufig verliere.

"Ist Facebook jetzt an der Reihe, von den Menschen als böse wahrgenommen zu werden?", fragt Sullivan. Den "Microsoft Moment" erfand Tech-Blogger Anil Dash  im Juli 2009, als Google seine Pläne für sein Betriebssystem Chrome OS vorstellte. Wie Facebook wird auch Google zunehmend dafür kritisiert, dass es sich stärker für neue Erlösströme als für die Bedürfnisse und die Privatsphäre seiner Nutzer zu interessieren scheint - auch seine Google-Privatsphäre zu schützen, kostet einigen Aufwand.

Bei Facebook selbst war im Zuge der Debatte wohl irgendjemandem aufgefallen, dass es einen schlechten Eindruck machen könnte, wenn ausgerechnet der Gründer und Prediger des Facebook-Evangeliums vom "Teilen" dabei nicht mitmacht, die vom eigenen Unternehmen "empfohlenen" Einstellungen nicht selbst umsetzt. Deshalb schrieb Zuckerberg in seinem eigenen, privaten Profil gestern: "Für alle, denen das aufgefallen ist, ich habe die meisten meiner Inhalte auf öffentlich umgestellt, so dass die Leute sie sehen können. Manches ist immer noch privat, aber ich sah keine Notwendigkeit, die Sichtbarkeit von Bildern zu begrenzen, die mich mit meinen Freunden, meiner Familie oder meinem Teddybär zeigen."

"Nützliches System für Tratschmäuler wie uns"

Zuckerbergs Privatfotos, etwa 290 Stück, sind nun aber nicht für jeden sichtbar, sondern offenbar nur für "Freunde von Freunden" innerhalb Facebooks - aber das reichte vollkommen aus, um zu einer schönen Demonstration zu führen, warum manches eben lieber privat bleiben sollte. Stunden nach der Änderung wies der erste Blogeintrag darauf hin, und wiederum kurze Zeit später veröffentlichte das für seine Boshaftigkeit bekannte Silicon-Valley-Blog "Valleywag"  eine Auswahl. "Unsere Lieblingsbilder" präsentierte "Valleywag", mit dem hämischen Vermerk: "Wir wussten doch, dass dieses neue System für Tratschmäuler wie uns nützlich sein würde."

Ob Mitglieder von Zuckerbergs Familie, Freunde oder auch der Teddybär begeistert über den Schritt sind, ist fraglich - denn die haben das Recht, zu entscheiden, welche Bilder von ihnen wann und wo veröffentlicht werden. Vielleicht hat Zuckerberg aber auch bloß das Hämepotential des Netzes unterschätzt - auf diversen Seiten werden nun freudig Fotos vorgezeigt und kommentiert, die den Facebook-Gründer mit seiner Freundin zeigen, in Shorts und Badeschlappen beim Trinken neben einem großen Bierfass, oder mit freiem Oberkörper am Pool. Tatsächlich ist auch ein Bild dabei, auf dem der Milliardär, in Schlafanzughose und Flauschpuschen, einen Teddybär knuddelt.

Mark Zuckerberg ist ein Weltstar. Allein seine zweite, offizielle Facebook-Seite (deren "Fan" er selbst ist) hat über 300.000 Fans. Eine so öffentliche Person muss Rücksicht nehmen auf Menschen (und Stofftiere) in ihrem Umfeld. Und so eine öffentliche Person hat zwangsläufig auch eine Menge Feinde und Neider. Das hatte Zuckerberg bei seiner Aktion möglicherweise nicht bedacht - oder aber einkalkuliert und den PR-Nutzen als höher eingestuft als den Schaden.

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