Prozess in Belgien Facebook ficht Cookie-Urteil wegen des Wortes Cookie an

Mit einer kleinen Datei spioniert Facebook auch Nicht-Facebook-Nutzern hinterher. Ein belgisches Gericht verbot die Praxis, Facebook hält das Urteil für ungültig - weil es englische Wörter enthalte.
Facebook-Logo: Darf das Wort "Cookie" im Cookie-Urteil vorkommen?

Facebook-Logo: Darf das Wort "Cookie" im Cookie-Urteil vorkommen?

Foto: © Dado Ruvic / Reuters/ REUTERS

Im kleinen Belgien plagen Facebook gerade große Sorgen. Ein Gericht in Brüssel hat dem weltgrößten sozialen Netzwerk verboten, eine Datei einzusetzen, mit der das Surf-Verhalten von Nicht-Mitgliedern verfolgt wird. Bei Zuwiderhandlung drohen dem Konzern 250.000 Euro Strafe - pro Tag.

Gegen das Urteil vom November legten Facebooks Anwälte Berufung ein - und scheinen dabei ein interessantes Argument gefunden zu haben. Der Richterspruch zum sogenannten datr-Cookie sei hinfällig, argumentieren sie, weil in ihm englische Wörter wie eben "Cookie" vorkommen. Oder auch "Browser". Und sogar "Homepage".

Damit verstoße das Urteil gegen ein Gesetz, nach dem alle Urteile in den offiziellen Sprachen des Landes verfasst werden müssen: Das sind Französisch, Niederländisch, Deutsch. Wegen der englischen Wörter im Urteilstext, so Facebook, müsse das gesamte Urteil annulliert werden.

Der Facebook-Vertreter in Belgien, Dirk Lindemans, sagte Wirtschaftszeitung "De Tijd", es sei nun mal Vorschrift, dass Urteile von allen verstanden würden.

Vielleicht sind diese hehren Sorgen doch unbegründet. Zumindest in der dritten Amtssprache Deutsch ist festzuhalten, dass der Duden das Wort "Cookie" kennt. Nicht nur als "englisch Cookie: Keks, Plätzchen", sondern auch als "Datei, mit der der Benutzer einer Website identifiziert werden kann".

Bei Facebook heißt es dazu, die Frage der englischen Wörter sei nur ein einzelner Aspekt in der eingelegten Berufung. Wichtiger sei, dass der betreffende Cookie die Nutzer schütze.

Im Streit geht es um Folgendes: Der Brüsseler Richter ordnete an, dass Facebook bei Internetnutzern ohne Facebook-Profil das Tracking - also das Verfolgen von Surfspuren - mit dem Cookie stoppen müsse. Personenbezogene Daten dürften nur nach eindeutiger Zustimmung der Betroffenen aufgezeichnet werden.

Bei dem Cookie handelt es sich um eine kleine Datei, die Facebook im Browser speichert, und die einige Informationen über das Verhalten von Nutzern auf Seiten mit Like-Buttons sammelt.

Facebook argumentiert , der Cookie sammele überhaupt keine personenbezogenen Daten. Er helfe, falsche Profile herauszufiltern und verhindere Cyberattacken. Wenn etwa ein Webbrowser binnen fünf Minuten Hunderte Seiten besuche, sei das ein klares Zeichen dafür, dass der Computer wohl von Kriminellen gekapert worden sei.

Facebook befolgt das Urteil vom November auf eigene Art: Den datr-Cookie gibt es weiterhin. Aber das Netzwerk will in Belgien jene Internetnutzer aussperren, die öffentliche Facebook-Profile ansteuern, aber keinen Account besitzen. Eigentlich frei zugängliche Facebook-Seiten, etwa von Prominenten, Politikern, Firmen, sind für sie verschlossen.

fab