Ankündigung von Mark Zuckerberg Facebook will Nutzern keine politischen Gruppen mehr empfehlen

Unter dem Motto »Gruppen, die dich interessieren könnten« schlug Facebook seinen Nutzern bislang auch politische Diskussionsforen vor. Damit soll nun Schluss sein. Auch im Newsfeed könnte Politik seltener auftauchen.
Facebook-Chef Mark Zuckerberg: Politische Gruppen sollen Nutzern nicht mehr empfohlen werden

Facebook-Chef Mark Zuckerberg: Politische Gruppen sollen Nutzern nicht mehr empfohlen werden

Foto: OLIVIER DOULIERY / AFP

Facebook will offenbar die politische Kommunikation auf seiner Plattform zurückfahren. Das Unternehmen wolle seinen Nutzerinnen und Nutzern keine Gruppen zu politischen Themen mehr empfehlen, kündigte Facebook-Chef Mark Zuckerberg am Mittwoch an . Auf solche Empfehlungen hatte Facebook in den USA bereits seit einiger Zeit verzichtet: Im jüngsten Präsidentschaftswahlkampf wollte sich das Unternehmen damit aus der erhitzten politischen Auseinandersetzung um das Weiße Haus heraushalten.

Facebook wolle diese Maßnahme nun auf die ganze Welt ausweiten, sagte Zuckerberg. Damit wolle der Konzern dazu beitragen, »die Gemüter zu beruhigen« und politische Kommunikation einzudämmen, die spaltend wirke. Die Gruppen bei Facebook vereinen Nutzer, die gemeinsame Interessen und Ansichten haben – zum Teil finden so auch Extremisten zusammen.

Im September hatte Facebook bekannt gegeben, dass es binnen einem Jahr mehr als eine Million Gruppen wegen Verstößen gegen Regeln des Netzwerks entfernt hatte. Zuckerberg sagte nun, es gebe darüber hinaus viele Gruppen, bei denen Facebook seine Nutzer möglicherweise nicht dazu ermutigen wolle, ihnen beizutreten.

Weniger politische Inhalte für den Newsfeed?

Die Reputation von Facebook hat in den vergangenen Jahren darunter gelitten, dass seine Plattformen für die Übermittlung irreführender, manipulativer und extremistischer politischer Botschaften genutzt wurden. Auch im Zuge des Sturms auf das US-Kapitol stand Facebook massiv in der Kritik . Geschäftsführerin Sheryl Sandberg hatte Facebooks Rolle bei der Organisation der Proteste zunächst heruntergespielt.

In den USA stand Facebook in den vergangenen Wochen auch deshalb massiv in der Kritik, weil Donald Trump und Unterstützer des früheren Präsidenten über die Netzwerke des Konzerns die Falschbehauptung verbreitet hatten, der Wahlsieg des neuen Präsidenten Joe Biden über Trump sei durch Betrügereien zustande gekommen.

Der Facebook-Konzern sperrte im Zuge solcher Botschaften die Seiten Trumps im Netzwerk sowie in dem ebenfalls zum Unternehmen gehörenden Dienst Instagram, allerdings nur vorläufig. Ob die Konten Trumps dauerhaft gelöscht werden sollen, ist noch nicht entschieden. Facebook hat diese Entscheidung an das neue Oversight Board übergeben, eine Art »oberstes Gericht« für Facebook.

Zuckerberg kündigte auch an, dass Facebook erwäge, die Zahl der in die Newsfeeds der Nutzer eingespeisten politischen Inhalte zu reduzieren. Die Nutzer sollten sich aber weiter von sich aus auf den Plattformen des Konzerns an politischen Gruppen und Diskussionen beteiligen können, sagte er.

mbö/dpa
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