Facebook-Phänomen "Plank Challenge" Auf einmal wollen alle mitmachen

Daniel Malik aus Wien wirbt auf Facebook für eine Art kollektiven Liegestütz. Plötzlich wollen sich eine halbe Million Menschen an seiner "Plank Challenge" beteiligen. Was hat es mit dem Hype auf sich?
Screenshot der Facebook-Seite: Rund eine halbe Million Zusagen

Screenshot der Facebook-Seite: Rund eine halbe Million Zusagen

Facebook-Partys? Dieser Hype ist vorbei. Doch noch immer werden in dem sozialen Netzwerk Veranstaltungen angekündigt, die bei Hunderttausenden Nutzern auf Interesse stoßen. Gerade ist das bei der "Plank Challenge " der Fall. Das Facebook-Event ruft dazu auf, dass man den Februar über ein wenig Sport macht - nicht an einem bestimmten Ort, sondern jeder, wo er will. Fast 500.000 überwiegend deutschsprachige Nutzer spricht das an.

Angeregt wird zum sogenannten Planken. Dafür legt man sich auf den Boden und stützt sich hinten wie beim Liegestütz auf den Zehenspitzen ab. Dann stellt man sich vorne auf Handgelenk und Ellenbogen und versteift seinen Körper zu einem Brett.

Bei der "Plank Challenge", die am 1. Februar startet, sollen die Teilnehmer die Position am ersten Tag 20 Sekunden lang halten. Von Tag zu Tag wird diese Zeitspanne größer, am 30. und letzten Tag der Challenge sind 270 Sekunden gefordert.

Wir haben mit dem Initiator des Events gesprochen.

Zur Person
Foto: Ortrun Leinwather

Daniel Malik, geboren 1979, ist Sportwissenschaftler und hauptberuflich Sportlehrer an einem Gymnasium. Er ist Präsident des österreichischen Dodgeball-Verbandes. Dodgeball ähnelt dem Völkerball, wird aber mit vier Bällen gespielt. Malik wohnt in Wien.

SPIEGEL ONLINE: Herr Malik, Sie haben das "Plank Challenge"-Event  am 7. Januar ins Netz gestellt, mittlerweile hat es fast 500.000 Zusagen. Wie ist das denn passiert?

Malik: Die Veranstaltung ging über Nacht viral. Ich habe offensichtlich die richtigen Worte zur richtigen Zeit gewählt: "Jedes Jahr beginnt mit einem guten Vorsatz." Und es ist einfacher, sich in einer Gruppe zum Sport zu motivieren.

SPIEGEL ONLINE: Für wen haben Sie die Veranstaltung online gestellt?

Malik: Eigentlich nur für mich. Ich wollte schon direkt nach Silvester an einer Facebook-Planking-Challenge einer Kanadierin teilnehmen, aber ich habe mich dann am Rücken verletzt. Jetzt bin ich wieder gesund und habe Lust - und gute Vorsätze. Deshalb habe ich zusammen mit "Schmelz Fest", der Community der Wiener Sportstudenten , eine Veranstaltung bei Facebook erstellt und gehofft, dass der ein oder andere mitmacht.

SPIEGEL ONLINE: Wann bekamen Sie die ersten Zusagen?

Malik: Ich habe die Veranstaltung abends erstellt und bin ins Bett gegangen. Bis zum Morgen hatten 700 Leute zugesagt. Am Ende des zweiten Tages waren es 350.000 Teilnehmer. Dabei hat die "Schmelz Fest"-Community gerade mal 3000 Mitglieder. Nach ungefähr vier Tagen flaute es etwas ab, in der letzten Woche kamen aber nochmal 143.000 Zusagen dazu.

SPIEGEL ONLINE: Glauben Sie, die Leute machen auch alle mit? Oder ist das nur Angeberei in sozialen Medien?

Malik: Klar machen die mit. Die Veranstaltung haben noch weit mehr Leute gesehen, als die, die jetzt zugesagt haben. Da kann ich mir schon vorstellen, dass nur die auf "Teilnahme" geklickt haben, die wirklich Bock drauf haben. Ob allerdings alle durchhalten, weiß ich natürlich nicht.

SPIEGEL ONLINE: Haben Sie beim Bekanntmachen der Veranstaltung nachgeholfen, etwa mit gesponserten Facebook-Meldungen?

Malik: Überhaupt nicht. Im Gegenteil, ich bin gar nicht mehr so glücklich mit der Zahl der Zusagen.

SPIEGEL ONLINE: Wieso das nicht?

Malik: Weil Facebook mittlerweile die Benachrichtigungsfunktion zur Veranstaltung abgestellt hat. Eigentlich wollte ich zweimal am Tag, morgens und abends, eine Erinnerung posten. Die Benachrichtigungen wären oben rechts als Meldung im Facebook-Fenster erschienen, die Posts in der Timeline. Aber ab 100.000 Zusagen ist die Veranstaltung zu groß. Wir können zwar was posten, aber das sehen nur noch die, die gezielt auf die Seite gehen.

SPIEGEL ONLINE: Ist die Veranstaltung also gescheitert?

Malik: Nein, auf keinen Fall. Weil ich sie ja durchziehen werde. Das ganze Land wird planken. Ich unterrichte Sport an einem Gymnasium in Wien und hörte von einer Schülerin, dass ihre Mutter, die auch Lehrerin ist, mit ihrer Klasse mitmacht. Viele Leute haben sich bei mir gemeldet und gesagt, sie würden mit ihrem kompletten Büro am Arbeitsplatz planken.

SPIEGEL ONLINE: Wie geht es jetzt weiter?

Malik: Erst einmal habe ich die Seite "Happy Challenges " gründet. Ich habe sehr viele Anfragen bekommen, ob es Fortsetzungen des Planking-Wettbewerbs oder Wettbewerbe mit anderen Übungen geben wird. Das passiert dann auf "Happy Challenges" und dort kann die Zahl der Likes so groß sein, wie sie will.

SPIEGEL ONLINE: Verdienen Sie mit "Happy Challenges" Geld?

Malik: Das war nie die Absicht. Aber es gibt Anfragen von Menschen, die wissen, wie man mit einer Facebook-Seite Geld macht. Zum Beispiel ein Nahrungsergänzungsmittelhersteller oder Fitnessstudios. Wir sind in Verhandlungen darüber, wie eine Kooperation aussehen könnte.

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