Studie der Uni Oxford Forscher warnen vor Ausfall von Facebook

Britische Wissenschaftler fürchten "katastrophale soziale und wirtschaftliche Folgen", falls das soziale Netzwerk einmal ausfalle. Facebook sei "too big to fail" - wie große Banken.
Facebook-Kantine in London

Facebook-Kantine in London

Foto: DANIEL LEAL-OLIVAS / AFP

Könnten Sie gut ohne Facebook und andere soziale Netzwerke leben und trotzdem Kontakt zu Freunden und der Familie halten? Wenn Sie diese Frage mit Ja beantworten, haben Sie einigen Nutzerinnen und Nutzern etwas voraus. Das legt zumindest eine Untersuchung von Forschern der Universität Oxford  nahe, die behauptet: Wie in der Finanzkrise ab 2007, als große systemrelevante Banken vom Staat gerettet werden mussten, seien nun auch große soziale Netzwerke, allen voran Facebook, heute ebenfalls "too big to fail".

Man müsse sich darauf vorbereiten, falls Facebook einmal ausfalle. Das Abschalten einer solchen globalen Plattform "könnte katastrophale soziale und wirtschaftliche Folgen für unzählige Gemeinschaften haben, die täglich auf die Plattform angewiesen sind", schreiben die Autoren Carl Öhman und Nikita Aggarwal. Das gelte aber auch für die Nutzer selbst, die viele Daten auf den Facebook-Servern gespeichert hätten, für kleine Unternehmen und Vermarkter, die sich auf die Seite ausgerichtet hätten oder auf die Kommunikation in Gruppen.

"Wir ziehen ausdrücklich eine Analogie zum Konzept der 'systemisch wichtigen Finanzinstitute', das eine Antwort auf das 'Too big to fail'-Problem war", sagt Forscherin Aggarwal dem "Guardian ". Die Lehren aus der Finanzkrise zeigten, dass Gesellschaften das Unmögliche planen müssen - und es gebe Parallelen zu Institutionen, die erhalten werden müssten, die aber nicht am Leben erhalten werden könnten.

Von einem Shutdown besonders betroffen wären nach Ansicht der beiden Forscher Entwicklungsländer. So seien die Menschen dort teils von einer Facebook-basierten Öffentlichkeit abhängig, die Plattform habe sich dort teilweise zum Synonym für das Internet an sich und als zentrale Nachrichtenquelle etabliert.

In Laos heißt Internet fast immer Facebook

Ein bemerkenswertes Beispiel, so schreiben es die Autoren, sei Laos: "Es ist ein Land, das erst vor so kurzer Zeit digitalisiert wurde, dass seine Sprache noch nicht ordnungsgemäß von Google indexiert wurde. Diese Lücke wird durch Facebook geschlossen." Da je nach Land Alternativen fehlten, könnte ein plötzlicher Verlust Kontakte zwischen Menschen, Freunden, in der Familie hemmen, den Nachrichtenstrom stoppen und den Handel behindern.

Neben diesen unmittelbaren Folgen für Nutzer bestehen laut den Forschern auch Gefahren für künftige Generationen - nämlich des Verlusts einer riesigen Menge historischen Materials, auf das nicht mehr zugreifen kann. Falls das Unternehmen in einem Insolvenzverfahren verkauft würde, könnten womöglich auch Datensätze einfach weiterverkauft oder gelöscht werden.

Forscherin Aggarwal denkt deshalb laut "Guardian" bereits über die Möglichkeit nach, das Facebook-Archiv zu einer "Stätte des digitalen Welterbes" erklären zu lassen, ähnlich dem Welterbestatus der Unesco. Um zudem Schäden bei einem Ausfall des Netzwerks zu verhindern, fordern sie und Öhman Schritte für "systemisch wichtige technologische Institutionen".

Ob dies realistisch ist, ist offen. Bemühungen im US-Kongress, die Machtfülle der Techkonzerne - neben Facebook noch Amazon, Google, Apple - überhaupt nur zu erörtern, schlugen fehl.

apr
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